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Agropreis für klimaneutrale Pflanzenkohle

Das Projekt «Klimaneutrale Pflanzenkohle» der Familie Keiser aus dem zugerischen Neuheim ist Gewinner des Agropreises 2019. Den Publikumspreis gab es für einen Milch-Selbstbedienungsautomaten.

von Roland Wyss

Franz Keiser (4. von links) und seine Familien machten beim Agropreis das Rennen.

Bei der Verleihung des Agro-Preises vom 7. November in Bern gewann die Familie Keiser mit ihrem Projekt «Klimaneutrale Pflanzenkohle». Die Familie Keiser verarbeitet Baum- und Strauchschnitte von Bauernhöfen zu hochwertiger Pflanzenkohle. In einer sogenannten Pyreg-Anlage werden die Holzschnitzel unter Luftabschluss bei rund 600 Grad Celsius verkohlt. Die Kohle wird eingesetzt als Futterzusatz zur Verbesserung der Tiergesundheit, bei der Kompostierung sowie als Einstreu. Sie bleibt im Boden über Jahrhunderte erhalten und verbessert die Bodenstruktur. Durch die Speicherung von CO2 im Boden verbessert sich die Klimabilanz der Landwirtschaft. Bereits seit 2011 sei man am Tüfteln mit Pflanzenkohle, sagte Franz Keiser. Nun könne man den Lohn für diese Bemühungen ernten. Das Ganze sei auch eine Chance für die Landwirtschaft. «Mit der Pflanzenkohle kann jeder Bauer klimaneutral oder gar klimapositiv werden», sagte Keiser.

Walnüsse, Milchautomat und Hofmälzerei

Drei weitere Projekte waren für den Agropreis nominiert worden: Die Walnussproduktion der Nussgesellschaft Wartau in Weite SG setzt nicht nur auf professionelle Produktion mit 1500 Bäumen und Erntemaschine, die fünf Landwirte haben auch eine Verarbeitungs-, Veredelungs- und Vermarktungsstruktur aufgebaut. Geknackt werden die Nüsse in Malans GR, das Ziel ist, dass sie vermehrt für Bündner Nusstorten verwendet werden.

Evelyne und Hansruedi Peter aus Steffisburg BE haben beim nahe gelegenen Tankstellenshop einen Selbstbedienungsautomaten für Milch installiert, der seit April 2018 in Betrieb ist. Die Milch wird vollautomatisch pasteurisiert und kann anschliessend in Glas- oder PET-Flaschen oder in mitgebrachten Behältern gekauft werden – zum Literpreis von 1.70 Franken.
Die Familie Vez aus Bavois VD pflanzt seit 2015 Braugerste an, eine eigene Mälzerei auf dem Hof gab ihnen die Möglichkeit, die Wertschöpfung auf dem Betrieb zu erhöhen und Schweizer Malz für aufstrebende Kleinbauereien zu bieten. Nach vielen Pröbeleien und Anpassungen bei Anbau und Anlagen starteten die Vez’ im Herbst 2018 mit der Produktion, zusätzlich haben sie auf dem Hof eine eigene Brauerei installiert.

Mehr Verkäufe dank Agropreis

Der Kürbisölproduzent Jakob Brütsch erzählte im Berner Kursaal von seinen Erfahrungen, nachdem er vor einem Jahr den Agropreis ge-wonnen hatte. Er habe vor allem in der Region viel Zuspruch erhalten und die Verkäufe noch stark ausdehnen können. Mit dem Preisgeld wurde ein Kürbiskern-Kochbuch finanziert, dass die Schwiegertochter, Ernährungsberaterin und Köchin Rahel Brütsch schrieb. Die erste Auflage sei bereits verkauft, die zweite komme auf Weihnachten in den Verkauf, sagte Brütsch stolz.

Der Saalpreis ging an Evelyne und Hansruedi Peter für den Selbstbedienungsautomat. Der Leserpreis von Schweizer Bauer und Terre & Nature, mit 3000 Franken dotiert, ging an die Nussgesellschaft Wartau.

Der Spezialpreis des Schweizerischen Landtechnikverbandes ging an Bernhard Aeschlimann, der eine mobile Solaranlage für die Stromproduktion auf der Alp entwickelt hat. Eine Salzbatterie speichert den Strom für zwei Tage. Der Preis ist mit 5000 Franken dotiert.
Moderiert wurde der Anlass neu von Nicole Berchtold, die beim Fernsehen SRF die Sendung «Glanz und Gloria» moderiert. Für die Unterhaltung sorgte das bekannte Komikerduo Lapsus.

roland.wyss@rubmedia.ch