Datum: Branche:

Mehr Platz für Innovationen

Viele neue Start-ups und Fleischalternativen sorgten an der 100. Ausgabe der Anuga in Köln für Aufsehen. Auch die Schweizer Hersteller warteten mit innovativen Produkten in allen Bereichen auf.

von Stephan Moser, Roland Wyss

Ihre Liebe gilt Getränken auf Basis von Aloe Vera: Oliver Niederer und Stamatis Baknis von der Schweizer Firma The Love Company.
Micarna trat ganz ohne Fleisch auf. Ralph Langholz, Leiter alternative Proteinquellen mit den Pop Bugs
Mövenpick Schweiz-Marketingchefin Ou Colombo mit dem «Sparkling Coffee», einem kalt gebrauten, aromatisierten und mit Kohlensäure versetzten Kaffeegetränk.
Christa Kölbener von der Sortenorganisation stellte den neuen Rahmappenzeller vor.
Christian Oberli, Inhaber der Bodensee Käse AG, mit zwei Käseneuheiten, dem Zartherzlichen und dem Wildwürzigen.
Geska-Verkaufsleiter Daniel Graf stellte den neuen pinken Schabziger mit Chili vor.
Gabriela Frei-Aggeler, Initiantin der Käsesommelier-Kurse, und Hansjörg Aggeler, Präsident der Schweizerischen Genossenschaft der Weich- und Halbhartkäsefabrikanten SGWH.
Rohen Lavee, Gründer von Yofix, eines israelischen Start-ups für vegane Joghurtalternativen.

Zu den prämierten Produkten der Anuga taste Innovation Show

Fleisch bleibt an der Anuga die dominierende Produktegruppe – ganze drei Hallen der Kölner Messe waren nach wie vor von grossen und kleinen Fleischverarbeitern aus aller Welt belegt. Doch gleich dahinter, auf dem «Boulevard of Inspiration» gab es Trendprognosen und Produktinnovationen zu sehen, die deutlich machten: Die Suche nach Fleischalternativen gewinnt laufend an Gewicht. 15 von 64 prämierten Innovation drehten sich um Fleisch- oder Fischersatzprodukte. Neuen Produkten wie der Beyond Sausage, Vegini to go, oder auch Essento Bio Insect Balls oder Planted Chicken, beide aus der Schweiz, war die Aufmerksamkeit der Medien und des Publikums gewiss.

Die Vielfalt an neuen Produkten und Ideen wurde auch in den Hallen sichtbarer gemacht: Mit Pitches in mehreren Hallen konnten sich Dutzende Start-ups vorstellen. Junge und motivierte Unternehmerinnen und Unternehmer warben hier selbstbewussst für ihre Produkte, immer entlang den Trends: vegan, glutenfrei, convenient, to go.

Schweizer Konfitüre für Übersee

Am Schweizer Gemeinschaftsstand präsentierten 16 Schweizer Unternehmen auf 274 Quadratmetern ihre innovativen Produkte. Neben Traditionsbetrieben waren auch Start-ups präsent. Einzelne Schweizer Produzenten wie Bell oder Chocolat Stella Bernrain hatten eigene Stände ausserhalb des Swiss Pavilions. «Mehr Frucht, weniger Zucker» lautet das Motto beim Konfitürehersteller Räber AG aus Küssnacht am Rigi. 1877 als Schnapsbrennerei gegründet, ist für das Familienunternehmen heute das Geschäft mit hochwertigen Konfitüren wichtiger als die Obstbrandsparte. 70 Prozent ganze Früchte stecken in den Royal-Konfitüren, Räber hat aber auch Fruchtaufstriche mit 100 Prozent Fruchteinwaage ohne Kristallzucker im Angebot. Die Flüssigkeit, die während des Einkochens verdampft, wird durch Fructose ersetzt. Diese Konfi ist weniger süss und hat 40 Prozent weniger Kalorien als herkömmliche Konfitüren. Exportiert wird nach Kanada, USA, Korea, China, Saudiarabien und Weissrussland. Das benachbarte Ausland wird nicht bearbeitet. «Dort ist die Konkurrenz zu gross», sagte Geschäftsführer Fredy Müller. «Unser Ziel ist es, an der Anuga ein bis zwei neue Importeure zu finden.» Wunschländer wären Japan, Indonesien oder Südamerika.

