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Fall von Lohndumping bei Hilcona

Eine Beschäftigte des Nahrungsmittelhersteller Hilcona in Orbe VD ist während der Schwangerschaft entlassen worden. Zudem wurde die Frau Opfer von Lohndumping: Sie arbeitete zu einem Stundenlohn von 15,69 Franken.

von sda

Die Hilcona Gourmet SA in Orbe. (Bild Eddy Risch/zvg)

Das Arbeitsgericht Broye-Nord Vaudois hat der Klage einer Temporärangestellten des Personalvermittlers Adecco stattgegeben, wie die Gewerkschaft Unia Dienstag mitteilte. Demnach muss Adecco eine Lohnnachzahlung von 3,51 Franken pro Stunde leisten und so die Lohndifferenz zum branchenüblichen Lohn von 2017 ausgleichen. Die Differenz entspricht einem Betrag von rund 800 Franken brutto pro Monat.

Weiter stellte das Gericht fest, dass die Probezeit zum Zeitpunkt der Entlassung abgelaufen war. Wegen ihrer Schwangerschaft sei die Angestellte daher gesetzlich gegen die Kündigung geschützt gewesen.

Der Fall dieser Temporärangestellten sei kein Einzelfall, kritisiert die Unia. Im vergangenen November hat die Gewerkschaft wegen der Arbeitsbedingungen und des Lohnniveaus aller Angestellten von Hilcona Alarm geschlagen.

Seither habe sich die Situation zwar geändert, sei aber noch immer nicht zufriedenstellend, schreibt die Unia im Communiqué. Die zum Coop-Konzern gehörende Hilcona weigere sich, in Verhandlungen einzutreten.

Hilcona erstaunt

Diesen Vorwurf weist die Nahrungsmittelherstellerin zurück. Hilcona sei immer offen für einen sachbezogenen Dialog mit der Gewerkschaft gewesen, schreibt das Unternehmen in einer Stellungnahme. Auch aktuell stehe Hilcona im Gespräch mit der Unia. Die Firma sei «sehr erstaunt» über die Medienmitteilung der Gewerkschaft.

Hilcona habe die Anstellungsbedingungen kontinuierlich verbessert. «Heute bezahlen wir Leihmitarbeitenden bei Hilcona höhere Löhne als im Gesamtarbeitsvertrag Personalverleih von Swissstaffing festgelegt», heisst es weiter.

Zum entsprechenden Urteil des Arbeitsgerichts schreibt Hilcona: «Wir bedauern sehr, dass eine Mitarbeiterin eines Temporärpersonalverleihers in der Vergangenheit nicht korrekt behandelt wurde.» Hilcona sei in das Gerichtsverfahren nicht involviert gewesen und werde versuchen, die Details in Erfahrung zu bringen.