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«Grüner Teppich»: Fromarte bremst

Der Käserverband Fromarte will dem neuen Branchenstandard für nachhaltige Milch nur unter bestimmten Bedingungen zustimmen. Mit neuen Beschlüssen der Branchenorganisation (BO) Milch und Unklarheiten im Zusammenhang mit den vom Nachhaltigkeitszuschlag betroffenen Milchmengen habe sich die Ausgangslage verändert.

Man stehe einer Einführung des Branchenstandards für nachhaltige Schweizer Milch («grüner Teppich») immer noch positiv gegenüber, schreibt der Käserverband Fromarte in einer Medienmitteilung. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Branchenpartner sich über die Begriffe Molkereimilch, industrielle Käsereimilch und gewerbliche Käsereimilch einigten. Während die Schweizer Milchproduzenten an ihrer Delegiertenversammlung betonten, dass auch Käsereimilch von dem Zuschlag von 3 Rappen pro Kilogramm Milch müsse profitieren können, will Fromarte den Begriff «Molkereimilch» im Zusammenhang mit dem «grünen Teppich» restriktiv verstanden wissen.  Konkret geht es um Milch, die mit Silage produziert und verkäst wird. Hier müssten die Käser den Milchproduzenten einen Nachhaltigkeitszuschlag von drei Rappen bezahlen, ohne eine Siloverzichtszulage im Umfang von 3 Rappen zu erhalten.

Solange es hier keine Einigung gebe, schreibt Fromarte, werde man die Einführung des Branchenstandards ablehnen. Die Verabschiedung der entsprechenden Reglemente ist bereits für die Delegiertenversammlung der BO Milch vom 2. Mai geplant. Mit drei Vertretern von zehn auf der Verarbeiter/Detailhandelsseite könnten die Käser dies im Prinzip verhindern, weil für beide Parteien eine Dreiviertels-Mehrheit gefordert ist.

Fromarte schreibt weiter, Sondierungen bei den Sortenorganisationen und Marktpartnern zeigten, dass Preiserhöhungen für Käse derzeit weder im Inland noch im Export umsetzbar wären. Schweizer Käse werde schon lange mit den Argumenten der Nachhaltigkeit beworben und vermarktet. Man sehe deshalb keine Möglichkeit für die Ausrichtung eines Nachhaltigkeitszuschlags von 3 Rappen.

Ursprünglich habe der BO Milch-Vorstand im September 2018 beschlossen, den Zuschlag bei 2 Rappen für Molkereimilch in den drei Segmenten A, B und C festzusetzen, heisst es weiter. Fromarte habe diesen Entscheid begrüsst und empfohlen, den neuen Standard auch für Käsereimilch – nämlich silofreie Milch –  einzuführen. Der Zentralvorstand Fromarte habe seinen Mitgliedern auch empfohlen, für verkäste Milch, welche den Branchenstandard erfüllt, den Zuschlag von 2 Rappen zu bezahlen. Dies unter der Bedingung, dass die dafür notwendige Anpassung der Käsepreise mit einer «vernünftigen Margenverbesserung» für die Milchverarbeitung am Markt umgesetzt werden könne. Mit den neuen Beschlüssen des BO Milch-Vorstandes von Anfang April und mit den unterschiedlichen Auffassungen über Molkereimilch, industrielle Käsereimilch und gewerbliche Käsereimilch gebe es aber eine neue Ausgangslage.