Kalter Kaffee mit Blöterli

Die Mövenpick Schweiz AG stellte an der Anuga ihren «Sparkling Coffee» vor: während zwölf Stunden kalt gebrauter Arabica-Robusta- Kaffee, dreifach gefiltert, mit Kohlensäure versetzt, nature oder mit Limette, Erdbeere oder Ginger aromatisiert. «Wir wollten kaltem Kaffee einen neuen Spin geben», erklärte Marketing-Chefin Ou Colombo. Das Resultat schmeckt – ungewöhnlich. «Als Eistee auf den Markt kam, wollte den zuerst auch niemand haben», sagte Colombo. Skandinavier und Südostasiaten würden aber auf das neue Getränk abfahren. «Und die Deutschen kriegen wir auch noch rum.» Der internationalen Fachjury hat er jedenfalls geschmeckt: Sie wählte den Sparkling Coffee unter die Top 50 Innovationen. Das neuartige Kaffeegetränk soll im Sommer 2020 in der DACH-Region in die Läden kommen. In Deutschland bereits erhältlich sind die neuen palmölfreien Haselnuss-Brotaufstriche. «Anders als die Konkurrenz verarbeiten wir keine Haselnusspaste, sondern verarbeiten die ganzen Haselnüsse selber weiter», so Colombo. Zudem würden die Produkte conchiert, was die Cremes geschmeidiger mache.

Bio-Babynahrung ist das Geschäft von Petit Zèbre mit Sitz in Zürich. Die Rohstoffe für Pürees, Kekse und Cerealien bezieht die Firma von europäischen Biobetrieben, produziert wird in Westeuropa. In der Schweiz sind die Produkte, die ein Comic-Zebra ziert, nur im Online-Shop der Firma erhältlich. Hauptmarkt ist China, aus einem einfachen Grund, wie es am Stand von Petit Zèbre hiess: In China würden jährlich 17 Millionen Babys geboren.Verglichen damit sei der Schweizer Markt vernachlässigbar. Expandieren möchte die 2015 gegründete Firma nach Russland und Saudiarabien.

Ausgezeichnete Insektenbällchen

Gleich vier Schweizer Unternehmen präsentierten alternative Proteinquellen. Die Fleischverarbeiterin Micarna liess das traditionelle Fleisch gleich ganz zuhause, stattdessen präsentierte die Migros-Tochter ihr Pop-Bugs-Sortiment: Burger, Falafalbällchen und Nuggets, die zwischen 17 und 30 Prozent Mehlwurmmehl enthalten. Insekten seien sehr effiziente Nährstoffverwerter und damit eine nachhaltige tierische Proteinquelle für Menschen, sagte Ralph Langholz, Leiter alternative Proteinquellen bei Micarna. Ganz wichtig: «Es dürfen keine ganzen Insekten sichtbar sein. Das nimmt bei vielen Konsumenten die Angst beziehungsweise den Ekelfaktor.» Man müsse die Leute mit bekannten Produkten an das Thema Insektenfood heranführen. So richten sich die neuen Nuggets gezielt bereits an Kinder. Gezüchtet werden die Mehlwürmer in Holland, produziert wird in der EU.

Die weltweit ersten biozertifizierten Insektenprodukte hat der Schweizer Insektenpionier Essento im Angebot. Die Bio-Falafelbällchen aus Schweizer Mehlwürmern schafften es unter die Top 10 der Annuga-Innovationen. «Wir werden regelrecht überrannt», sagte Geschäftsführer Christian Bärtsch. Bislang sind die in der Schweiz hergestellten Insektenprodukte nur hierzulande erhältlich, etwa bei Coop oder im Essento-Onlineshop. Essento strebt aber die Expansion in die EU an. Einige Projekte seien demnächst spruchreif, so Bärtsch.

«Pflanzenpoulet» und Algenprotein

Erbsenprotein, Erbsenfasern, Sonnenblumenöl und Wasser: aus diesen vier Zutaten produziert das ETH-Spinoff Planted Foods sein «Planted Chicken», eine Fleischalternative, die verblüffend ähnlich wie Pouletfleisch aussieht und schmeckt. Auf der Anuga präsentierten die Zücher eine Pulled-Version davon, die sich für Burger eignet. Noch ist der Pouletersatz erst in der Schweizer Gastronomie erhältlich, ab Januar soll das Planted Chicken auch in den Schweizer Detailhandel kommen, sagte Co-Gründer Eric Stirnemann. Das Erbsenprotein bezieht Planted aus der EU. Wieso nicht aus der Schweiz? «Protein und Stärke müssen getrennt werden, diese Technologie bietet in der Schweiz niemand an.» Eben abgeschlossen hat das Jungunternehmen seine Finanzierungsrunde. Damit kann ab Frühling 2020 eine grössere Produktionsanlage in Betrieb genommen werden, auf der mehrere hundert Kilogramm täglich hergestellt werden können.

