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Zwei Erfolgsprodukte auf einer Presse

In der neuen Käserei in Tentlingen können auf einer einzigen Wendepresse gleich zwei Sortenkäse hergestellt werden. Dies ist nicht die einzige Neuerung in der Freiburger Käserei.

von Hans Peter Schneider

Roger Mischler, Manfred Lauper und Yvan Vonlanthen blicken mit Zuversicht in die Zukunft. (Bilder hps)

Es sei ein Schlüsselmoment gewesen, das Jahr 1999, sagt Christian Marro. Damals stellte die Käserei in Tentlingen von Emmentaler auf Gruyère AOP um. Der Käsereigenossenschaftspräsident von Tentlingen stellt zufrieden fest, dass der Wechsel auf den Erfolgskäse zum richtigen Zeitpunkt erfolgt sei. Just 20 Jahre später erlebt die Käserei wiederum einen dieser Schlüsselmomente. Der Käsermeister, Manfred Lauper mit seinem Team, die Käsereigenossenschaft und die Akteure der Sortenorganisation feierten nämlich die erfolgreiche Weiterentwicklung der Käserei im Freiburger Hinterland. Nach einer nur viermonatigen Umbauphase, vom 20. August bis Ende Jahr 2018, wurde die Käserei Ende Mai 2019 auf dem Dorfplatz von Tentlingen, der gleich nebenan liegt, auch noch offiziell mit einem Fest eingeweiht. Dort konnte sich das Publikum nach der Besichtigung ihrer Dorfkäserei mit Speis und Trank verpflegen. Es sei eine riesige Erleichterung, sagt Manfred Lauper. Jetzt klappe alles, die Betriebsabläufe seien mit der dreiköpfigen Belegschaft der Käserei eingespielt.

Schweizweit erst dritte Käserei mit spezieller Technik

Dabei ist die Technik zentral, die es in sich habe, wie Lauper sagt. Der Betrieb ist nämlich erst die dritte Käserei in der Schweiz mit einer Käsepress, welche gleich für zwei Sortenkäse ausgelegt ist. Für Lauper, der seit dem ersten Januar 2018 Milchkäufer im Betrieb ist, war klar, dass die zwei Hauptprodukte der Käserei auf einer einzigen Presse hergestellt werden müssen. Als ehemaliger Käsereiberater der Firma Casei habe er sich mit Käsereitechnologie befasst und auch die richtigen Hersteller wie zum Beispiel Marcel Eggertswyler von Romeco 2000 SA gekannt, sagt Lauper.

Grosszügige Platzverhältnisse

Der Käsermeister ist zufrieden mit dem Bau. Nicht nur die technischen Einrichtungen, auch die grosszügigeren Platzverhältnisse im neuen Betrieb machen Spass, wie Lauper findet. Zusätzlich zur Fläche des «alten» Betriebs mit 120 Quadratmetern seien nun durch den Anbau nochmals 70 Quadratmeter dazugekommen. In der alten Käserei mussten zuerst Durchbrüche gemacht, Böden und Plättli herausgespitzt und Decken neu betoniert werden. Dabei wurde der Keller, in dem 2300 Laibe, Gruyère und Vacherin Fribourgeois lagern, gleich belassen.

Mehr Menge erhalten

Zum Umbau entschlossen hat sich die Genossenschaft und der Käser, weil 600 000 Liter der Milchmenge der Käsereigenossenschaft Giffers neu zur Tentlinger-Käserei geschlagen wurden. Während einiger Jahre lieferten die Gifferser-Bauern diese Menge in die Käserei in Praroman-Le-Mouret. Doch weil diese über vier Millionen Liter Milch pro Jahr verkäste, entschied die Sortenorganisation Gruyère – zur Freude der Tentlinger – diese Milchmenge wieder nach Tentlingen «fliessen» zu lassen.

Dies liess die Umbaupläne, die für die alte Käserei angedacht waren, sofort schneller gedeihen. Ob nun für 1,6 Millionen Liter oder für 2,25 Millionen gekäst werde, die Kosten für die Erneuerung wären etwa gleich hoch gewesen, sagt Genossenschaftspräsident Christian Marro. Aber durch die höhere Menge könne die Investitionen von total 2,4 Millionen Franken besser verteilt werden. Schliesslich habe man auf das Geld schauen müssen, denn man habe keine Zuschüsse von Staat, Kanton oder sonstigen Institutionen erhalten, fügt Marro an.

Schlag auf Schlag

Die erste Planungssitzung wurde vor zwei Jahren durchgeführt. Dann ging alles Schlag auf Schlag, wie Marro sagt. Der Bau habe «in einem Fluss» durchgezogen werden können. Dies passe nicht schlecht für die Käserei, die der Käsermeister Lauper bei seinem Antritt auf den Namen des Flüsschens «Aergera» getauft hat, das den Ort durchzieht. Und Christian Marro ergänzt: «Käsermeister und Bauern haben an einem Strick gezogen.» Das sei ihm jeweils dann klar geworden, wenn alle Entscheidungen einstimmig gefällt worden seien.