Datum: Technologie:

Niederländische Effizienz

Unter der Dusche in einem Hotel in Amsterdam wird es in Sekundenschnelle warm bis heiss.

von Manuel Fischer

Man muss rechtzeitig mit Kaltwasser Gegensteuer geben, will man sich nicht verbrühen. Die schnelle Verfügbarkeit von Warmwasser mag an der eingebauten Zirkulationsleitung liegen, die an Zapfstellen nicht verbrauchte Mengen sofort in den Kreislauf zurückspeist. Oder liegt es an der hohen Leistung des sicherlich mit Erdgas befeuerten Kessels? Oder ist es eine Kombination dieser Faktoren? Fragen eines Gebäudetechnik-Halblaien.

Abends in einer Pizzeria braucht es kein langes Warten auf den heissen Fladen. Kein Wunder: Eine Reihe blauer Gasflammen beheizt das parabolische Gewölbe des grossen Pizzaofens direkt.
Garstiges Wetter bei der Rückreise nach Hause. Trübes Einerlei aus Lagerhallen, Vorstädten, Flughafenpisten und vor allem Gewächshäusern. Inzwischen werden rund 400 000 Tonnen Kohlendioxid (CO2) aus einer Ölraffinerie bei Rotterdam über eine 85 km lange Pipeline an Hunderte Gewächshäuser umgeleitet. Ein Joint-Venture eines Lieferanten für technische Gase und einem Bauunternehmen macht diese Umnutzung von CO2 als Pflanzenwachstumsförderer möglich, ansonsten wäre das Gas einfach in die Atmosphäre verpufft.

Der Anbau von Gemüse in Gewächshäusern ist eine Wissenschaft für sich, die Erträge sind eindrücklich: In den Niederlanden wurden 2016 gemäss einer verlässlichen Quelle 900 000 t Tomaten geerntet, was der weltweit höchsten Flächenproduktivität von 50,7 kg pro m2 entsprach (Schweiz: 50 000 t). Die Achillesferse all dieser Beispiele an bewundernswerter Effizienz ist die Verfügbarkeit billiger Energie aus fossilen Quellen. Aber auch die Niederländer wollen von fossiler Energie wegkommen. Der Umstieg auf eine nachhaltigere und klimafreundlichere Energieversorgung ist auch hier alles andere als einfach und wird Umwälzungen in der Lebensmittelproduktion mit sich bringen.