Swiss made, vegan, high protein: So preist Alver-Chefin Mine Uran ihre Suppen, Teigwaren und Riegel an, die jeweils über 20 Prozent pflanzliches Protein aus der Mikroalge Golden Chlorella enthalten. Im Gegensatz zu anderen Algenprodukten mit «schrecklichem Algengeschmack» sei Golden Chlorella praktisch geschmacklos, so Uran. «Damit können wir Nudeln machen, die nach Nudeln schmecken.» Die Produktionskapazität im freiburgischen St. Aubin konnte dank einem Investor von 10 000 Kilogramm auf 50 000 Kilogramm hochgefahren werden. Nun plant das 2016 gegründete Unternehmen die Expansion ins Ausland. In Dänemark, Norwegen und Schweden habe man bereits Partner gefunden, so Mine Uran. Ziel sei es, auch in Deutschland Fuss zu fassen, da es dort viele Veganer gebe.

«Pflanzenproteine sind schwierig»

Der Sachslener Müesli-Spezialist Bio-Familia stellte an der Anuga neue Familia-Müesli mit Geschmackskombinationen wie Apfel-Rüebli und Erdbeere-Hagebutte vor. Die Firma ist aber auch ein wichtiger Anbieter von Private-Label-Müesli. Als Entwicklungsleiterin weiss Stephanie Schwander, was die internationale Kundschaft nachfragt. «Der Low-Fat-Trend hat sich totgelaufen», sagte sie. Exotische Zutaten sowie der sogenannte Superfood seien immer noch gefragt. «An der Anuga habe ich dieses Jahr jedenfalls nichts gesehen, was ich nicht schon gekannt habe.» Topthemen seien Zuckerreduktion, vor allem in Europa, und proteinreiche Müesli. Milchproteine seien dafür immer noch das beste, sagte Schwander. Zunehmend gefragt seien aber vegane Proteine. Erbsenproteine vermöchten aber sensorisch nicht zu überzeugen. «Wir arbeiten deshalb mit Glutenprotein.»

Proteine stehen auch im Fokus des Schweizer Produzenten Haco, der Getreideriegel, löslichen Kaffee, Suppen und Saucen für Private-Label-Kunden in Europa und weltweit herstellt. «Ein Produkt muss schmecken, darum landet man meistens beim Molkeprotein», sagte Dominik Büchel, Leiter Marketing und Verkauf. Haco pröble zwar auch mit pflanzlichen Proteinen, diese seien aber «kulinarisch schwierig». Im Angebot hat Haco auch extrudierte Fruchtriegel auf Basis von Datteln oder Rosinen, denen andere Zutaten wie Nüsse beigemischt werden können. Diese Riegel enthielten mehr Fruchtzucker und weniger Kristallzucker, erklärte Büchel.

Reitzel sucht Gurkenbauern

Der Schweizer Essiggemüse-Spezialist Reitzel produziert in der Schweiz, in Frankreich und in Indien. Gurken und Cornichons aus Schweizer Anbau werden unter der Marke «Hugo» ausschliesslich in der Schweiz verkauft. Die Nachfrage steige, sagte David Giller, Innovations- und Marketingmanager beim einzigen Schweizer Essiggemüseproduzenten. Deshalb suche man für die nächste Saison fünf neue Gurkenbauern in der Schweiz. Das Werk in Frankreich produziert haupsächlich für den französischen Markt. Das Werk in Indien versorgt einerseits die Stammmärkte Schweiz und Frankreich mit Cornichons, Maiskölbchen und Jalapenos, produziert aber auch für den Weltmarkt. Seit 2016 hat Reitzel das Fairtrade-Zertifikat für Maiskölbchen und seit 2018 für die Cornichons. Insgesamt verkauft Reitzel seine Produkte in 22 Länder. Zu den grössten Märkten zählen neben Europa die USA, Russland und Grossbritannien.

Aloe Vera zum Trinken

Mit einem auffällig bunten Stand präsentierte sich die 2018 gegründete The Love Company aus Zürich. Oliver Niederer und sein griechischer Geschäftspartner Stamatis Baknis lassen in Asien Getränke auf Aloe-Vera-Basis herstellen und abfüllen. Neben fünf unterschiedlich aromatisierten Drink mit Saft und Pulpe der Aloe Vera haben sie auch drei kohlesäurehaltige Varianten ohne Fruchtstücke sowie drei Aloe-Eistees im Angebot. In der Schweiz sind zwei der Getränke bei Denner gelistet, ausserdem sind die Aloe-Drinks in Griechenland, Portugal und Frankreich erhältlich. «An der Anuga hoffen wir auf 100 weitere Länder», scherzte Oliver Niederer.

