Datum: Branche:

Nestlé setzt auf Pflanzenfood

Nestlé bringt seinen fleischlosen «Incredible Burger» in die Schweiz. Die Version 2.0 des Soja-Burgers verspricht mehr Röstaromen und mehr Saftigkeit. Nestlé investiert künftig verstärkt in pflanzliche Lebensmittel.

von Stephan Moser

Die Zahl der Teilzeit-Vegetarier wächst, der Markt für Fleischalternativen boomt. Dieses Geschäft will sich auch Nestlé nicht entgehen lassen. «Wir setzen verstärkt auf pflanzenbasierte Nahrungsmittel», sagt Jérôme Bonvin, Verantwortlicher für Kulinarische Produkte bei Nestlé Schweiz. Im April hat der Konzern in verschiedenen europäischen Ländern seinen veganen «Incredible Burger» lanciert. Seit dem 30. September ist er nun auch in der Schweiz bei Coop erhältlich – und zwar in einer verbesserten Version. Das sagte Oliver Nussli, Leiter der Forschungsplattform Fleischalternativen bei Nestlé, bei der Präsentation des überarbeiteten Soja-Burgers in Zürich.
Ein Jahr intensive Forschung stecke in der Entwicklung des Burgers, sagte Nussli. Das Ziel: Ein pflanzlicher Burger, der aussieht, duftet und schmeckt wie ein Rindsburger. «Aufgrund von Kundenfeedback haben wir die Rezeptur in den letzten Monaten überarbeitet, um den Burger saftiger zu machen und ihm mehr Röstaromen zu verleihen», erklärte Nussli. Hauptzielgruppe sind die Flexitarier: «Wir wollen Leuten, die ihren Fleischkonsum reduzieren wollen, mehr Alternativen bieten.» Verkauft wird der Burger unter der Marke «Garden Gourmet».

Soja- und Weizenproteine

Der vegane Burger basiert auf rehydrierten Proteinen von Soja (50%) und Weizen (4%). Extrusion gibt den Pflanzenproteinen eine fleischähnliche Struktur, dazu kommt ein spezielles Mischverfahren, das Nestlé patentiert hat. Ein Mix aus natürlichen Aromen und Gerstenmalzextrakt sorgt beim Anbraten für die fleischtypischen Röstaromen, pflanzliche Farbstoffe lassen den Burger beim Braten braun werden und der «blutige» Look wird unter anderem mit Randensaft erreicht. Kokosöl gibt dem Veggie-Burger die gewünschte «fleischähnliche» Marmorierung.
Nestlé preist den Burger als «gesunde und nachhaltige» Alternative zum Fleischburger an. Ein Pattie enthalte mit 32 Prozent zwar etwas weniger Protein als ein Rindsburger, dafür auch weniger Fett und vor allem weniger gesättigte Fettsäuren, erklärte Nussli. Dank dem Kokosöl steckten im Burger dafür mehr ungesättigte Fettsäuren. Ausserdem enthalte der Sojaburger kein Cholesterin. Laut Nestlé würde der Burger im Nutri-Score ein hellgrünes A bekommen, womit er gegenüber Konkurrenzprodukten klar im Vorteil sei.

Produziert wird der Burger von der Nestlé-Tochter Tivall im tschechischen Krupka. Die Hauptzutat Soja stammt aus konventioneller Produktion, hauptsächlich aus den USA und Kanada. Bio-Soja sei nicht in genügenden Mengen vorhanden, sagte Nussli. Trotz der langen Transportwege der Rohstoffe schneidet laut Nussli der Sojaburger aber ökologisch besser ab als ein Rindsburger. Für die Herstellung des Sojaburgers brauche es etwa 50 Prozent weniger Wasser als für einen Fleischburger, die CO2-Emmission sei gar 80 Prozent geringer.

Verkaufshit in Deutschland

In Deutschland hat der Burger offenbar den Publikumsgeschmack getroffen. In drei Monaten wurden fünf Millionen Patties verkauft. Der «Incredible Burger» gehört damit in Deutschland zu den umsatzstärksten vegetarischen Burger-Patties. Nestlé hofft, dass er in der Schweiz ähnlich erfolgreich ist. Und beim Burger soll es nicht bleiben. Im Oktober bringt Nestlé ein veganes Hack heraus. Bereits hat Nestlé-Chef Mark Schneider ausgeplaudert, dass seine Forscher auch an veganem «Speck» und einer veganen Wurst arbeiten. «Wann die Produkte soweit sind, kann ich nicht sagen», sagte Nussli. Man arbeite auch an pflanzlichen Alternativen zu Milchprodukte. «Wir haben viel in die Entwicklung von pflanzenbasierten Lebensmitteln investiert und wir werden auch weiter investieren», betonte Nussli.
stephan.moser@rubmedia.ch