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Frischkäse statt Tessiner Milch

Der Tessiner Milchverarbeiter LATI, eine der letzten klassischen Verbandsmolkereien, erhält ein neues Aktionariat und wird saniert. Mit Frischkäse und Weichkäse will man zurück auf die Erfolgsspur.

von Roland Wyss

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Der Tessiner Milchverarbeiter LATI in San Antonino, Tochterfirma des Milchverbandes FTPL, hatte schon seit einigen Jahren Mühe, über die Runden zu kommen: Ein breites, kostenintensives Sortiment und sinkende Margen setzen der LATI zu. 2018 waren die Verluste besonders gross. Bereits im Sommer gab es erste Gespräche zwischen der FTPL und den Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP. Im Herbst traten der Direktor Roberto Broglia und der Vizepräsident des Verwaltungsrates Daniele Maffei zurück. Anfang Dezember trat der neue Direktor Aris Ghilardi seinen Posten an. Die finanziellen Probleme der LATI verschärften sich, die Gespräche zwischen FTPL und ZMP drehten sich nun darum, die Liquidität durch ein Darlehen zu sichern, und die Übernahme der Milch, falls es zum Konkurs kommen sollte. Konkret geht es um rund 12 Millionen Kilogramm von 180 Milchproduzenten. «Die ZMP hat bis vor ein paar Jahren im Sommer auch Milch an die LATI geliefert», sagt ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden. Man habe durch die Kontakte im 2018 gesehen, dass es bei der LATI nicht zum besten stehe und sei offen gewesen für deren Anliegen. Vor Weihnachten kam Carlo Croci ins Spiel. Croci ist ehemaliger Städtpräsident von Mendrisio und Direktor der Treuhandfirma Interfida, er half vor einigen Jahren, den Caseifico del Gottardo in Airolo zu sanieren. «Den ersten Telefonanruf habe ich am 24. Dezember am Nachmittag erhalten», sagt er. «Das erste Treffen mit dem Direktor fand am 29. Dezember statt und am 3. Januar war ich zum ersten Mal im Betrieb.» Man kennt sich aus Airolo Dann musste alles rasch gehen. Ohne Intervention wäre die LATI innerhalb weniger Wochen insolvent geworden, sagt Croci. Am 18. Januar war man soweit, dass LATI auf eine neue Basis gestellt werden konnte: An einer Universalversammlung der LATI wurde das bisherige Aktienkapital abgeschrieben, die Cantina Sociale di Giubiasco, Weinproduzent und Tochterfirma der FTPL, verzichtete auf die Rückzahlung eines grösseren Darlehens. Beschlossen wurde ferner die Erhöhung des Aktienkapitals auf eine Million Franken. Neben der FTPL, die nun noch mit 20 Prozent beteiligt ist, steigen die ZMP mit 70 Prozent und der Tessiner Käsehändler Cetra Alimentari SA mit zehn Prozent ein. Entsprechend wurde der neue Verwaltungsrat zusammengesetzt: Präsident ist Carlo Croci, Vorgänger Ulrico Feitknecht trat bereits Anfang Januar zurück. Ferner sitzen Christian Arnold, Milchproduzent aus Seedorf UR, Jürg Dräyer, Geschäftsführer der Cetra Alimentari, Silvio Guggiari, Geschäftsführer der FTPL und Robert Muri, Ex-Schweiz-Chef bei Emmi, in dem Gremium. Mit dieser Besetzung ist Croci hochzufrieden: Dräyer kennt er aus dem Verwaltungsrat des Caseifico del Gottardo, wo Cetra Alimentari Hauptaktionär ist. Und Robert Muri sei der «Mario Botta der Käsebranche», lacht Croci, zusammen mit Walter Burri, dem Höhlenmeister von Kaltbach, werde er die Produktion durchleuchten und fit machen für die Zukunft. Ein wichtiger Entscheid wurde schon gefällt: Die Milchabfüllung, seit Jahren defizitär, wird per Ende März stillgelegt. «Wir müssen uns auf Frisch- und Weichkäse konzentrieren, da sehen wir gute Chancen, um auch in der Deutschweiz vermehrt zu verkaufen», sagt Croci. Das hohe Milchpreisniveau im Tessin eigne sich nicht für margenschwache Produkte. Die ZMP Invest als neue Mehrheitsaktionärin investiert Geld im Tessin, wie kann sie das ihren Milchbauern erklären? Bei einem LATI-Konkurs würde die Tessiner Milch mit grosser Wahrscheinlichkeit irgendwo unterpreisig angeboten und den Markt stören, sagt Carol Aschwanden. Zudem hätte auch ein ausländischer Molkereikonzern versuchen können, mit dem Kauf der LATI in den Schweizer Markt einzutreten. Das Risiko für die ZMP Invest sei überschaubar, der Beteiligungsbetrag sei relativ bescheiden und für den schlimmsten Fall habe man mit den Gebäuden und der Infrastruktur Sicherheiten. Croci sagt, man müsse jetzt die Situation gut analysieren, in ein paar Monaten soll eine Strategiesitzung stattfinden und es sollen weitere Beschlüsse gefasst werden. Dass es bei den gut 60 Mitarbeitenden auch Entlassungen geben könnte, kann er heute nicht ausschliessen. roland.wyss@rubmedia.ch
Die LATI-Milchabfüllung ist defizitär. Sie wird per Ende März eingestellt. (Bild: zVg)

