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Lactalis will Parmesan-Hersteller kaufen

Der französische Milchriese Lactalis möchte den italienischen Parmesan-Hersteller Nuova Castelli kaufen. Das weckt in Italien nationalistische Töne.

von mos/pd

Lactalis hat Appetit auf italienischen Parmesan. (Symbolbild Pixabay)

«Parmesan-Krieg» titeln die italienischen Medien und beklagen den Ausverkauf eines nationalen Kulturgutes. Worum es geht? Der französische Milchkonzern Lactalis interessiert sich für Nuova Castelli, den wichtigsten Exporteur von Parmesan. Nuova Castelli ist zwar bereits seit Jahren in ausländischen Händen, seit 2014 gehören 80 Prozent des Unternehmens dem britischen Fonds Charterhouse Capital Partners. Doch der britische Fonds will die Anteile verkaufen – und Lactalis ist interessiert, wie unter anderem die «NZZ» berichtet.

«Nicht der gleiche Fehler wie bei Parmalat»

Dass ausgerechnet Lactalis den Parmesanhersteller mit einem Umsatz von 460 Millionen Euro schlucken will, kommt in Italien gar nicht gut an. Denn Lactalis kontrolliert bereits einen Drittel des italienischen Milch- und Käsemarktes. So haben die Franzosen etwa Galbani oder Vallelata aufgekauft – und sie haben Parmalat geschluckt und zerschlagen. Für Ettore Prandini, Präsident des Bauernverbands Coldiretti, Grund genug, Alarm zu schlagen. «Der Ausverkauf von Parmesan an die Franzosen muss gestoppt werden, damit nicht der gleiche Fehler wie bei Parmalat passiert», sagte er gemäss der Zeitung «Les Echos». Bei Agrarminister Marco Centinaio von der Lega Nord stösst er damit auf offene Ohren. «Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um den Agro-Lebensmittel-Sektor vor dem französischen Angriff zu schützen.»

Parmsesan-Konsortium beschwichtigt

Die nationalistischen Töne nötigten auch das Parmesan-Konsortium zu einer Stellungnahme, die differenzierter ausfällt, wie «Procès alimentaire» berichtet. Natürlich würde man das Parmesan-Geschäft gerne ganz in italienischer Hand behalten, aber das Interesse von Lactalis zeige auch, dass das Parmesan-Geschäft gesund und international attraktiv sei, hält das Konsortium fest. Ausserdem schütze das AOP-Label den Parmesan vor einem «Ausverkauf». So sei im Pflichtenheft ganz klar geregelt, in welchen italienischen Regionen Parmesan ausschliesslich produziert werden dürfe. Auch bei einem Verkauf von Nuova Castelli bleibe die Produktion in der Region, auch allfällige Investitionen von Lactalis würden der Region zugute kommen, hält das Konsortium fst.