Datum: Branche:

«Die schwarze Null rückt näher»

Norbert Pustlauk, der neue Geschäftsführer der Milchhof AG in Schaan, ortet gerade in der Kleinheit des Milchverarbeiters grosse Chancen. Er will das Liechtensteiner Unternehmen in eine profitable Zukunft führen.

von Eveline Dudda

Im Käselager sind links Beat Ruckstuhl, Teamleiter Käserei, Mitglied der Geschäftsleitung und rechts Geschäftsführer Norbert Pustlauk, der GF zu sehen.
Zwei fürstliche Käse: Einmal Bio, einmal Herzhaft und doppelt prämiert.
Kleiner kann der grösste Milchverarbeiter eines Landes kaum sein.
Milchhof-Gechäftsführer Norbert Pustlauk.

«Sie können schreiben, dass der Milchhof lebt», sagt Norbert Pustlauk und lacht, «ich kann ihnen versichern, dass man in Zukunft noch von uns hören wird.» Obwohl über den Milchhof in der Vergangenheit eher negativ berichtet wurde, ist der neue Geschäftsführer gut gelaunt. Das ist nicht zuletzt der Lebensmittelmesse Anuga in Köln zu verdanken. Dort war der Milchhof Schaan erstmals mit einem eigenen Stand und einer Präsenz in der Biokäsetheke vertreten. Die Messe hat Pustlauks Einschätzungen bestätigt: Klein, nachvollziehbar und bio liegen voll im Trend.
Genau mit diesen Eigenschaften kann der Milchhof heute schon punkten: Kleiner kann der grösste Milchverarbeiter eines Landes kaum sein. Der Milchhof nimmt rund 13 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr an und bezieht diese aus nächster Nähe. «Die gesamte Milchanlieferung stammt aus dem Umkreis von fünfzehn Kilometern.» Auch in Sachen Nachvollziehbarkeit muss sich der Milchhof nicht verstecken: «Wir kennen jeden unserer 42 Milchproduzenten persönlich, wir kennen fast schon jede Kuh.» Und was Bio anbetrifft, ist das Fürstentum Liechtenstein ohnehin Weltmeister: Mehr als jeder dritte Betrieb produziert hier nach den Richtlinien von Bio Suisse.

Bislang wurden diese Trümpfe noch zu wenig ausgespielt. Pustlauk stellt fest: «Aktuell werden wir dem Anspruch als Bio-Weltmeister nicht gerecht.» Dabei dürfte der Anteil Biomilch in Zukunft eher noch zunehmen. Gut möglich, dass in fünf bis acht Jahren sogar rund die Hälfte der angelieferten Milch von Biobetrieben stammt. «Das zwingt uns, Bioszenarien zu entwickeln.» Auch den Heimatmarkt will Pustlauk mit seinem Team künftig intensiver bearbeiten: «Ich glaube, wir müssen wieder zurückkommen auf die Wahrnehmung der Landesversorgung, müssen den Nahversorgungsauftrag ernst nehmen. Da können wir noch zulegen.»

Der Staat legte Strategie fest

Es war schliesslich unter anderem dieser Nahversorgungsauftrag, der die Liechtensteiner Regierung im Jahr 2004 dazu bewog, eine neue Milchmarktordnung für das Land auszuarbeiten. Das war auch eine Folge des Zusammenbruchs der Swiss Diary Food im Jahr 2003, welcher die Risiken eines von der Schweiz abhängigen Milchmarkts aufzeigte. Die Regierung beschloss, die Vorwärtsintegration in der Milchverarbeitung voranzutreiben. Sie war auch bereit, die Schaffung wettbewerbsfähiger Milchverarbeitungsstrukturen während zehn Jahren, von 2005 bis 2015, finanziell zu unterstützen. Das Ziel war es, den Absatz der Liechtensteiner Verkehrsmilch langfristig zu sichern, einen überdurchschnittlichen Marktpreis zu erzielen und die aus der Rohstoffverarbeitung resultierende Wertschöpfung in Liechtenstein zu halten.
Der Liechtensteiner Milchverband nahm sich der staatlichen Zielvorgaben an, baute den Milchhof Schaan aus und eine Käserei auf. Von der Kapazität her ist der Milchhof nun in der Lage, die gesamte Rohmilchmenge Liechtensteins zu verarbeiten. Das nützt aber nur etwas, wenn auch der Absatz stimmt. Und der hinkt, drei Jahre nach dem Aufbau der Käserei, der Produktion noch hinterher.