Der Tessiner Milchverarbeiter LATI in San Antonino, Tochterfirma des Milchverbandes FTPL, hatte schon seit einigen Jahren Mühe, über die Runden zu kommen: Ein breites, kostenintensives Sortiment und sinkende Margen setzen der LATI zu. 2018 waren die Verluste besonders gross. Bereits im Sommer gab es erste Gespräche zwischen der FTPL und den Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP. Im Herbst traten der Direktor Roberto Broglia und der Vizepräsident des Verwaltungsrates Daniele Maffei zurück. Anfang Dezember trat der neue Direktor Aris Ghilardi seinen Posten an. Die finanziellen Probleme der LATI verschärften sich, die Gespräche zwischen FTPL und ZMP drehten sich nun darum, die Liquidität durch ein Darlehen zu sichern, und die Übernahme der Milch, falls es zum Konkurs kommen sollte. Konkret geht es um rund 12 Millionen Kilogramm von 180 Milchproduzenten. «Die ZMP hat bis vor ein paar Jahren im Sommer auch Milch an die LATI geliefert», sagt ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden. Man habe durch die Kontakte im 2018 gesehen, dass es bei der LATI nicht zum besten stehe und sei offen gewesen für deren Anliegen.

Vor Weihnachten kam Carlo Croci ins Spiel. Croci ist ehemaliger Städtpräsident von Mendrisio und Direktor der Treuhandfirma Interfida, er half vor einigen Jahren, den Caseifico del Gottardo in Airolo zu sanieren. «Den ersten Telefonanruf habe ich am 24. Dezember am Nachmittag erhalten», sagt er. «Das erste Treffen mit dem Direktor fand am 29. Dezember statt und am 3. Januar war ich zum ersten Mal im Betrieb.»

Man kennt sich aus Airolo

Dann musste alles rasch gehen. Ohne Intervention wäre die LATI innerhalb weniger Wochen insolvent geworden, sagt Croci. Am 18. Januar war man soweit, dass LATI auf eine neue Basis gestellt werden konnte: An einer Universalversammlung der LATI wurde das bisherige Aktienkapital abgeschrieben, die Cantina Sociale di Giubiasco, Weinproduzent und Tochterfirma der FTPL, verzichtete auf die Rückzahlung eines grösseren Darlehens. Beschlossen wurde ferner die Erhöhung des Aktienkapitals auf eine Million Franken. Neben der FTPL, die nun noch mit 20 Prozent beteiligt ist, steigen die ZMP mit 70 Prozent und der Tessiner Käsehändler Cetra Alimentari SA mit zehn Prozent ein. Entsprechend wurde der neue Verwaltungsrat zusammengesetzt: Präsident ist Carlo Croci, Vorgänger Ulrico Feitknecht trat bereits Anfang Januar zurück. Ferner sitzen Christian Arnold, Milchproduzent aus Seedorf UR, Jürg Dräyer, Geschäftsführer der Cetra Alimentari, Silvio Guggiari, Geschäftsführer der FTPL und Robert Muri, Ex-Schweiz-Chef bei Emmi, in dem Gremium.

Mit dieser Besetzung ist Croci hochzufrieden: Dräyer kennt er aus dem Verwaltungsrat des Caseifico del Gottardo, wo Cetra Alimentari Hauptaktionär ist. Und Robert Muri sei der «Mario Botta der Käsebranche», lacht Croci, zusammen mit Walter Burri, dem Höhlenmeister von Kaltbach, werde er die Produktion durchleuchten und fit machen für die Zukunft. Ein wichtiger Entscheid wurde schon gefällt: Die Milchabfüllung, seit Jahren defizitär, wird per Ende März stillgelegt. «Wir müssen uns auf Frisch- und Weichkäse konzentrieren, da sehen wir gute Chancen, um auch in der Deutschweiz vermehrt zu verkaufen», sagt Croci. Das hohe Milchpreisniveau im Tessin eigne sich nicht für margenschwache Produkte.

Die ZMP Invest als neue Mehrheitsaktionärin investiert Geld im Tessin, wie kann sie das ihren Milchbauern erklären? Bei einem LATI-Konkurs würde die Tessiner Milch mit grosser Wahrscheinlichkeit irgendwo unterpreisig angeboten und den Markt stören, sagt Carol Aschwanden. Zudem hätte auch ein ausländischer Molkereikonzern versuchen können, mit dem Kauf der LATI in den Schweizer Markt einzutreten. Das Risiko für die ZMP Invest sei überschaubar, der Beteiligungsbetrag sei relativ bescheiden und für den schlimmsten Fall habe man mit den Gebäuden und der Infrastruktur Sicherheiten.
Croci sagt, man müsse jetzt die Situation gut analysieren, in ein paar Monaten soll eine Strategiesitzung stattfinden und es sollen weitere Beschlüsse gefasst werden. Dass es bei den gut 60 Mitarbeitenden auch Entlassungen geben könnte, kann er heute nicht ausschliessen.
roland.wyss@rubmedia.ch