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Es soll perfekt fliessen

Andreas Binggeli feiert mit seiner Firma Andy Anlagenbau nicht nur das 20-Jahr-Jubiläum, er konnte auch kürzlich den Betrieb zügeln, in eine ehemalige Schlossereihalle im bernischen Laupen mit genügend Platz.

von Roland Wyss

Andy Binggeli bereitet die automatische Schweissmaschine für den nächsten Einsatz vor.

Andreas Binggeli hat Freude an seiner neuen Produktionsstätte. «Hier haben wir genug Platz, um die Anlagen so weit wie möglich vorzubereiten», sagt er. In der Ecke steht eine Pumpe und ein Tank, die darauf warten, fertig gerüstet zu werden, damit sie eingebaut werden können. Die Zeitfenster auf den Baustellen würden immer enger, sagt Binggeli, da sei es wichtig, dass man sich anpasse und vor Ort speditiv arbeiten könne.

Binggeli ist spezialisiert auf Rohrleitungsbau, seine Kunden sind Pharma-,chemische und Lebensmittelindustrie, aber auch Käsereien und Molkereien. Daneben macht er auch Servicearbeiten für alle Arten von Anlagen.

Automatisch Schweissen – alles wird dokumentiert

Bei Binggeli wird teilweise noch Hand geschweisst, unter seinen acht Angestellten hat es erfahrene Schweisser, die spezielle Stücke sehr speditiv und sauber schweissen. Immer wichtiger aber wird das automatische Schweissen. Nicht nur, weil die Maschine schneller und regelmässiger arbeitet. «Die Pharmaindustrie und immer mehr Betriebe in der Lebensmittelindustrie verlangen immer häufiger, dass alle Herstellungsschritte dokumentiert sind», sagt Binggeli. Die neuere seiner beiden automatischen Schweissmaschinen zeichnet alles auf, so kann Binggeli für alle Schweissnähte Dokumente liefern. Dabei geht es vor allem um Hygiene: Es soll sichergestellt sein, dass die Rohre innen auch bei den geschweissten Übergängen völlig glatt sind und keine Flächen bieten, wo sich Keime einnisten könnten. «Mit wirklich sauber geschweissten Rohren spart der Kunde bei der Reinigung Zeit und Reinigungsmittel», sagte Binggeli. Auch bei Leitungen, wo zum Reinigen ein Molch durchgeschickt werde, seien glatte Übergänge sehr wichtig.

Er demonstriert den Schweiss­vorgang. Das Rohr wird vorne und hinten verschlossen, zwei Schläuche führen ins Rohr: Vorne wird ein Gasgemisch ins Rohr gelassen, das verhindert, dass sich durch den Schweissvorgang innen am Rohr das Material aufrauht. Denn dort könnten sich Keime ablagern. Hinten führt eine Sonde hinein, die den Restsauerstoff­gehalt misst. Sobald dieser bei 15 bis 20 ppm (Partikel pro Million Partikel) liegt, ist das Rohr bereit zum Schweissen. Die Maschine startet das gewünschte Schweissprogramm, heftet dann die Rohre an sechs Punkten zusammen, anschliessend wird rundum ge-schweisst, praktisch ohne Lärm und es dauert nur ein paar Minuten. Am Monitor des Schweissgeräts kann Binggeli den Fortschritt beobachten und sieht auch, wenn irgend etwas nicht stimmt.

Kontrolle im Rohr

Binggeli ist auch ausgerüstet, um bei geschweissten Rohren oder bei installierten Anlagen zu kontrollieren, wie es innen aussieht. Mit einem sieben Meter langen Endoskop, das er durch die Rohre schiebt, sieht er alle Verschmutzungen und sonstigen Fremdkörper. Den Kopf des Endoskops, der mit Lämpchen und Kamera ausgerüstet ist, kann er steuern, um im Rohr in aller Richtungen sehen zu können. Pharmafirmen verlangten inzwischen von jeder Schweissnaht ein Foto, sagt Binggeli, und auch im Lebensmittelbereich komme das immer mehr.

Räume genau ausmessen

In Zusammenarbeit mit der Firma Trimble bietet Binggeli auch Vermessungen an. Wenn in einem alten Gebäude, von dem keine Pläne existieren, neue Anlagen installiert werden sollen, müssen die genauen Masse der Räume bekannt sein. Mit dem Digital Scanner wird von beliebigen Räumen mit dem Laserstrahl ein digitales Abbild erstellt. Das Scannen dauert rund drei Minuten und geschieht unabhängig von den Lichtverhältnissen. Nach einer Stunde Verarbeitungszeit liefert die Software eine sogenannte Punktwolke, die anschliessend mit CAD (Computer Aided Drawing) zu einem 3D-Plan des Raumes mit allen Einzelheiten werden verarbeitet kann.

Auf der Basis des 3D-Plans kann die «Robotic Total Station» (RTS) dann den Handwerkern mit Laserpunkten anzeigen, wo an Wänden, Decken oder Böden gebohrt werden muss, damit Rohre oder andere Anlagenteile verlegt oder befestigt werden können. Die RTS muss zuerst im Raum mit definierten Referenzpunkt orientiert werden, anschliessend liefert sie
in Sekundenschnelle die richtigen Punkte, mit einer Genauigkeit im Millimeterbereich. «Normalerweise braucht es zwei Personen, um einen Raum zu vermessen», sagt Binggeli. Das sei zeitaufwendig und es komme auch vor, dass der Plan, der erstellt werde, nicht ganz mit den tatsächlichen Massen übereinstimme. Mit den beiden Geräten gehe das Vermessen und das Anzeigen, wo gearbeitet werden muss, sehr schnell und zuverlässig. «Das präzise Setzen von Tanklagern auf Wiegezellen zum Beispiel war früher eine mühsame Übung, das geht heute sehr rasch», sagt Binggeli.

Binggeli ist gelernter Landmaschinenmechaniker und hat Andy Anlagenbau 1999 gegründet. Begonnen hat er alleine, heute beschäftigt er acht Festangestellte und zwei temporär Angestellte, um Arbeitsspitzen abzudecken.
roland.wyss@rubmedia.ch