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Schützengarten schwimmt im Spezialitätentrend

Die älteste Brauerei der Schweiz, die St. Galler Schützengarten, konnte in ihrem Jubiläumsjahr den Umsatz steigern. Geschafft hat sie das mit Spezialitäten.

von Hans Peter Schneider

Der Chef der Schützengarten AG, Reto Preisig, vor Spezialitätenbier im Whisky-Fass.

Die Brauerei Schützengarten konnte ihr 240-jähriges Bestehen mit einer Umsatzsteigerung feiern. Im Braujahr 2018/19, das Ende September abgeschlossen wurde, steigerte sie den Umsatz um 1,2 Prozent, wie Reto Preisig, Vorsitzender der Schützengarten-Geschäftsleitung und Bier-Sommelier, letzte Woche im St. Galler Brauwerk erklärte. Konkrete Geschäftszahlen gibt der Familienbetrieb aber nicht bekannt.

Das gute Geschäft machte Schützengarten besonders im Winter. Im Mai und Juni seien die Umsätze wegen des schlechten Wetters zurückgefallen, dies habe man aber in den folgenden warmen Monaten wieder wettgemacht. Stark zugelegt hat Schützengarten mit Spezialitäten, besonders mit Biermischgetränken wie dem Panaché, dem Aperitivo oder dem neuesten Produkt der Brauerei, dem alkoholfreien Grapefruit, wie Verkaufsdirektor Kurt Moor sagte. Bei diesen Produkten stehe die Konsumgelegenheit im Vordergrund und diese Getränke würden immer öfter anstelle eines üblichem Fruchtsaftes oder eines Mineralwassers konsumiert. Auch auf den Megatrend zu weniger Kohlenhydraten setzt die Brauerei seit Frühjahr 2019 mit dem «Low Carb»-Bier. Es enthält dank einem speziellen Brauprozess 65 Prozent weniger Kohlenhydrate.

Ein Jubiläumsbier

Für die Jubiläums-Feierlichkeiten mit über 7000 Besuchern braute Schützengarten ein Craft-Bier. Das «Sud 1779», ein obergäriges belgisches «Wit-Bier» aus Weizenmalz und Gewür­zen wie Koriander, Orangenschalen und Piment, verkaufte sich sehr gut, wie Moor sagte, darum werde es nach dem Jubiläumsjahr weitergebraut.  Auch für die Zukunft sieht die Brauerei weiteres Wachstum. Der Markt für Spezialitätenbiere in der Schweiz wächst, und Schützengarten sieht sich als Spezialitätenbrauerei par ex-cellence. Während schweizweit 80 Prozent des gesamten Bierausstosses Lagerbier ist, liegt dessen Anteil bei Schützengarten nur bei rund 60 Prozent, der Rest sind Spezialitäten.

Schützengarten konnte in der Gastronomie und im Getränkehandel zulegen, im Detailhandel gingen die Umsätze zurück. In der Gastronomie wolle man dezenter auftreten und das Erscheinungsbild der Gaststätten nicht mehr mit knallgelben Bierplakaten dominieren. «Das Lokal soll die Marke haben können und wir den Bierabsatz», sagte Preisig. So könne man im Erfolg des Gastro-Unternehmens mitschwimmen.

Tandem im Biermarkt

Mit dem Trend zu Spezialitäten kommt dem Unternehmen auch die Tessiner Tochter Birrificio San Martino, die vor einigen Jahren übernommen wurde, zugute. Diese ist spezialisiert auf IPA-Biere. Damit habe man ein gutes Tandem, um die Bedürfnisse des Marktes zu befriedigen, sagte Preisig. Im Tessin werden schon über 1000 Hektoliter pro Jahr gebraut.

Schützengarten investiert kräftig. Letztes Jahr flossen 12 Millionen Franken in die Modernisierung der Fassfüllerei und im Filterkeller in neue kleinere Tanks in St. Gallen. Die «Verkleinerung» ist eine Folge der Nachfrage nach Spezialitä­tenbieren. Das Unternehmen hat 50 Gastrobetriebe, die meisten verpachtet, wo der Renovationsbedarf gross war. In diesem Bierjahr wolle man weiter kräftig in die Immobilien investieren, sagte Preisig.
hanspeter.schneider rubmedia.ch

World’s best Sweet Stout
Dass die Qualität der Spezialitätenbiere stimmt, zeigen die Auszeichnungen an den nationalen und internationalen Bierwettbewerben. Das Swiss Stout gewann am World Beer Award in London Gold und erhielt das Prädikat «World’s best Sweet Stout». An den vergangenen Swiss Beer Awards vom September wurden mehrere Biere aus der Schützengarten-Brauerei ausgezeichnet: «Schwarzer Bär», Swiss Stout», Löwenprinz, Löwengarten, helles Lager und das Doppelbock, IPA-Cognac aged und das Portobello. Am Meininger’s Craft Beer Award erhielt das Vadian Pale Ale, Brauwerk Märzen und der Schwarze Bär Auszeichnungen. Beim Kassensturz-Test mit alokohlfreien Bieren schnitt das Schützengarten unter 12 getesteten Bieren am besten ab.