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Exportieren in unsicheren Zeiten

Schweizer Firmen können selber viel tun, um auch in bewegten Zeiten erfolgreich exportieren zu können. Aber auch die Politik wäre gefragt mit neuen Handelsabkommen. So der Tenor am 12. Zollsymposium in Zürich.

von Roland Wyss

Martin Naville, CEO der Handelskammer CH-USA.
Jochen Layer von Ricola AG.

Der Welthandel ändert sich in der Ära Trump. Wie dies die Schweiz beeinflusst, zeigte Martin Naville, CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, am Zollsymposium der Swiss School for International Business vom 19. November in Zürich. Die wichtigste Message: Die USA ist und bleibt auf absehbare Zeit die grösste Volkswirtschaft der Welt – mit einem sehr grossen Binnenmarktanteil. Die Wirtschaftsleistung von Texas entspricht etwa derjenigen von Russland, Kalifornien ist gleich stark wie Italien und der Ministaat New Jersey ist wirtschaftlich gleich gross wie die Schweiz. Der Anteil an der Weltwirtschaft beträgt 24,1 Prozent, das an zweiter Stelle folgende China hat lediglich 15,9 Prozent.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Die USA sind dank dem Fracking seit drei Jahren der grösste Ölproduzent, seit zwei Jahren der grösste Gasproduzent und seit kurzem Nettoexporteur bei der Energie. «Sie können sich vorstellen, wie gross da das Interesse der USA ist, sich im Nahen Osten noch die Finger zu verbrennen», sagte Naville lapidar. US-Präsident Donald Trump sei zwar eine fürchterliche Gestalt, handle aber in vielem folgerichtig. Mit seiner Strategie «confuse, destabilize, slam them with the maximum demand» («verwirren, destabilisieren, mit der Maximalforderung zuschlagen») habe er zwar internationale Gepflogenheiten beiseite gewischt, aber einiges für die USA bewirkt. Trump sei der erste, der sich ernsthaft auf eine Konfrontation mit China einlasse und bestehende Ungleichheiten anspreche – sei es bei den hohen Zöllen, bei Posttarifen oder bei geistigem Eigentum. Von einem Handelskrieg zwischen den USA und China zu sprechen sei aber weit übertrieben, sagte Naville: Die US-Exporte nach China machen bloss 0,6 des Bruttoinlandproduktes aus, umgekehrt sind es 3,9 Prozent.

Anders sei es für die Schweiz, hier sei die USA hinter Deutschland zweitwichtigstes Exportland. Und es sei der einzige der zehn wichtigsten Exportmärkte, mit dem die Schweiz noch kein Freihandelsabkommen abgeschlossen habe. Deshalb sei es an der Zeit, ein solches anzuvisieren, am besten noch vor der EU. Ein Abkommen mit den USA würde nicht nur mehr Handel und die Verhinderung von Diskriminierung gegenüber anderen Staaten ermöglichen, fand Naville. Es wäre auch eine gute Plattform, um das gute Verhältnis zwischen den beiden Ländern zu sichern, für kommende schwierige Zeiten. Es gebe zwar eine Stolpersteine wie die Landwirtschaft, diese seien aber überwindbar.

Go east

Ulf Schneider, CEO der Beratungsfirma Schneider Group, warb für die Eurasische Wirtschaftsunion, zu der nebst Russland Weissrussland, Armenien, Kasachstan und Kirgistan gehören. Die Wirtschaftsunion besteht seit 2015 und ist stark von EU-Regeln inspiriert, mit den vier Freiheiten Warenverkehr, Dienstleistungen, Kapital- und Personenverkehr, mit neuem Zollkodex und gemeinsamem Pharmamarkt. Handelsabkommen wurden schon abgeschlossen mit China, Singapur, dem Iran oder Vietnam, mit vielen weiteren laufen Verhandlungen. Der Aussenhandel der Schweiz mit Russland betrage nur 1,1 Prozent und sei steigerungsfähig, sagte Schneider. Im «Doing Business»-Index sei Russland von Platz 120 auf Platz 28 vorgestossen, und kulturell seien sei Europäern der russische Markt nahe. In Russland werde die Schweiz positiv als Nicht-EU-Land wahrgenommen, das Land sei weniger protektionistisch als die EU und viel weniger protektionistisch als China. Schweizer Käse etwa sei in Russland sehr gefragt. Von den nötigen Akkreditierungen und Kontrollen solle man sich nicht abschrecken lassen.

Möglichkeiten im Export ausloten

Jochen Layer, Vice President Corporate Fulfillment beim Bonbonhersteller Ricola AG, stellte das Compliance Management System CMS der Firma vor. Ricola exportiert über 90 Prozent der produzierten Menge und hat in den letzten Jahren eine Reihe von neuen Märkten erschlossen. Die Firma ist konfrontiert mit volatileren Währungen, geänderten Preispolitiken, Handelskriegen, neuen Abkommen, kurz, stark wechselnden Rahmenbedingungen. Mit dem CMS werden eine Vielzahl von Themen abgedeckt: Warenursprung und Präferenz, Güterklassifizierung, Mehwertsteuer, Bewilligungsverfahren, Freihandelsbkommen, Embargos und Sanktionen. Die Beschaffung und Inbetriebnahme einer Software, die in den SAP-Standard integriert werden kann, die das Schweizer Recht abdeckt und die möglichst viele Prüfungen automatisch durchführt, war anspruchsvoll. Ebenso wichtig waren die Änderungen im Betrieb: Es wurde ein Compliance-Officer benannt, ein Kompetenzzentrum «Customs & Foreign Trade» wurde geschaffen, die Mitarbeiter im Export werden regelmässig sensibilisiert und geschult. Um die gesetzlich zulässigen Möglichkeiten im Export voll ausschöpfen zu können, sei es nötig, dass sich sämtliche Mitarbeitenden zur Einhaltung der Compliance bekennen und die ganze Organisation danach ausgerichtet sei, sagte Layer.

roland.wyss@rubmedia.ch