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Weitere Überzeugungsarbeit gefordert

Die Sbrinz-Verkäufe sind weiter gesunken, sollen aber mit neuem Marketing wieder angekurbelt werden. Switzerland Cheese Marketing (SCM) soll nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

von Hans Peter Schneider

Sbrinz-Käse.
Sbrinz- Geschäftsführer, Stefan Heller, konnte alle Anträge durchbringen.
Die Sbrinz-Käser mit der besten Qualität wurden geehrt.
Der Sbrinz-Präsident Peter Hegglin (links) und der Geschäftsführer Stefan Heller (rechts) mit den Qualitätssiegern Martin Flüeler, Andreas Gut und Anton Mehr.
Auch die Sieger des Swiss Cheese Awards wurden geehrt. Martin Flüeler, Käserei Flüeler, Alpnach; Thomas Schnyder mit dem prix laboratoire; Matthias Huwiler, Käserei Stadelmann AG, Schönenberg; Josef Gut, Käserei Gut, Buochs.

Der trockene Sommer bildete die Einleitung im Rückblick von Sbrinz-Präsident Peter Hegglin über das Milchjahr 2018. Hegglin eröffnete die Sbrinz Gesellschafterversammlung vom 15. April in der Surseer Stadthalle und schilderte die grosse Herausforderung für die Milchwirtschaft während der Trockenheit. Dennoch sei es dann mit dem guten Herbst gleichwohl nicht so dramatisch verlaufen und die gesamte Milchmenge sei Ende Jahr mit 3 454 428 Tonnen Milch sogar 0,6% über dem Vorjahr gelegen. Hegglin prognostizierte in seinem Referat zum Milchmarkt, dass Milch dieses Jahr wohl europaweit gesucht sein werde.

Weiter sinkende Exporte

Die steigenden Käseimporte machen dem Sbrinz-Präsidenten Sorgen. Dennoch wird immer noch mehr Käse exportiert als importiert Für den Sbrinz bedeuten die positiven Zahlen im gesamten Käseexport jedoch nicht automatisch auch Mehrexporte. Im Gegenteil, die Exporte sanken um 29,5 Prozent auf 115,2 Tonnen. Total konnten 1375 Tonnen Sbrinz AOP verkauft werden, was ein Minus von 5,55 Prozent bedeutete.

Um die Verkäufe wieder zu steigern, bleibt das Marketing ein zentrales Thema von Sbrinz. Wie der seit bald einem Jahr amtende neue Geschäftsführer Stefan Heller dies ändern will, liess er in seinem Referat deutlich werden. Man solle den Sbrinz vor allem wieder mehr degustieren können, sagte Heller. So wolle man den Käse wieder vermehrt an die grossen Publikumsmessen, wie an die BEA, die Luga und an die Olma im Inland bringen. Ausserdem soll mit dem für Gruppenführungen neu eröffneten Sbrinz-Keller St. Karli von Emmi in Luzern der Hartkäse besonders bei den Gastronomen wieder bekannter gemacht werden. «Wir wollen die Türen unseres Hauses öffnen, hineingehen und zum Entdecken einladen», sagte Heller seinen Sbrinz-Milchproduzenten, Käsern und Händlern. Man habe kein Geheimrezept wie andere Käse, gleichwohl habe Sbrinz ein Alleinstellungsmerkmal, nämlich die Tradition. Sbrinz sei schliesslich einer der ältesten Käse der Schweiz. Das heisse, dass die Herkunft, die Tradition und das Handwerk die wichtigsten Pfeiler im Marketingmix darstellen würden. Darauf werde aufgebaut und den Konsumenten gezeigt werden, so Heller.

«Fair-Trace»

Zum Beispiel mit dem Projekt «Fair Trace» in den Coop-Filialen, wo der Konsument mittels QR-Code auf den Produktionsort, die Käserei, gelangt und damit sehen könne, wo der Käse produziert, wo er gelagert und wie er konfektioniert werde. «Das Erbe von Sbrinz soll nicht nur bewahrt, sondern auch gezeigt werden –das ist das Anliegen», sagte Heller.

Im Verkauf dürfe Sbrinz unter keinen Umständen mit Rabatt-Aktionen verkauft werden. Das bringe nur die Händler auf den Geschmack, die dann immer noch tiefere Preise verlangten, sagte Heller. Im letzten Jahr habe zwar ein Lagerabbau getätigt werden müssen. Dies habe Mittel beansprucht, woraufhin im Herbst keine TV-Spots mehr geschaltet und auch keine Haus-Zeitschrift mehr gedruckt werden konnte. Der momentane Lagerbestand betrage 2500 Tonnen.

SCM-Marketinggeld sparen

Geld sparen will die Sortenorganisation im Auslandmarketing. Zwar will man gemäss Heller immer noch exportieren und wenn möglich die Mengen steigern, doch die Summen, die man an die Switzerland Cheese Marketing AG (SCM) zahle, seien zu hoch, sagte Heller. Klar, damit käme man auch nicht mehr in den Genuss von Bundesmitteln, doch es bringe nichts, wenn SCM in Norddeutschland mit dem Sbrinz-Logo werbe und der Sbrinz nur im süddeutschen Raum verkauft werde, so Heller. Die Beiträge an SCM sollen im 2020 auf das absolute Minimum und auf das Inland reduziert werden. Im Marketing konnte man zudem mit Oskar Flüeler einen Sympathieträger für den Sbrinz gewinnen. «Oski» mache Degustationen an verschiedenen POS.

In den Medien sei Sbrinz positiv in Erscheinung getreten, sagte Heller. So habe zum Beispiel CNN einen langen Beitrag vom Sbrinz-Käsekeller und mit Szenen von der Alp gezeigt. Allgemein sei die Käsekellereröffnung sehr breit in den Medien erschienen und einige Publikumszeitschriften hätten eine grosse Berichterstattung, mit zusätzlichen Sbrinz-Rezeptvorschlägen publiziert. Das ist dem gelernten Koch Heller wichtig, denn bei den Gastronomen brauche es eine riesige Überzeugungsarbeit. Die Meinung herrsche dort immer noch vor, dass wenn Pasta ein italienisches Produkt sei, somit auch ein italienischer Reibkäse verwendet werden müsse. Doch Heller meint: «Die Älplermaggronen stammen schliesslich aus der Schweiz.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch