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Die Thurgauische Käse-Reifungs AG befasst sich mit der Zukunft

Die Thurgauische Käse-Reifungs AG in Weinfelden wird auch im kommenden Jahr betreffend Umsatzentwicklung im In- und Ausland zu kämpfen haben. Dennoch sieht Verwaltungsratspräsident Jürg Fatzer zuversichtlich in die Zukunft.

von Mario Tosato

Jürg Fatzer (Mitte), Verwaltungsratspräsident Thurgauische Käse-Reifungs AG, ehrte Hansruedi Imhof (links) und Heinz Kretz (rechts), die in Pension gehen. (Mario Tosato)

In seinem Grusswort anlässlich der 55. Generalversammlung der Thurgauischen Käse-Reifungs AG, stellte deren Verwaltungsratspräsident Jürg Fatzer fest: «Ich habe an der letzten Generalversammlung, über die Produktionsfreigabe beim Emmentalerkäse gesprochen und gesagt, dass dieser immer ein Spiegel des Absatzes sei und man an Hand dieser Zahl ablesen könne, wie gut es dem Emmentalerkäse gehe.» Die anfängliche Euphorie im letzten Jahr, dass man 60 Prozent Freigabe zugesprochen erhalten habe, sei in der Zwischenzeit verflogen. Mit einer einmaligen Zuteilung für Juli und August von 45 Prozent habe man die Leidensgrenze von 50 Prozent deutlich unterschritten. Jürg Fatzer stellte einmal mehr fest, dass die Käseproduzenten mit dem Produkt Emmentalerkäse AOP Switzerland nicht erfolgreich punkten können.

Emmentaler AOP kein Käse zweiten Ranges

Weiter berichtete er, dass sich der Verwaltungsrat mit der Einführung des Branchenstandards (Swissmilk green) nachhaltige Schweizer Milch beschäftige. Wir müssen aufpassen das nicht folgendes passiert: die freien Sorten aus Silo- oder Molkereimilch verwenden den Branchenstandard in der Vermarktung und unsere Sortenkäse aus silofreier Milch hergestellt erfüllt in den Augen des Konsumenten nicht einmal den Schweizer Branchenstandart. Somit kann es passieren, das unser Sortenkäse Emmentaler AOP einmal mehr wieder abseits steht. «Wir produzieren kein Käse zweiten Ranges», ärgert sich Jürg Fatzer. Er ist sich bewusst, dass die Finanzierung dieses Mehrwertes schwierig sei. Niemand habe den Mut für diese Leistung wie sie mit dem «grünen Teppich» geschaffen werde, die Milchproduzenten zu entlöhnen. Nach den Aussagen von Jürg Fatzer haben alle Angst, dass mit einem Preisanstieg die Umsatzmengen zurück gehen könnten. Er betonte, dass er die Leistung der Bauern auch als Marketingleistung verstehe, die ebenfalls berechtigt entschädigt werden müssen.

Wertschöpfung um 3.2 Prozent gestiegen

Betriebsleiter Ernst Lehmann, informierte über den guten Zustand der Käsereifungsanlage. Die Anlage ist in die Jahre gekommen aber dennoch dank guter Pflege und gezielte Reparaturen in einem sehr guten Zustand. Wie Jürg Fatzer erklärte, wurde im Jahre 2018 1.4 Prozent mehr Käse aus der Schweiz als im Vorjahr exportiert. Erfreulicherweise stieg die Wertschöpfung um 3.2 Prozent. Jedoch nahmen auch die Käseimporte um 2.9 Prozent zu, was einem Mehrimport von 867 Tonnen entspreche. Der Emmentaler AOP konnte im Exportgeschäft nicht mithalten. Seine Bilanz lag bei minus 378 Tonnen. Laut Jürg Fatzer hängt diese Entwicklung auch mit der«schnelllebigen» Zeit zusammen. Es nicht mehr wichtig, Nahrungsmittel über längere Zeit aufzubewahren oder auf Produkte zu warten. – Alles ist im Überfluss und zu jeder Zeit verfügbar. Jürg Fatzer stellte fest, dass die Sortenorganisation für das Jahr 2018 gestreckte Ziel, die Fabrikation von 18’000 Tonnen Emmentaler AOP zu erreichen, leider nicht realisiert werden konnte. Mit neuen Marketing Aktivitäten soll der Negativ-Trend aufgehalten werden.

Verabschiedung langjähriger Mitarbeiter

Wie Jürg Fatzer erklärte, werden in diesem Jahr zwei Mitarbeiter, nämlich Heinz Kretz und Hansruedi Imhof in den Ruhestand treten. Heinz Kretz trat am 1. September 2003 seine Stelle im Käsereifungslager an und wird Ende September pensioniert. Hansruedi Imhof begann seine Arbeit im Käse-Reifungslager kurze Zeit später, nämlich am 1. Mai 2004. Jürg Fatzer dankte den beiden Pensionären für ihre ausgezeichnete Mitarbeit.

Aussicht auf Geschäftsjahr 2019/20

Für das Budget 2019/20 werde mit 2’700 Tonnen eher pessimistisch gerechnet. Den Gewinn vor Abschreibungen und Steuern wurde gleich hoch wie im vergangenen Jahr budgetiert, da mit tieferen Lohnkosten und Liegenschaftskosten gerechnet wird. Jürg Fatzer erklärte, dass es gelte die Schmier- und Pflegeanlage möglichst lange zu nutzen. Einerseits weil mit der abgeschriebenen Anlage tiefere Kosten anfallen und andererseits, weil eine Investition in eine neue Pflege- und Schmieranlage eine langfristige Investition darstelle. Er stellte sich die Frage wie es langfristig mit der Entwicklung des Emmentalers weiter gehe. «Was uns zu Gute kommt, ist die solide finanzielle Lage und das gute Personal», sagte Jürg Fatzer abschliessend.