Regelmässiger Gast in Köln ist der Schweizer Rohstoffhändler Nungesser, CEO Marco Fischer war an der Messe vielbeschäftigt und gab alimenta nach der Messe Auskunft: Man habe mehr Besucher gehabt als vor zwei Jahren, überraschend viele aus dem Nahen Osten. Gesucht ist etwa Biosesam für die beliebte Tahiri-Paste. Nungesser kann hier Ware aus einem eigenen Anbauprojekt in Uganda liefern, plant aber auch in Äthiopien mit dem Anbau von Bio-Sesam zu beginnen und den Sesam mit einer neuen Schälmühle auch dort zu schälen. In Uganda hat Nungesser auch ein Chia-Projekt, der ganz grosse Chia-Boom sei aber etwas vorbei, die Nachfrage habe sich stabilisiert, sagt Fischer. Hier müsse man den Kunden vielfach auch erklären, dass Chia nicht unbedingt aus Südamerika stammen müsse.

Gegen Betrug in der Lebensmittelindustrie

Das Schweizer Start-up SwissDeCode hat einen portablen DNA-Schnelltest entwickelt, mit dem Lebensmittel unter anderem auf Pathogene oder undeklarierte Stoffe getestet werden können. Das DNA-Foil-Kit wird zum Beispiel eingesetzt, um die Echtheit von Schweizer AOP-Käse anhand der beigefügten Herkunftsnachweiskulturen zu überprüfen. Der grosse Vorteil der Methode: die Resultate liegen schon nach 30 Minuten vor. Bislang war beim Test Handarbeit gefragt, nun entwickelt SwissDeCode eine digitale Lösung, bei der man nur noch das Sample in das Gerät geben muss. Den Rest erledigt die Maschine alleine, wie Marketingleiterin Joana Gomes erklärte. Zum Einsatz kommt das neue Gerät bis jetzt, um Verfälschungen von Basmatireis feststellen, ein häufiges Problem in Indien. Bislang wurde von Auge geprüft, ob der teure Basmatireis mit billigeren Reissorten gestreckt wurde. «Diese Methode war nicht sehr zuverlässig», so Gomes. Mit der Anwendung kann künftig auch die Authentizität von Getreide wie Gerste oder Weizen getestet werden.

Schweizer Käse-Neuheiten

Wie immer prominent vertrteten war der Schweizer Käse mit dem Auftritt von Switzerland Cheese Marketing SCM und den traditionellen Sortenkäsen. Dabei gab es auch einige Neuheiten zu bestaunen und zu degustieren. So lancierte die Sortenorganisation Appenzeller den Rahmappenzeller. Dieser hat 55 Prozent Fett in der Trockenmasse, während der traditionelle Appenzeller 45 Prozent Fett hat. Der Rest bleibt gleich: Die Reifung beträgt drei Monate, das Geheimnis ist und bleibt die Kräutersulz. Das Feedback der Kunden auf den Rahmappenzeller sei sehr gut, sagte Christa Kölbener von der Sortenorganisation. Der Käse wird seit Anfang September in der Schweiz verkauft und seit der Anuga neu in Deutschland.

Emmi stellte in Köln die Neuheit Kaltbach Gold vor, ein Käse aus pasteurisierter Milch mit 476 Prozent in der Trockenmasse, der vorerst nur in Deutschland verkauft wird. Der Käseteig ist etwas dunkler und und gelblicher als derjenige des bisherigen Erfolgsprodukts «Cremig-Würzig», geschmacklich weist der Käse eine leichte Karamellnote auf. Der Kaltbach Gold wird fünf Monate lang in den Kaltbach-Höhlen gereift, wie Stefan Hussmann, Junior Marketing Manager für Emmi Deutschland, erklärte. «Kaltbach Gold ist ein Familienkäse, der nicht zu mild und nicht zu würzig ist.»

Mit der Joghurt-Marke Onken lanciert Emmi ferner ein Kultprodukt aus den Neunzigerjahren, das «Frufoo» in der Ufo-ähnlichen Verpackung. Dabei handelt es sich um gestrudelten Fruchtquark mit Erdbeeren und Bananen, neu ohne künstliche Farb- und Konservierungsstoffe und mit Verpackungen, die zum Basteln verwendet werden können.  Die Migros-Käsetochter Mifroma stellte ihre höhlengereiften Käse aus den Höhlen in Ursy und Reichenbach in den Mittelpunkt. Ferner präsentierte sie ihre neue Käseverpackung, die zu 100 Prozent rezyklierbar ist.

