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«Die Schweiz ist ein Innovationsmarkt»

Für den CEO von Barry Callebaut Antoine de Saint Affrique gibt es nicht nur Chancen in den noch nicht erschlossenen Schokolademärkten. Er sieht auch in den traditionellen Schokolademärkten gute Möglichkeiten.

von Hans Peter Schneider

«Proteinriegel müssen mit Schokolade überzogen sein – dann werden sie gegessen. Für uns ein neuer Markt». Antoine de Saint Affrique, CEO von Barry Callebaut.
Barry Callebaut lancierte in der Schweiz die neue Schokolade Ruby mit Erfolg.

alimenta: Barry Callebaut wächst alljährlich um einige Prozent und erreichte im letzten Jahr einen Umsatz von 7,3 Milliarden Franken. Wie geht es weiter?

Antoine de Saint Affrique: Unser Ziel ist klar: Wir wollen unser jährliches Wachstum von durchschnittlich 4 bis 6 Prozent beibehalten, dann erreichen wir in einigen Jahren einen Umsatz von 10 Milliarden Franken. Wir sehen noch viel Potenzial, da weltweit die Hälfte des Marktes noch gar nicht erschlossen ist. In China etwa liegt der Schokoladenkonsum erst bei rund hundert Gramm. Wachstum gibts überall, und daraus entstehen unzählige Möglichkeiten für uns, zu wachsen.

Es ist erstaunlich, dass das Unternehmen gerade in den gesättigten Märkten Europas und in der Region EMEA das grösste Wachstum realisierte.

Da spielt es eben eine grosse Rolle, welche Serviceleistungen wir anbieten und mit welchen Innovationen wir aufwarten können. Heute gibt es viele Unternehmen, welche die Schokoladenherstellung einstellen und die Produktion outsourcen oder mit denen zusammen wir an ihren neuesten Innovationen arbeiten. Da spielen wir als Lösungsanbieter eine grosse Rolle, weil wir in der Lage sind, Schokolade auf unterschiedlichste Art und Weise herzustellen.

Gibt es Beispiele dazu?

Zum Beispiel hat vor fünf Jahren noch niemand Proteinriegel gegessen. Heute sind diese mit Schokolade überzogen und schmecken gut. Dadurch erleben diese Riegel einen Boom. Das hat für uns einen neuen Markt ergeben.

Lohnt es sich überhaupt noch, in der Schweiz tätig zu sein, wo der Schokoladekonsum bei fast 12 Kilogramm liegt?

Die Schweiz ist ein hochentwickelter Markt mit einem sehr hohen Qualitätsanspruch. Auch in Sachen Innovationen ist dieser Markt wichtig. Zum Beispiel lancierte hier unser Tochterunternehmen Carma mit Erfolg Ruby-Schokolade oder Gold Quintin*.

Die neueste Innovation aus dem Hause Barry Callebaut ist die «whole fruit»-Schokolade. Wird diese auch in der Schweiz verkauft werden oder nur in den USA?

Wir müssen zuerst die Zulassung für Europa abwarten. Jetzt machen wir Versuche. Bis im Mai 2020 testen wir diese neue Schokolade aus 100 Prozent Kakaofrucht mit unseren Gourmetkunden in Nordamerika. Dabei helfen uns 30 ausgewählte Confiseure, Rezepte für Anwendungen zu entwickeln und den Markt zu testen.

Noch vor zehn Jahren existierte in der Schokoladewirtschaft ein weniger hohes Innovationstempo. Täuscht dieser Eindruck oder werden heute viel mehr neue Schokoladen entwickelt?

Ich denke, es gibt eine gute Innovationsstimmung in der Branche und wir haben Confiseure, die extrem kreativ sind. Grosse Chocolatiers in den Unternehmen haben realisiert, dass Stillstand auch mit einem Rückschritt verbunden ist. Der Markt ist bereit für Innovationen.

hanspeter.schneider@rubmedia.ch

Grösster Aktionär reduziert Anteile

Die Jacobs Holding AG, die bis anhin 50 Prozent der Aktien an Barry Callebaut hält, reduziert ihren Anteil auf 40 Prozent. 2,85 Prozent des Aktienverkaufes geschehe im Rahmen einer Privatplatzierung an den Pensionsfonds (Ontario Teachers’ Pension Plan), teilte Barry Callebaut mit. Weitere 7,17 Prozent sollen an qualifizierte Investoren verkauft werden. Jacobs diversifiziert mit dem Verkauf ihr Portfolio, will jedoch gleichzeitig Barry Callebauts grösste Aktionärin bleiben. Für die verbleibenden rund 2,2 Millionen Titel habe man sich zu einer Verkaufs-Sperrfrist von zwei Jahren verpflichtet. Dabei unterstütze Jacobs voll und ganz die weitere Entwicklung von Barry Callebaut, heisst es weiter. Zudem werde man im Verwaltungsrat nach wie vor vertreten sein. Jacobs nutzte für den Verkauf die hohen Kurse der BC-Aktien, die nach der Bekanntgabe mit einem Taucher reagierten. hps