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Palmöl-Nachhaltigkeit soll geölt werden

Die Schweizer Nahrungsmittelindustrie braucht stetig mehr Speiseöle und Fett – auch Palmöl. Jetzt gründen sieben Schweizer Firmen das Palmöl-Netzwerk, um Palmöl aus nachhaltigeren Quellen zu beschaffen.

von Hans Peter Schneider

Palmöl soll noch nachhaltiger werden.
Die Schweizer Nahrungsmittelwirtschaft will Palmöl aus nachhaltigen Plantagen und gründet dazu das Palmöl-Netzwerk. (Bild: ProFairTrade)
Palmöl schneidet dennoch bezüglich Flächenverbrauch gut ab. (Grafiken: WWF)
Indonesien und Malaysia sind die Hauptanbauländer von Palmöl.
Weltweit steigt der Appetit nach Palmöl an.

Die Schweiz hat Appetit auf Fett. Der Gesamtverbrauch an Speiseölen, Speisefetten und Margarinen hat im Jahr 2018 um 5,4 Prozent auf 155 430 Tonnen zugenommen, inklusive Butter ist er auf gegen 200000 Tonnen gestiegen. Während vor Jahrzehnten der Verbrauch an tierischen Fetten viel höher war, wurden diese inzwischen mehrheitlich durch pflanzliches Öl verdrängt.

Dabei spielt Palmöl eine wichtige Rolle. Während dessen Verbrauch in der Schweiz langsam sinkt, steigt er weltweit rasant an. Der Anbau ist in den letzten dreissig Jahren primär durch Urwaldrodungen drastisch ausgedehnt worden, wie das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau FiBL in einem Bericht schreibt. Heute wird auf rund 20 Millionen Hektaren Palmöl angebaut. Indonesien und Malaysia liefern 84 Prozent der Weltproduktion. Laut dem United States Department of Agriculture (USDA, 2016) wurden 2015 weltweit fast 59 Millionen Tonnen Palmöl produziert. Davon stammten 80 Prozent aus konventionellem und nur 20 Prozent aus nachhaltigem Anbau, wovon laut USDA nur 50 Prozent in die Lebensmittelbranche gelangen. Weil die tropischen Anbaugebiete der Ölpalme besonders sensible Lebensräume darstellen, hat sich in den letzten Jahren vor allem in Europa und der Schweiz breiter Widerstand gegen Palmöl gebildet. Dazu gehört zum Beispiel auch die Westschweizer Bauernorganisation Uniterre, die Ende Januar das Referendum gegen das Freihandelsabkommen mit Indonesien lancierte.

Höchster Flächenertrag

Palmfett hat unschlagbare Eigenschaften. So kann auf einer Hektare Fläche mit Ölpalmen aus dem Fruchtfleisch und dem Palmölkern viel mehr Öl gewonnen werden als mit anderen Früchten. Pro Hektare werden durchschnittlich 3,3 Tonnen Palmöl gepresst, während es Kokos, Sonnenblumen und Raps gemäss einer WWF-Studie nur auf 0,7 Tonnen und Soja nur auf 0,4 Tonnen bringt. Palmöl verbraucht zwar viel Wasser, im Vergleich zu Soja und Kokosöl aber dennoch drei mal weniger. Ausserdem eignet sich Palmöl aufgrund seiner guten Konsistenz zur Vermeidung gesundheitsschädlicher Transfettsäuren, weil es bei Raumtemperatur eine feste Konsistenz aufweist.

Kräfte im Palmöl-Netzwerk bündeln

Viele Schweizer Lebensmittelhersteller möchten nicht auf die Vorteile des Palmöls verzichten und setzen deshalb auf eine nachhaltigere Produktion. Thomas Gisler, Chef der Supply Chain von Hug AG in Malters möchte das WWF-Label RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil), das wegen zu lascher Kriterien umstritten ist, stärken und so glaubwürdiger machen. Das sehen auch andere Akteure so, darum soll jetzt das Palmöl-Netzwerk Schweiz gegründet werden, das im März die Arbeit aufnehmen soll. Sieben Unternehmen wollen ihre Kräfte bündeln und gemeinsam Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit übernehmen. Das Netzwerk solle ähnlich funktionieren wie das vor ein paar Jahren gegründete Soja-Netzwerk Schweiz, ein Zusammenschluss der wichtigsten Schweizer Unternehmen, die jetzt 90 Prozent des Soja aus nachhaltigen Quellen beschaffen. Dazu haben die Gründungsmitglieder des Palmöl-Netzwerks – Barry Callebaut AG, Coop Genossenschaft, Florin AG, Migros-Genossenschafts-Bund, Nestlé Suisse SA, Nutriswiss AG und Pro Fair Trade AG – eine Absichtserklärung unterzeichnet, wie Stefan Kausch, der Koordinator des neuen Netzwerks erklärt. Auch anderen Unternehmen werde die Türe zum Palmöl-Netzwerk offen stehen, sagt Kausch.

Preis muss steigen

«Gemeinsam können wir mithelfen, Palmöl nachhaltiger im Anbau und damit in seinem Ansehen glaubwürdiger zu machen», sagt Thomas Gisler von Hug, der sich vorstellen könnte, im Netzwerk mitzumachen. Schliesslich müsse das Kriterium lauten: «Eine gesunde Welt hinterlassen.» Dabei müsse man sicher bei der Entlöhnung der Mitarbeiterbeitenden ansetzen, und der Boden dürfe keine Nachteile durch den Anbau der Palmölpalmen erleiden. Dafür müsse der Palmölpreis steigen. «Werden diese Nachhaltigkeitskriterien erfüllt, wären wir gerne bereit, einen höheren Preis zu bezahlen», sagt Gisler. Es gehe auch nicht darum, ob sich Hug teureres Palmöl leisten könne. Wenn das Preisniveau steige, dann hoffentlich auch für ausländische Mitbewerber. Denn ausserhalb der Schweiz könnten sich die Unternehmen mit billigstem, nicht-zertifiziertem Palmöl versorgen, sagt Gisler. Die daraus hergestellten Produkte würden dann in die Schweizer-Verkaufsregale gelangen.

Beim neuen Netzwerk ist auch Peter Bachmann dabei. Er ist Gründer von Pro Fair Trade und produziert nachhaltiges Palmöl. In diesem Entwicklungsprojekt in der Elfenbeinküste und in Kambodscha produzieren 15000 Bauern nachhaltig Palmöl. Dabei liegen die Standards schon jetzt auf dem noch strengeren Niveau, dem «RSPO-next», sagt Bachmann.
hanspeter.schneider @rubmedia.ch

Wie die Lebensmittelhersteller ihre Produkte auf andere Fette und Öle umstellen und welche Konsequenzen der Siegeszug des Schweizer Rapsöl auf andere inländische Ölsaaten hat, lesen Sie im aktuellen Heft von alimenta Nr. 2