Datum: Branche:

Nachhaltige Kakaobeschaffung

Um einen vertieften Einblick in die Nachhaltigkeit der Kakaoproduktion in Ecuador zu erhalten, liess Chocolats Halba bei der Firma Sustainable Food Systems eine sogenannte SMART-Analyse durchführen.

von Olivia Keller*

akaobauer Don Andrés schneidet die Bäume auf seiner Mischpflanzung in der Provinz Guayas in Ecuador zurück.
Von der Wiese zum Wald: Agroforst-Training.
Im Agroforst hat es auch Bananenbäume.
Kakaosetzlinge.

Dass eine Berücksichtigung von diversen Nachhaltigkeitsaspekten keine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit für Unternehmen ist, ist heute für viele Akteure im Lebensmittelsektor klar. Doch wo und wie kann man als Produzent, verarbeitendes Unternehmen oder Detailhändler ansetzen, um Risiken in der Lieferkette zu minimieren und Optimierungspotenziale proaktiv zu erkennen und zu erschliessen?
Diese Fragen hat sich Chocolats Halba als eines der führenden Unternehmen im Schweizerischen Schokoladenmarkt bereits vor einigen Jahren gestellt. Schon 2012 hat die Division von Detailhändlerin Coop eine erste, umfangreiche Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet, mit dem Ziel, Nachhaltigkeit im Unternehmen zu stärken und ins Kerngeschäft zu integrieren. Eine der dabei definierten vier Säulen war die nachhaltige Beschaffung, weil oftmals auf vorgelagerten Wertschöpfungsstufen die grössten Umwelt- und Sozialwirkungen ausgemacht werden können. Neben der nachhaltigen Beschaffung rückten auf Unternehmensebene betrieblicher Umweltschutz, Mitarbeitende und nachhaltige Marktleistung ebenfalls in den Fokus. Die 2012 dazu definierten Ziele und Massnahmen wurden 2016 aktualisiert, sowie an der Global Reporting Initiative, den Sustainable Development Goals und den Konventionen der International Labour Organization ausgerichtet.

Nachhaltige Rohstoffbeschaffung im Fokus

Im Bereich der nachhaltigen Beschaffung hat Chocolats Halba dem Kakao aufgrund der ökonomischen Bedeutung, aber auch wegen ökologischen und sozialen Risiken die höchste Priorität zugewiesen. Der möglichst direkte Einkauf von Kakaobohnen bei Kooperativen ist dabei ein Kernbestandteil der Beschaffungsstrategie von Chocolats Halba. Durch faire Mindestpreise und Abnahmegarantien sollen lokale Produzenten gestärkt werden. Dabei setzt Chocolats Halba auf Label wie Fairtrade, UTZ und die Bio Suisse-Knospe.
Obwohl diese zwar jeweils bereits wichtige Nachhaltigkeitsbereiche abdecken, war es Chocolats Halba stets wichtig, in ihren Projekten und der Beschaffungsstrategie die verschiedenen Themen nicht isoliert, sondern die Nachhaltigkeit ganzheitlich anzugehen. Ein Beispiel dafür sind die Projekte für Agroforstwirtschaft, die Chocolats Halba mit den Partnerkooperativen in Honduras, Peru, Ecuador und Ghana umgesetzt hat. Dabei wird Kakao statt in Monokultur zusammen mit lokalen Edelholzbäumen, Früchten oder Gemüse angepflanzt. Resultat: Die Biodiversität steigt, die Böden bleiben fruchtbar, die Kakaopflanzen erhalten dringend benötigten Schatten. Die Kleinbauern profitieren von einer höheren Kakaoproduktivität und zusätzlichen Einnahmen durch die Mischpflanzen.

Nachhaltigkeit ganzheitlich analysieren, messen und bewerten

Trotz enger Kooperation mit Produzentengemeinschaften blieb es für Chocolats Halba eine grosse Herausforderung, detaillierte und vergleichbare Informationen zur Nachhaltigkeit in der Primärproduktion zu erhalten. Aus diesem Grund wurde 2017 eine Studie zur Bewertung der Nachhaltigkeitsleistungen der Kakao produzierenden Betriebe in Ecuador mit dem sogenannten SMART-Farm Tool bei der Sustainable Food Systems GmbH (SFS) und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fi BL) in Auftrag gegeben.
Ziel der vom Coop Fonds für Nachhaltigkeit finanzierten Studie war es, fundierte Nachhaltigkeitsinformationen zu den Bio Suisse- und Fairtrade-zertifizierten Zulieferbetrieben in Ecuador zu erhalten und relevante Hotspots und Risikobereiche zu identifizieren, diese Zulieferbetriebe mit konventionellen Produzenten in der Region zu vergleichen sowie das Agroforstprojekt FINCA zu evaluieren.

Vielseitiger Nutzen einer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbewertung

Die ganzheitliche Bewertung der über 100 Kakaoproduzenten mit dem SMART-Farm Tool hat Chocolats Halba detaillierte und gezielte Einblicke in die landwirtschaftliche Produktion von Kakao in Ecuador ermöglicht. So wurde beispielsweise offensichtlich, wie komplex das Thema Nachhaltigkeit auf Produzentenebene ist, und wie sehr ökologische, soziale und ökonomische Faktoren miteinander verflochten sind. Besonders erfreulich waren die relativ guten Ergebnisse der Chocolats Halba-Zulieferbetriebe in der ökologischen Dimension. «Die SMART-Analyse und vor allem die Vergleichsmöglichkeit zwischen konventionellem und biologischem Kakaoanbau haben uns einen tiefen Einblick in die Nachhaltigkeit unserer Kakaoproduzenten gewährt und die Bedeutung des Biolandbaus bei Kleinbauern in den Tropen bestätigt», sagt Petra Heid, Nachhaltigkeitsverantwortliche bei Chocolats Halba. «Auf Basis der Ergebnisse wissen wir nun, wo diese bereits sehr gut abschneiden und wo noch Optimierungspotenzial besteht, zum Beispiel beim Wasser- oder Materialmanagement. So können wir unser Nachhaltigkeitsengagement fokussieren und effektiv steuern.»

Chocolats Halba ist mehr denn je überzeugt, dass ganzheitliche Ansätze der Weg zum nachhaltigen Erfolg sind. So steht auch bereits das nächste grosse Nachhaltigkeitsprojekt in den Startlöchern: In Kooperation mit diversen Partnern setzt Chocolats Halba momentan ein Projekt in Ghana um, welches erstmals CO2-Zertifizierung mit dynamischer Agroforstwirtschaft verbindet.

Dazu engagiert sich Chocolats Halba innerhalb der 2018 ins Leben gerufenen Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao. Als Co-Leiterin der Arbeitsgruppe «Klimaresilienz & Biodiversität» teilt sie ihr Wissen und die langjährigen Erfahrung im nachhaltigen Anbau mit den anderen Mitgliedern. «Die Plattform ist für die Branche ein Schritt in die richtige Richtung», so Petra Heid. «Unsere Erfahrung zeigt: Nur durch enge Kooperation mit den verschiedenen Akteuren entlang der Kakaowertschöpfungskette können wir wirklich etwas verändern.»
*Olivia Keller ist Projektmanagerin bei Sustainable Food Systems GmbH