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Nutri-Score: Danone schafft Fakten

Als erster Lebensmittelhersteller führt Danone in der Schweiz ab März den Nutri-Score ein. Die Branche tritt bei der Lebensmittel-Ampel nach wie vor auf die Bremse. Nun lädt der Bund im April zum runden Tisch.

von Stephan Moser

Der Zuckergehalt in Joghurts soll weiter sinken. (Bild zvg)

Die Lebensmittel-Ampel hält Einzug in die Kühlregale der hiesigen Supermärkte. Wie im letzten Herbst angekündigt, führt der französische Hersteller Danone in der Schweiz das Nährwert-Label Nutri-Score (siehe Kasten) ein. Den Anfang machen ab dem 6. März die «Danonino»-Joghurtquark für Kinder – in Deutschland als «Fruchtzwerge» im Verkauf –, wie Philippe Aeschlimann, Pressesprecher von Danone Schweiz, gegenüber alimenta erklärt. Danach sollen im März, April und September weitere Produkte folgen. «Ende 2019 sollte ein Grossteil unserer Milchfrischeprodukte das Label Nutri-Score tragen, bis Ende 2020 alle Milchfrischeprodukte.» Danone engagiere sich seit langem für die Fett- und Zuckerreduktion, sagt Aeschlimann. Mit Nutri-Score gehe man nun einen Schritt weiter: «Wir wollen ein gesünderes Essverhalten fördern, indem wir den Konsumenten eine leicht verständliche Orientierung beim Einkaufen geben.»

Gute Note «B» für Joghurtquark

Die «Danonino» bekommen im Nutri-Score-System die gute Note «B». Seit der Markteinführung des Produkts vor über 35 Jahren sei die Rezeptur stetig verbessert worden, begründet Danone das gute Abschneiden. So enthielten die Danonino heute 37 Prozent weniger Zucker und 68 Prozent weniger Fett als zum Zeitpunkt ihrer Einführung. Den ungünstigsten Nährwert hat das Danone-Produkt Danette Mousse mit dem Nutri-Score «D».

Danone ist das erste Unternehmen, das in der Schweiz auf eine Lebensmittel-Ampel setzt. «Wir würden es begrüssen, wenn weitere Unternehmen den Nutri-Score einführen», sagt Aeschlimann. Die Branche allerdings sträubt sich. Die IG Detailhandel, zu der unter anderem Coop und Migros gehören, zerpflückt den Nutri-Score in einer Stellungnahme: Die Portionengrösse werde nicht berücksichtigt, es sei für den Konsumenten nicht transparent, wie die Bewertung zustandekomme und ausserdem stehe die pauschalisierte Bewertung eines Produkts im Widerspruch zur personalisierten Ernährung.
Auch Emmi, der grösste Milchverarbeiter der Schweiz, hat nicht geplant, in den nächsten Monaten Nutri-Score oder irgendein vergleichbares System einzuführen, wie der Konzern auf Anfrage von alimenta schreibt. Die grössten Schwächen von Nutriscore sind aus der Sicht von Emmi die starke Vereinfachung; es würden nur ausgewählte Nährstoffe in die Bewertung einbezogen, nicht aber Mikronährstoffe wie Vitamine und Mineralien. Zudem führe die Darstellung der Bewertung in Ampelfarben in eine unzureichende Unterteilung in «gute» und «schlechte Lebensmittel», schreibt Emmi weiter.

Einheitliche Lösung gefragt

Anders sieht das Josiane Walpen, Leiterin Ernährung und Mobilität bei der Stiftung für Konsumentenschutz. Nutri-Score sei eine «verständliche Kennzeichnung, die auf wissenschaftlichen Grundlagen beruht und umfassend ist». Darum begrüsse der Konsumentenschutz die Initiative von Danone: «Danone zeigt, dass es möglich ist.» Wichtig sei aber, dass sich die Konsumenten nicht mit verschiedenen Ampeln und Nährwertkennzeichnungen herumschlagen müssten, betont Josiane Walpen.

Gleicher Meinung ist auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Deshalb lädt das BLV im April Vertreter der Konsumentenorganisationen und der Wirtschaft zu einem runden Tisch ein. Die Teilnehmer würden über die verschiedenen Kennzeichnungssysteme, insbesondere Nutri-Score, informiert, sagt BLV-Sprecherin Eva van Beek. «Wir erwarten von der Branche, dass sie eine gemeinsame Lösung findet.» Van Beek betont, die allfällige Einführung eines Labels beruhe auf Freiwilligkeit. «Das BLV kann die Unternehmen nicht zwingen, ein Label einzuführen.»

Auch Emmi fände es begrüssenswert, wenn man sich in der Schweiz auf eine gemeinsame Lösung einigen könnte. «Das Vorpreschen einzelner Akteure ist da hinderlich, denn alle derzeit im Einsatz befindlichen Systeme haben Vor- und Nachteile», kritisiert Emmi den Alleingang von Danone. Konsumentenschützerin Walpen hingegen findet, dass Danone Bewegung in die Sache bringe, «mit einem guten System». Wichtig sei aber, dass sich Bund, Industrie und Konsumentenorganisationen jetzt rasch auf ein System einigten, damit sich nicht verschiedene Systeme etablierten.