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«Wir pflegen den Kontakt mit den Unternehmen»

Matthias Zürcher, Leiter der höheren Berufsbildung am Strickhof, erläutert die Besonderheiten und Vorteile des Lehrgangs HF Lebensmitteltechnologe.

von Roland Wyss

Matthias Zürcher. (Bild: zVg)

alimenta: Seit wann gibt es den Lehrgang Lebensmitteltechnologe HF?

Matthias Zürcher: Der Lehrgang startete im Jahr 2013 , den ersten Abschluss gab es 2016. Die Erfahrung zeigt, dass es einige Jahre braucht, bis so ein Lehrgang konsolidiert ist.

Wie viele Studenten sind es pro Jahrgang?

Wir erachten eine Klassengrösse von 20 Studenten als sinnvoll. Durch die hohe Belastung besteht das Risiko, dass Studenten wieder aussteigen und die Klassengrösse dadurch sinkt.

Konnten Sie die Klassen immer füllen?

Ja, wir haben bereist Anmeldungen für das Schuljahr 20/21 – es gibt viele erfahrene, engagierte und interessierte Kandidaten, welche in diesem Lehrgang eine Möglichkeit finden, einen höheren Abschluss ohne Maturität zu machen. Sie sind meist in ihren Unternehmenn gut integriert und haben oft bereits Führungsfunktionen. Der Weg über eine Berufsmaturität an eine Fachhochschule ist daher nicht immer eine zielführende Option. Im Anschluss an die HF stehen den Studierenden alle Türen offen, sich beispielsweise auch in akademischer Sicht weiterzuentwickeln.

Was ist der Grund für den Erfolg?

Der Lehrgang ist berufsbegleitend, dadurch haben wir einen starken Bezug zur Industrie. Das ist unser USP (Unique selling proposition). Wir pflegen den Kontakt und vernetzen uns mit den Unternehmen, einerseits indem viele Dozenten aus den Unternehmen stammen, aber auch dadurch, dass die Schüler einen Job in der Lebensmittelindustrie haben müssen. Das ist eine der Aufnahmebedin­gungen.

Was können sie? Für welche Art von Job sind sie geeignet?

Der Lehrgang ist eine generalisierte, kompetenzorientierte Weiterbildung. Im ersten Jahr werden kaufmännische Grundlagen vermittelt, die zu einem Handelsdiplom führen. Im zweiten Jahr geht es um angewandte, naturwissenschaftliche Grundlagen, im dritten Jahr um ausgewählte Management und Technologiethemen. Die Weiterbildung ermöglicht den Studierenden vielfältige Einsatzmöglichkeiten von der Produktion, Qualitätssicherung, Entwicklung bis zur Unternehmensführung.
Ganz entscheidend ist der Faktor, dass uns unsere Studierenden mit ihrem engagierten Feedback helfen, die Qualität des Lehrgangs intensiv und kontinuierlich zu verbessern.

Können Sie noch konkreter erläutern, wie die Zusammenarbeit mit den Firmen funktioniert?

Die Zusammenarbeit entsteht mehrheitlich durch Vernetzung. Einerseits haben wir Dozenten aus der Industrie, mit ganz unterschiedlichen Pensen von 1 bis 20 Stellenprozent, also 10 bis 200 Lektionen im Jahr. Andererseits müssen die Unternehmen die Studierenden unterstützen, weil diese ihr Pensum reduzieren und ebenfal Zeit haben müssen, um ihre Weiterbildung zu machen. Dabei werden angewandt wissenschaftliche Semester- und Diplomarbeiten wie auch weitere studentische Arbeiten zu den verschiedenen Themen wie Betriebsunterhalt, Entwicklung, Logistik, Sensorik etc. durchgeführt. Die Themenfindung der Arbeiten geschieht in den Unternehmen – es handelt sich dabei also um reale Projekte und Aufgaben.
Viele Unternehmen unterstützen dies vorbildlich, namentlich beispielswiese Zweifel, Jowa, Coop, Wander, Nestlé, Emmi oder Unternehmen der Fenaco-Gruppe. Dort haben wir nicht nur Studierende der Lebensmitteltechnologie, sondern auch der Agrotechiker.

Kommen die Studenten vor allem aus der Ostschweiz?

Nein, wir haben Studierende aus der ganzen Schweiz.

Obwohl ja auch Grangeneuve einen Lehrgang Lebensmitteltechnologie HF anbietet …

Die Sprache kann möglicherweise eine Rolle spielen. Bei unseren Studierenden, welche auch in exportierenden Unternehmen tätig sind, wird Englisch gegenüber Französisch klar präferiert.

Lebensmitteltechnologie kann man auch auf Fachschulniveau an der ZHAW studieren. Was ist der Unterschied zu Ihrem HF-Lehrgang?

Das werde ich auch oft von Human-Resources-Leuten gefragt. Sie fragen mich, was die HF-Studierende können im Unterschied zu den FH-Studierende. Was unsere Studierende sicher auszeichnet, ist ein hohes Engagement und eine gute Stresstoleranz. Dadurch, dass sie im Geschäftsleben aktiv sind und parallel dazu eine strenge Weiterbildung machen, lernen sie mit der Doppelbelastung umgehen. Wer bei uns abgeschlossen hat, sucht keinen Job – der Job findet ihn. Ferner ist sicher eine Stärke, dass unsere Studenten ihre studentischen Arbeiten mitten aus der Berufspraxis machen können. Sie können so Ausbildung und Beruf optimal verbinden.