Datum: Branche:

CH-Getreide: Qualität gut, Menge hoch

An der Delegiertenversamlung von Swiss Granum wurden neue Köpfe gewählt und an der anschliessenden Qualitätstagung die Ernte 2019 aus qualitativer Sicht beurteilt.

von Hans Peter Schneider

Die stetig steigende Nachfrage nach Schweizer Rapsöl ist eine Erfolgsgeschichte der Ölsaatenbranche.
In der Schweiz könne Weizen wohl bald unter klimatischen US-Bedingungen angebaut werden, sagte Backexperte Andreas Dossenbach.
Der neue Präsident Lorenz Hirt (l) und der abtretende, Fritz Glauser.

«Es lebe Swiss Granum.» Es sei ein veritabler Grund zur Freude, die heurige Delegiertenversammlung durchzuführen, sagte Swiss-Granum-Präsident Fritz Glauser im Berner Stade de Suisse. Denn der Branchenverband konnte sein 20 Jahre-Jubiläum feiern. Man wolle sich jedoch nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern nach vorne schauen. So wolle man zum Beispiel die Anstrengungen zur Ressourceneffizienz vorantreiben. Man müsse jedoch das Stimmvolk über die Auswirkungen der Trinkwasser-Initiative und der Pestizid-Initiative aufklären, forderte Glauser. Diese seien abzulehnen, ansonsten würden die Importe drastisch zunehmen.

Von Regierung und Verwaltung erwartet Glauser eine kohärente Politik und optimale Rahmenbedingungen. Nur so könnten die Anstrengungen der Branche, zum Beispiel die Qualitätsbemühungen, die lokale Produktion und die Mehrwertstrategie Früchte tragen. Es gehe um eine nachhaltige Wirtschaft im Getreide- und Ölsaatenbereich, um Rohstoffe für die Tierproduktion und letztlich um Arbeitsplätze. Glauser erwartet auch von der Forschung Lösungen, damit die von der Gesellschaft gestellten Erwartungen im Nahrungsmittelsektor erfüllt werden könnten. Es würden jedoch laufend Hilfsmittel weggestrichen.

Übermengen in Kauf nehmen

Die letzten drei Getreideernten waren aus qualitativer und quantitativer Sicht sehr gut. Damit müsse man auch Übermengen in Kauf nehmen, sagte Stephan Scheuner, Direktor von Swiss Granum. Jetzt seien 95 000 Tonnen zuviel an den Lagern. Um diese Menge in den Griff zu bekommen, habe man verschiedene Massnahmen ausgearbeitet. Zum Beispiel habe man das Zollkontingent nicht ausgeschöpft, Mengen würden ins nächste Jahr überlagert, der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) deklassiere Weizen und nicht zuletzt habe man die IP-Suisse-Getreidefläche um 30 Prozent reduziert. Der Anbau von Futtergetreide hat sich erhöht und solle noch weiter gesteigert werden, besonders die Futterweizen- und die Körnermaisproduktion. Die Ölsaatenmenge wurde im 2019 nochmals ausgedehnt, weil die Lebensmittelindustrie immer mehr Raps braucht. Die Inland-Menge an Raps liegt aber im 2019 immer noch um 25 Prozent unter dem Bedarf, wie Scheuner sagte.

Dossenbach, der Cowboy

Die Swiss Granum-Teilnehmer warten jeweils gespannt auf das Outfit und auf die Ausführungen von Andreas Dossenbach. Der Leiter der Qualitätssicherung und des Labors des Richemont Kompetenzzentrums – dieses Jahr mit Hut – erklärte, dass sich die Schweiz hinsichtlich des Sommerwetters langsam, aber sicher US-Verhältnissen annähere. Damit würden die Getreidebauern künftig wohl mit Cowboy-Hut Traktor fahren. Die Schweiz hat den drittwärmsten Sommer seit Messbeginn erlebt. Diese klimatischen Bedingungen, die eigentlich für den Getreideanbau positiv wären, haben auch negative Aspekte zur Folge. So werden vermehrt Weizenkörner von der Getreidewanze befallen, der Wanzenstich verursacht einen Quellzahlabbau, wie Dossenbach sagte. Die Situation sei zwar noch nicht beunruhigend, müsse aber im Auge behalten werden.
Die Backversuche der Ernte 2019 haben laut Dossenbach wiederum eine gute Qualität ergeben. Die Gehalte an Protein, Zeleny, Feuchtgluten waren unwesentlich tiefer als im sehr guten Vorjahr, die Wasseraufnahme und Amylogramme seien auch nur ganz wenig schlechter als im 2018, sagte Dossenbach.

Der Sieger mit einer Gesamtpunktzahl von 84 auf der 100-Punkte-Skala war die Sorte Runal, gefolgt von Claro, Nara, Arina, Forel und Hanswin, die noch 73 Punkte erreichte. Alles in allem müssten die Bäcker mit der diesjährigen Qualität nicht grosse Änderungen machen, sagte Dossenbach. Die Knetresistenz sei wiederum gut. Die Knetung müsse leicht angepasst werden (siehe Box unten).
hanspeter.schneider rubmedia.ch