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Verkäsungszulage ist für Branche tabu

Die Milch- und Käsebranche hält gar nichts von den Vorschlägen des Bundesrates, die Verkäsungszulage zu senken und dafür im Gegenzug die Siloverzichtszulage zu verdoppeln. Das sei kontraproduktiv.

von Stephan Moser

Silofreie Milch ist die Grundlage für hochwertigen Rohmilchkäse. (Bild Swissmilk/zvg)

Im Rahmen der Agrarpolitik 22+ will der Bundesrat die Milchpreisstützung neu ausrichten. Die Zulage für Fütterung ohne Silage soll verdoppelt werden (von drei auf sechs Rappen pro Kilogramm Milch), die Verkäsungszulage soll im Gegenzug um zwei Rappen reduziert werden (von 15 auf 13 Rappen pro Kilogramm). Damit verfolgt der Bundesrat zwei Ziele: Erstens soll es für die Bauern attraktiver werden, silofreie Milch zu produzieren. Sie ist der Rohstoff, aus dem wertschöpfungsstarker Rohmilchkäse hergestellt wird. Zweitens will der Bundesrat so Fehlanreize ausmerzen, die zur Produktion von billigem Viertelfettkäse für den Export führen.

Milchbranche fürchtet Preisdruck

Die Vernehmlassung läuft noch bis am 6. März, aber bereits jetzt zeigt sich: Bei den Schweizer Milchproduzenten SMP kommen diese Vorschläge nicht gut an. Jegliche Reduktion der Verkäsungszulage komme einer «direkten, flächendeckenden Senkung des Molkeimilchpreises in der ganzen Schweiz gleich», schreibt die SMP in ihrer Antwort auf die Vernehmlassung. «Eine Senkung der Verkäsungszulage um zwei Rappen bedeutet eine Milchpreissenkung um zwei Rappen», verdeutlicht Reto Burkhardt, Leiter Kommunikation SMP. «So würden 70 Millionen Franken Wertschöpfung vernichtet.»

Gegen eine Reduktion der Verkäsungszulage ist auch Fromarte, der Branchenverband der gewerblichen Käsereien. Die Verkäsungszulage sei eingeführt worden als Kompensation für den weggefallenen Grenzschutz beim Käsefreihandel mit der EU, sagt Fromarte-Direktor Jacques Gygax auf Anfrage. «Solange am Grenzschutz nichts geändert wird, darf auch die Verkäsungszulage nicht gesenkt oder umgelagert werden.»

Ein weiterer Kritikpunkt der Branche ist die geplante Ausweitung der Siloverzichtszulage: Bisher zahlte der Bund die Zulage für Fütterung ohne Silage nur für Milch, die verkäst wurde. Neu soll diese Zulage auf sämtliche silofreie Milch bezahlt werden, unabhängig von der Weiterverarbeitung. Keine gute Idee, finden sowohl SMP wie Fromarte. Das führe zu falschen Anreizen auf dem Markt, «zur Produktion von Milch höchster Qualität, für die es keinen Markt hat», halten die Milchproduzenten fest. Damit gerieten die Milchpreise weiter unter Druck. Aktuell habe es bereits ausreichend silofrei produzierte Milch auf dem Markt. Das sagt auch Jacques Gygax. Fromarte unterstütze eine Erhöhung der Siloverzichtszulage, aber sie dürfe nicht zu Lasten der Verkäsungszulage gehen. «Und die Siloverzichtszulage soll weiterhin nur für Milch gewährt werden, die zu Käse verarbeitet wird.»

Je fetter, desto mehr Zulage?

Dass die Verkäsungszulage dazu verlocken kann, Käse mit sehr tiefem Fettgehalt herzustellen, ist auch den Milchproduzenten be-wusst. Sie propagieren deshalb eine treppenartige Abstufung der Verkäsungszulage nach Fettgehalt auf dem Verordnungsweg. Den Anfang habe der Bundesrat ja bereits gemacht, schreiben die SMP: Seit dem 1. Januar 2014 müssen Käse einen Fettgehalt in der Trockenmasse von mindestens 150 Gramm pro Kilogramm aufweisen, damit sie die Zulage für verkäste Milch erhalten. Die Milchproduzenten unterstützen eine hängige Motion der Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Nationalrates, die eine solche Abstufung fordert. Doch der Bundesrat winkt ab: Der Administrativ- und Kontrollaufwand wäre hoch, warnt er in seiner Antwort auf die Motion, das hätten die Erfahrungen aus den Kontrollen des Mindestfettgehalts gezeigt.

Das Bundesamt für Landwirtschaft wollte sich vor Ende der Vernehmlassung nicht zur Kritik der Branche äussern.