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Iglo verlässt Lebensmittelverband im Streit

Im Streit um die Lebensmittelampel hat Iglo den Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft verlassen - und spart nicht mit Kritik.

von mos/pd

Fühlt sich vom Lebensmittelverband nicht mehr vertreten: Antje Schubert, Vorsitzende der Geschäftsführung von Iglo Deutschland. (Bild zvg)
Philipp Hengstenberg steht neu an der Spitze des deutschen Lebensmittelverbandes. (Bild zvg)

Der deutsche Tiefkühlkosthersteller Iglo verlässt den deutschen Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) im Streit. Hintergrund sind die Diskussionen um die Lebensmittelkennzeichnung. Iglo hatte angekündigt, diesen Frühling auf seinen Produkten freiwillig den französischen Nutriscore einzuführen.  Der BLL, der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, hatte hingegen ein eigenes System zur Lebensmittelkennzeichnung entworfen und propagiert, das auf die umstrittenen Ampelfarben verzichtete. Ein Hamburger Gericht hat inzwischen mit einer einstweiligen Verfügung die Einführung des Nutriscore bei Iglo gestoppt,  wie lz-net berichtet. Das Gericht argumentierte, der Nutri-Score sei eine Nährwertangabe im Sinne der «Health Claim»-Verordnung, deren Vorgaben Nutri-Score nicht enspreche. Iglo habe ausserdem dem Gericht nach dessen Auffassung nicht ausreichend belegt, dass die Nährwerteinstufungen auf fundierten und wissenschaftlich haltbaren Erkenntnissen der Verbraucherforschung beruhen. Iglo hat dagegen Berufung eingelegt.

Iglo begründete den Austritt aus dem BLL mit einer zweiseitigen Medienmitteilung, die das Unternehmen auf seiner Website veröffentlichte, und sparte darin nicht mit Kritik am Spitzenverband.

Bei der Lebensmittelkennzeichung eine rein nationale, deutsche Lösung vorzuschlagen, sei ein schweres Hindernis für international tätige Unternehmen, schreibt Iglo. Eine solche Einzellösung bedeute zusätzlichen Verwaltungsaufwand, mehr Kosten und einen unnötigen Erklärungsaufwand gegenüber den Konsumenten. Zweitens wirft Iglo dem Verband vor, die «(Bestands-)Interessen der Lebensmittelindustrie ausschliesslich zu verteidigen und zu bewahren». Wesentliche gesellschaftliche Veränderungen würden nicht aufgenommen. Ausserdem sei die BLL-Kultur von einer «Hinterzimmerpolitik» geprägt, kleine Mitgliedsunternehmen würden kein Gehör finden. So sei das Thema der Lebensmittelkennzeichnung nicht ergebnisoffen, sondern bereits vorgeprägt behandelt worden.

Lebensmittelverband: Neuer Name, neuer Präsident

Der deutsche Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) heißt zukünftig Lebensmittelverband Deutschland. Den Namenswechsel haben die Mitglieder des Verbandes an ihrer Mitgliederversammlung beschlossen, das teilte der Verband am Donnerstag mit.

Außerdem wurde Philipp Hengstenberg (54), Geschäftsführer Supply Chain der Hengstenberg GmbH und Co. KG, zum neuen Präsidenten gewählt. Der Umwelttechnologe Hengstenberg folgt damit auf Stephan Nießner, Mitglied der Geschäftsführung der Ferrero Deutschland GmbH, der seit Mai 2014 an der Spitze des Verbands stand. Er wird pensioniert und hat sich deshalb nicht mehr zur Wahl gestellt.