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Wer gewinnt den Agropreis?

Walnüsse aus der Ostschweiz, ein neuartiger Milchverkaufsautomat, eine Mälzerei auf dem Bauernhof und klimaneutrale Pflanzenkohle: Vier Projekte buhlen um den mit 20 000 Franken dotierten Agropreis 2019.

von pd

Mälzerei auf dem Bauernhof.
Hansruedi und Evelyne Peter wollen künftig all ihre Milch über ihre Automaten verkaufen. Milchmischgetränke sollen auch ein junges Publikum ansprechen.
Schweizer Walnüsse.
Klimaneutrale Pflanzenkohle.

Mit dem Agropreis zeichnet die Emmental Versicherung seit 1993 innovative Produkte und Dienstleistungen aus der Landwirtschaft aus. Dieses Jahr wurden insgesamt 49 Dossiers für den Preis eingereicht, der mit 20 000 Franken dotiert ist. Die Jury hat daraus vier vielversprechende Projekte nominiert. Verliehen wird der Preis am 7. November 2019 in Bern.

Schweizer Walnüsse

Fünf Bauern haben zusammen im St. Galler Rheintal eine professionelle Walnuss-Produktion aufgezogen. Das Wissen über den professionellen Nussanbau haben sich die Landwirte im französischen Grenoble angeeignet, dem grössten Walnussanbaugebiet Europas. 2014 pflanzten sie die ersten 150 Bäume, mittlerweile bewirtschaften die Nussbauern eine Fläche von 10 Hektaren. Bis die Bäume ihren vollen Ertrag abwerfen, dauert es acht bis neun Jahre. 33 bis 55 Tonnen getrocknete Nüsse erwarten die Bauern dann pro Jahr. Nebst der Produktion haben die Landwirte eine Verarbeitungs-, Veredelungs- und Vermarktungsstruktur aufgebaut. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Im bündnerischen Malans macht eine Knachmaschine die Nüsse handelsfertig. Der grösste Teil wird zu halben Kernen und Nussbruch verarbeitet, Öl und ganze Nüsse runden das Angebot ab. Ziel ist es, dass der Nussbruch künftig in Bündner Nusstorten verbacken wird. Dort steckt bisher ausländische Ware drin.

Der Milchautomat rentiert

Evelyne und Hansruedi Peter aus dem bernischen Steffisburg vermarkten ihre Milch selbst und haben dabei einen Weg gefunden, um die Wertschöpfung zu erhöhen. Mit einem für die Schweiz neuartigen Selbstbedienungsautomaten verkaufen sie ihre pasteu­wrisierte Vollmilch an zwei stark frequentierten Standorten in Steffisburg und Thun. Ein Drittel ihrer Milch setzen Peters bereits über den Automaten ab und generieren damit zwei Drittel des Milchumsatzes. Das Ziel ist es, künftig alle Milch direkt zu vermarkten. Um auch ein jüngeres Publikum anzusprechen, hat das Ehepaar zudem zwei neue Milchmischgetränke lanciert.

Mälzerei auf dem Bauernhof

Zwar wird auch in der Schweiz Braugerste angebaut, gemälzt wird sie jedoch grösstenteils im Ausland. Gegensteuer gibt die Bauernfamilie Vez aus dem waadtländischen Bavois. Sie betreibt eine hofeigene Mälzerei, in der sie die selber angebaute Braugerste mälzt. Das Wissen über das Mälzen mussten sich die Vez’ selbst aneignen, eine Prototyp-Malzanlage beschafften sie sich in Italien. Nach zahlreichen Rückschlägen sowohl beim Mälzen wie beim Angbau der Braugerste läuft nun das Geschäft. Derzeit werden rund 12 Hektaren Braugerste angebaut. 70 bis 80 Tonnen Malz werden produziert. Abnehmer sind vor allem Brauereien aus der Region. Zudem braut die Familie in der hofeigenen Brauerei mehrere Biere.

Klimaneutrale Pflanzenkohle

Die Familie Keiser verarbeitet in Neuheim ZG Baum- und Strauchschnitte von Bauernhöfen zu hochwertiger Pflanzenkohle. Sie nutzt dafür das uralte Wissen der Ureinwohner des Amazonasgebietes. Diese haben während hunderten von Jahren Kohle in den Boden eingearbeitet und damit fruchtbar gemacht. Bereits seit 2011 tüfteln Kaisers an der Produktion von Pflanzenkohle.

Zur Herstellung wird Holz von der Baumpflege aus der Region als Holzschnitzel in einer Pyreg-Anlage unter Luftabschluss bei rund 600 Grad verkohlt. Die Pflanzenkohle findet Verwendung als Futterzusatz zur Verbesserung der Tiergesundheit, bei der Kompostierung sowie als Einstreu. Sie bleibt im Boden über Jahrhunderte erhalten und verbessert die Bodenstruktur. Mit der Pflanzenkohle lässt sich Klima-Farming betreiben, denn durch die Speicherung von CO2 im Boden verbessert sich die Klimabilanz der Landwirtschaft.
Preisverleihung: 7. November 2019 im Kursaal Bern, 15 bis ca. 17 Uhr, danach Apéro. www.agropreis.ch