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«Die Welt will guten Käse»

Der Chef von Hollands zweitgrösster Molkerei Royal A-ware setzt nicht nur auf billigen Gouda. Er erklärt, warum Partnerschaften mit Fonterra, Glanbia und auch mit einer Schweizer Käserei wichtig sind.

von Hans Peter Schneider

«Schweizer Käse ist international wichtig!» Jan Anker an der Anuga.

alimenta: Herr Anker, welche Produkte stellt Ihr Unternehmen hauptsächlich her?

Jan Anker: Wir legen unseren Fokus auf Käse, dabei ist Gouda das Leaderprodukt. Wir produzieren aber auch Edamer, Maasdam oder Tilsiter. Wir sind in Holland nach Friesland Campina die Nummer zwei im Käseproduktionsranking.

Royal A-ware arbeitet mit verschiedenen Milchverarbeitern zusammen, zum Beispiel mit Fonterra. Warum gerade mit dem weltweit grössten Milchkonzern?

Fonterra spielt in der Molkeverarbeitung in der Champions League. Wir dagegen sind ein Käsespezialist. Bei unserer Gouda-Produktion fällt enorm viele Molke an. Als wir vor fünf Jahren die neue Fabrik bauten, war für uns sofort klar, dass wir das mit diesem Unternehmen machen wollten. Damit kann unsere Molke aus dem neuen Werk direkt im Fonterra-Werk verarbeitet werden.

Sie haben aber auch andere Partnerschaften, etwa mit Glanbia in Irland. Warum?

Das Milchvolumen in Irland wächst, seit die Quote in der EU weggefallen ist. Doch heute wird in Irland meistens einfach Cheddar und Magermilchpulver produziert. Für Glanbia ist es interessant, auch ein breiteres Portfolio zu haben. Dieses erhalten sie bei uns.

Spielte auch das gute Image der irischen Milchproduktion in Sachen Nachhaltigkeit mit dem Origin Green-Programm eine Rolle?

Klar wollen wir beide etwas für die Nachhaltigkeit tun, das spielt schon eine Rolle. Doch in erster Linie ging es um eine Zusammenarbeit, die für beide Seiten ökonomisch interessant ist.

In Irland entsteht eine neue Fabrik. Was soll dort produziert werden?

Die Fabrik in Irland wird erst 2022 eröffnet. Dort wird Gouda, der wahrscheinlich auch als irländischer Gouda verkauft wird, produziert.

Sie haben auch in der Schweiz mit Simmental Switzerland AG eine Partnerschaft geschlossen.

Ja. Unsere Strategie ist, dass wir unseren Kunden nicht einfach einen Artikel verkaufen wollen, sondern ein Konzept. Wir wollen mit den Schweizern zusammenarbeiten, weil wir Schweizer Käse in unserem Portfolio haben wollen.

Also insbesondere Bergkäse?

Das exakte Produktesortiment müssen wir noch zusammen mit der Simmental Switzerland AG klären. Doch es geht bald los, ab nächstem Monat beginnt die Produktion.

Welchen Schweizer Käse lieben Sie am meisten?

Den Emmentaler.

Sie könnten doch Emmentaler verkaufen?

Ich bin kein durchschnittlicher Konsument. Wir verkaufen einfach Käse und wollen damit Geld verdienen. Der Bauer muss happy sein, die Käserei und auch der Konsument.

Stimmt der Vorwurf, dass Royal A-ware nur Billigkäse verkauft?

Nein. Klar haben wir günstigen Käse, der in der ganzen Welt vermarktet wird. Ausserdem führen wir ein grosses Sortiment, wobei ich nicht jeden einzelnen Preis kenne. Fakt ist, dass wir auch teuren Premiumkäse führen. Zum Beispiel verkaufen wir in den USA alten Gouda zu sehr interessanten Preisen und in Italien haben wir einen eigenen Parmeggiano-Reggiano-Betrieb. Wir sind also durchaus bereits jetzt mit sehr hochwertigen Käsen auf dem Markt.

Und wird Royal A-ware auf dem Weltmarkt zu einer neuen Konkurrenz für andere Schweizer Käseexporteure?

Ich verstehe, dass es mit der Ankündigung der neuen Käserei in der Schweiz im Simmental einen Schock gab. Wenn Bauern Milch produzieren und eine Wertschöpfung erhalten wollen, kann dies mit Milchpulver oder in der Schweiz mit sehr gutem Käse erreicht werden. Die Aaremilch strebt eine kurze und effiziente Wertschöpfungskette an, das ist wichtig und zukunftsgerichtet, wir sind dafür bestens eingerichtet. Der Markt ist gross, schliesslich wächst die Weltbevölkerung und grosse Teile davon wollen guten Käse haben.

Hat Royal A-ware denn schon Erfahrung mit Käsespezialitäten?

Sicher. Auch mit ursprungsgeschütztem Spezialitätenkäse. Zum Beispiel wird in unserer italienischen Käserei Parmiggiano Reggiano DOP produziert. Das Sortiment ist volumenmässig klein. Allgemein sind im Detailhandel die italienischen Käsesortimente nicht riesig – aber nichtsdestotrotz sehr wichtig. Zwar sind Mozzarella, Gouda und Edamer die wichtigste Produkte auf dem Weltmarkt, doch Schweizer Käse oder auch italienischer Käse ist international gesehen sehr wichtig.

Was ist Ihre Prognose: Wie viel Schweizer Käse werden Sie bis in fünf Jahren verkaufen?

Ich kann unsere internen Ziele nicht öffentlich machen und alles hängt schliesslich vom Markt ab. Doch wir verkaufen unsere Produkte in 60 Ländern.

Und wie ist es mit den Milchpreisen, die Royal A-Ware den Bauern bezahlt?

Royal A-ware bezahlt den Bauern kompetitive Preise und liegt im oberen Drittel der ausbezahlten Milchpreise. Wichtig ist, dass wir mit unseren Bauern eine Win-Win-Situation haben. Wir wollen mit guten Bauern und guten, effizienten Käsereien zusammenarbeiten.

In der Schweiz wurde kürzlich der Nachhaltigkeitsstandard «Swissmilk Green» eingeführt. Wie steht es in Holland?

Wir haben mit unserer «Weidemilch», zusammen mit der holländischen Handelskette Albert Heijn, schon einen Standard lanciert, für den über 300 Produzenten Milch nach unserem gemeinsamen Nachhaltigkeitsstandard exklusiv für die Handelskette liefern. Damit wird zum Beispiel ein Raufutteranteil von 80 Prozent in der Ration der Milchkühe gewährleistet, oder die Kühe, inklusive Aufzuchtttiere, müssen geweidet werden und haben mehr Platz im Stall als «konventionelle» Kühe.

Was hat der holländische Milchbauer davon?

Der Milchbauer erhält eine Prämie auf dem Milchpreis, 4,25 Cent pro Liter inklusive Weideprämie.

Wer ist der grösste Konkurrent von Royal A-ware?

Alle Grossen auf der Welt.

hanspeter.schneider@rubmedia.ch