Mit zwei Neuheiten war auch die Bodensee-Käse an der Anuga: Der Zartherzliche, ein zwei bis drei Monate gereifter Rohmilchkäse, ist «ideal für den deutschen Geschmack», wie Inhaber Christian Oberli sagte. Der Wildwürzige ist sechs Monate gereift, ebenfalls aus Rohmilch. Die Reaktionen seien sehr gut, sagte Oberli, vor allem Jüngere fühlten sich von den unkonventionellen Etiketten angesprochen.

Ziger als Gewürz und Proteinquelle

Eine weitere Neuheit beim Schweizer Käse: Der pinke Schabziger mit Chili. Damit die pinke Farbe im Käse erhalten bleibt, wird etwas Randensaft und Aroniasaft zugesetzt, wie Daniel Grob, Verkaufsleiter der Herstellerin Geska, erklärte. Geska steht aber für mehr als nur Schabziger. Die Bergbutter, die bei der Produktion des fettarmen Schabzigers anfällt, ist ein gesuchtes Produkt, Hauptkunde ist der Backwarenhersteller Fredy’s. Und auch für Rohziger sucht die Firma neue Verwendungsmöglichkeiten. So sei man mit einer Grossmetzgerei daran, fleischreduzierte Burgerpattys zu testen, sagte Grob. Auch die Anwendung in Backwaren – um diese länger feucht halten – sei gut möglich. Rohziger als proteinreiches und fettarmes Halbfabrikat ist im Trend und wird unter dem Namen Zifreshy angeboten.
Frischkäse Züger stellte als Testlauf Frischkäse, Mascarpone und Hüttenkäse in genormten Gastronomie-Schalen für Verarbeiter oder Gastrobetriebe vor. Weitere Neuheiten waren Frischkäse in der Ein-Kilogramm-Packung oder Halloumi mit Minze-Gechmack. CEO Christoph Züger zeigte sich zufrieden mit der Messe, am bemerkenswertesten sei eine Anfrage aus dem Irak gewesen. Dorthin werde man nur auf Vorkasse liefern.

In Köln war auch die Schweizerische Genossenschaft der Weich- und Halbhartkäsefabrikanten SGWH, mit den beiden Mitgliedern Seiler Käse und Brülisauer in Künten. Bei Seiler im Sortiment: 12 verschiedene gewürzte Raclettekäse, mit Curry als neueste Variante, die ab Herbst auch bei Migros als Special Edition erhältlich sein wird.

Israelische Alternativen

Als Hot Spot für Neuentwicklungen und Start-ups in allen Bereichen wird immer wieder Israel genannt. Und tatsächlich waren aus Israel ein paar interessante Firmen vor Ort. Das Start-up Yofix produziert verschiedene Milchproduktalternativen aus den Rohstoffen Hafer, Sesam, Linsen, Kokos und Sonnenblumenkernen und aus Joghurtkulturen. Zum einen entstehen so Alternativprodukte zu Joghurt, Milchdrinks oder Porridge, zum andern bietet Yofix Grundstoffe für vegane Glacemassen, Aufstriche, Gebäckfüllungen, Frozen Joghurts oder Milchshakes an. Ronen Lavee, Gründer und CEO von Yofix, betonte, es seien keinerlei Zusatzstoffe enthalten. Er konnte vom Start-up Accelerator-Programm profitieren, dass vom grossen israelischen Detailhändler Strauss aufgebaut wurde und verkauft die Produkte bisher auch dort. Er sucht nun Partner in Exportmärkten. Damit Transporte möglich werden, muss die Haltbarkeit verlängert werden. Dies geschieht durch Sterilisierung, die Produkte sollen in grossen Gebinden exportiert und im Zielland abgefüllt und verpackt werden.

An Fleischalternativen tüftelt das Start-up Rilbite. Ihre Burger-Pattys und Meat Balls bestehen nur aus Zwiebeln, Tomaten, Erbsen, Linsen und Reis, wie Christina Gloger von Israeltrade erklärte – in Vertretung des Firmenpersonals, das wegen dem Feiertag Jom Kippur bereits abgereist war. Die Konsistenz sei sehr ähnlich wie bei Fleisch, Meat Balls, die man direkt in eine Sauce gebe, würden nicht zerfallen, sondern stabil bleiben. Rilbites erste Konsumenten sind israelische Schüler: Die Schulen sind vom Staat dazu angehalten, wöchentlich mindestens ein fleischloses Essen anzubieten, tun sich aber bisher offenbar schwer damit.
redaktion@alimentaonline.ch

Zu den prämierten Produkten der Anuga taste Innovation Show