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Nachhaltigkeit: Bio- und Wiesenmilch schneiden am besten ab

Der WWF hat die Nachhaltigkeit von elf Schweizer Milchproduktionsstandards untersucht. Das Fazit: Der Umwelt- und Ressourcenschutz komme zu kurz.

von pd/mos

Bei vielen Milchstandards steht das Tierwohl im Fokus. (Symbolbild Pixabay)

Sie heissen «Nachhaltige Milch Migros», «Di fair Milch» oder «swissmilk green» – und sie versprechen eine nachhaltige Milchproduktion. Doch wie nachhaltig sind diese Schweizer Milchproduktionsstandards tatsächlich? Die Umweltschutzorganisation WWF hat elf Standards in einem Ranking untersucht. Verglichen wurden dabei nicht nur die inhaltlichen Kriterien, sondern auch die Organisation und das Management der einzelnen Standards.

Der Milch-Benchmarkt des WWF zeigt: Die Standards unterscheiden sich stark. Zwar böten alle Standards einen Mehrwert gegenüber den gesetzlichen Mindestanforderungen (die Erfüllung des ökologischen Leistungsnachweises ÖLN), heisst es im Bericht. Aber kein Standard schneide in allen Kategorien gut ab. «Besonders das Thema Umwelt- und Ressourcenschutz bleibt auf der Strecke», so der WWF.

Tierwohl im Fokus

Den umfassendsten Nachhaltigkeitsmehrwert bieten laut WWF Bio Suisse und die Wiesenmilch von IP Suisse. Standards, die für eine breite Masse der Milchproduktion entwickelt (Suisse Garantie, Nachhaltige Milch Migros, Coop-Milchprogramm und der neue Branchenstandard «swissmilk green»wurden wie etwa der neue Branchenstandard swissmilk green) fokussierten mehrheitlich auf das Tierwohl und vernachlässigten andere Nachhaltigkeitsaspekte wie Biodiversität und Ressourcenschutz, moniert der WWF. Das Migros-Programm sei der umfassendste dieser Breitenstandards und schneide auch bei der Governanz sehr gut ab.

Die Standards Fair, die fair Milch, Aldi Fairmilk und Heumilch konzentrieren sich laut WWF auf spezifische Nachhaltigkeitsaspekte wie die Fütterung oder faire Preise für die Produzenten. Deshalb würden sie in der umfassenden Benchmark-Bewertung erwartungsgemäss schlecht abschneiden, heisst es im Bericht. Sie seien deswegen aber nicht weniger legitim.

WWF will «ehrliche Kommunikation»

Die Milchproduktion sei in der Schweiz der wichtigste landwirtschaftliche Produktionszweig, sie verursache aber massive Schäden an der Umwelt, etwa durch hohe Stickstoffeinträge. Eine Verbesserung beim Umwelt- und Ressourcenschutz sei deshalb «zwingend», fordert der WWF. Ausserdem brauche es eine ehrliche Kommunikation. Wenn ein Standard zum Beispiel nur das Tierwohl verbessere, soll nur dieser Mehrwert ausgelobt werden, anstatt mit Attributen wie «nachhaltig» zu werben, so der WWF. Nahezu alle Standards hätten ausserdem enormes Verbesserungspotenzial was die Transparenz, die Messung von Wirkung und die Kontrolle und Zertifizierung betreffe.

Die inhaltlichen Kriterien

Der WWF analysierte für sein Benchmark die inhaltlichen Anforderungen der Standards in sechs Bereichen: Boden & Wasser (Ressourcenschutz), Biodiversität, Klima & Energieeffizienz, Tierwohl & Produktionssysteme sowie Soziales. Bei Organisation und Management wurden Einhaltung und Kontrolle sowie die Standardentwicklung bewertet. Beim Faktor Klima wurde nur betrachtet, ob der Milchproduktionsstandard sich generell mit Effizienzfragen beschäftigt und wie er sich zu importierten Futtermitteln aus Ländern verhält, wo diese auf gerodeten Urwaldflächen produziert werden. Ein gutes Abschneiden in der Kategorie Klima sei daher nicht gleichbedeutend mit guter Klimaperformance des Produkts Milch, hält der WWF fest.