Komplexität unterschätzt

In der jüngeren Vergangenheit lief nicht alles rund. Das Unternehmen schrieb Verluste – was im Zuge des Neubau zwar geplant, aber trotzdem unangenehm war. Dann gaben sich innerhalb von zehn Jahren vier Geschäftsführer die Klinke in die Hand, es gab Entlassungen, Unruhe beim Personal, negative Presseberichte. Die Milchbauern, denen das Unternehmen letztlich gehört, korrigierten den Umständen zuliebe ihren Milchpreis nach unten. All das wusste Pustlauk, bevor er diesen Juli sein Amt antrat. Doch der gebürtige Rheinländer liess sich nicht davon abschrecken, im Gegenteil. Der 52-jährige sagt sogar, dass er ganz bewusst eine solche Aufgabenstellung gesucht hat: «Ich finde die Arbeit als Generalist in einem mittelständischen Unternehmen ausgesprochen spannend.» Sein Rucksack für diese Aufgabe ist gut gefüllt. Zuvor war er in leitender Position im Vertrieb & Marketing von mittelständischen Getränke- und Handelsunternehmen tätig, welche 8 bis 15 Mio. Euro Umsatz im Jahr machen. Auch wenn die Fruchtsaft- und Bierbranche anders tickt als die Milchbranche, dürften die Herausforderungen ähnlich sein.
Die Vergangenheit des Milchhofs ist Pustlauk nicht viele Worte wert: «Die Komplexität und Umsetzung am Markt wurden wohl unterschätzt, dazu kam vielleicht noch der ein- oder andere Führungswechsel zum falschen Zeitpunkt.» Er winkt ab: «Aber das ist Geschichte. Wir lernen aus der Vergangenheit und blicken ausschliesslich nach vorn. Nun weht ein frischer Wind im Milchhof.»

Mit Kleinheit punkten

Diesen frischen Wind spürt man auch bei Marketingleiterin Anna Kristin Krönert, die genau wie Pustlauk aus Liechtenstein heraus punkten will. Auch sie sieht in der kleinen Unternehmensgrösse Chancen: «Als mittelständisches Unternehmen haben wir sehr enge Kontakte, das ermöglicht die schnelle Umsetzung von Ideen.» Wenn es nach ihr geht, wird sich der Milchhof mit seinen 25 Mitarbeitern künftig nicht nur mit Private-Label-Produkten etablieren, sondern auch einen Ruf als «Ideenschmiede» aufbauen. Angedacht sind sowohl innovative Produkte als auch Verpackungs-Konzepte, die auffallen. Doch das braucht Zeit und die Durststrecke ist noch nicht überwunden. «Aber dieses Jahr werden wir schon deutlich besser dastehen als letztes Jahr», sagt Pustlauk.

«Die schwarze Null rückt näher.»

Darauf, wann die schwarze Null erreicht wird, will er sich nicht festlegen. Er gibt aber wenigstens eine seiner Visionen preis: Er hofft, dass die Käserei spätestens in acht Jahren komplett ausgelastet ist. «Und dass wir dann neben dem deutschen Markt in weiteren acht bis zehn Ländern präsent sind.» Der Milchhof ist deshalb auf der Suche nach starken Partnern, die den fürstlichen Käse in anderen Länder vertreten. Dass kaum jemand auf Liechtensteiner Käse gewartet hat, ist sowohl Pustlauk als auch Krönert bewusst. «Aber ein Liechtensteiner Fähnli in der Käesetheke fällt auf.» Und Pustlauk gibt zu bedenken, dass es für Liechtenstein zwar um viel, im internationalen Vergleich aber doch eher um kleine Mengen geht: «Wenn wir in jedem dieser Länder 20 bis 25 Tonnen Käse verkaufen sind, wir bereits gut unterwegs.» Auch hier gilt: Klein zu sein kann eine Chance sein.
redaktion@alimentaonline.ch