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Frankreich: Industrie zieht negative Bilanz zum Lebensmittelgesetz

Die Erwartungen von Landwirten und Industrie an das neue Loi alimentaire waren gross, die Ernüchterung nach einem Jahr ist es auch. Die Preise seien trotzdem erneut gesunken.

von wy

Richard Girardot, Präsident des Herstellerverbandes ANIA.

Mit dem Loi alimentaire, das im März 2018 getreten war, wollte Präsident Emmanuel Macron den Preiskampf im Detailhandel entschärfen. Aktionsrabatte dürfen seither nicht höher als 34 % sein,  und die Detailhändler müssen einen eine Bruttomarge von mindestens 10 % auf alle Produkte schlagen.

Francis Armand, der von der Regierung ernannte Mediator und Delegierte für Wettbewerb, erklärte laut dem Online-Portal Process Alimentaire, die Fortschritte seien noch zu gering, auch wenn sich die Situation im Milchbereich etwas entschärft habe. Armand stützt sich auf Zahlen von sechs grossen Hersteller- und Handelsverbänden, die rund drei Viertel des Marktes repräsentieren. Die Lieferanten seien im Durchschnitt mit Preiserhöhungen von 4 % in die Jahresverhandlungen gegangen. Im Schnitt über alle Kategorein hätten am Schluss der Verhandlungen aber Preissenkungen von 0,4 % resultiert. Dahinter stecken grosse Unterschiede: Bei Milchprodukten und Eiern stiegen die Erlöse der Lieferanten um 1,4 %, bei Tiefkühlprodukten um 0,2 %, bei Früchten und Gemüsen sanken sie um 0,7 %, bei verarbeiteten Produkten (épiceries sucrés und épiceries salés) um 0,8 %.

Der Lebensmittelindustrieverband ANIA schreibt, damit habe die Branche weiter 300 Mio. Euro verloren, nachdem man in den letzten sieben Jahren Preiskrieg bereits 5,5 Milliarden Euro verloren habe. «Trotz dem neuen Gesetz ist Deflation die Regel», wird ANIA-Präsident Richard Girardot zitiert. Einmal mehr hätten sich die Detailhändler auf Kosten der Lieferanten bereichert.

Der Handelsverband FCD hingegen schreibt, die Deflation sei gestoppt. Grund für die tieferen Preise seien vielmehr gesunkene Preise bei manchen Rohstoffen im 2018, davon hätten auch die Verarbeiter profitiert.

ANIA-Präsident Girardot hält dagegen, das sei Augenwischerei. Auch im laufenden Jahr würden die Konsumenten voraussichtlich im Detailhandel aufgrund des neuen Gesetzes 600 Millionen Euro mehr bezahlen, bis jetzt hätten Verarbeiter oder Bauern davon aber keinen Cent gesehen.