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«Lustkaramells» und Hanfbonbons

Barry Callebaut präsentierte an der ISM in Köln eine komplett milchfreie «Milchschokolade». Die Schweizer zeigten unter anderem Süssigkeiten mit funktionalem Mehrwert und Snacks aus 100 Prozent Frucht.

von Stephan Moser

Maissnack: Thomas Gähwiler und David Chamela mit ihren «Pufinos».
Pure Frucht: Stefan Fischer von Fruit Group.
Süsse Lust: die Toffees von Roelli Roelli.

Mit einer völlig milchfreien «Milchschoggi» auf pflanzlicher Basis will Barry Callebaut bei den jungen Konsumentinnen und Konsumenten punkten. Der weltweit grösste Schokolade- und Kakaoproduzent stellte seine Neuheit mit dem leicht sperrigen Namen «M_lk Chocolate» auf der Süsswaren- und Snackmesse ISM vor, die vom 2. bis 5. Februar in Köln stattfand. Mit dem neuen Produkt reagiere man auf die wachsende Nachfrage der Generationen Y und Z nach pflanzenbasierten Produkten, so Barry Callebaut.

Die neue Schokolade sei «cremig» und «milchig» und habe den «typischen Geschmack sowie die Beschaffenheit von Milchschokolade», verspricht der Konzern. Über die Details der Produktion schweigt sich Barry Callebaut aus. Man verwende eine natürliche Zutat, die von einer «einzigartigen Wurzel» stamme, und das Entwicklungsteam von Barry Callebaut habe zwei Jahre daran getüftelt, heisst es nur.
Um den europäischen Markt und die Schweiz mit der milchfreien Schokolade zu beliefern, baut der Konzern seine bestehende Fabrik im deutschen Norderstedt zu einer vollständig «milchfreien» Produktionsanlage um. Die Fabrik wird dazu vollständig von der Milchverarbeitung getrennt. Die jährliche Produktionskapazität dürfte laut Barry Callebaut Zehntausende von Tonnen erreichen. Die Eröffnung ist für die erste Hälfte 2021 geplant.

CBD: Pastille als Alternative zu Tropfen

Wohltuend, stressabbauend, entkrampfend: Viele Konsumenten schwören auf die Wirkung von Cannabidiol (CBD), das aus der Hanfpflanze gewonnen wird. Angeboten wird das CBD meist als Tropfen. Für den Pharmagrosshändler Beloga hat die Rupperswiler Zile Bonbons AG nun den Wirkstoff in eine Kräuter­pastille gepackt. «Das macht die Einnahme praktischer», wie Nicolas Fuchs von Zile erklärt. Durch ein spezielles Verfahren hat Zile die Bonbons praktisch komplett THC-frei hinbekommen. 5 Milligramm CBD sind in jeder Pastille enthalten. Entgegen dem Trend zu künstlichen Süsstoffen verwendet Zile bewusst Schweizer Zucker. Das sorge für eine optimale Verstoffwechslung und damit eine gute Aufnahme des Wirkstoffes. Das Interesse an den CBD-Pastillen sei an der ISM gross gewesen, sagt Fuchs, Interessenten kämen unter anderem aus Grossbritannien und Indien.

«Kau dich sinnlich»

Zahnpflegekaugummis waren lange die wichtigste Sparte von Roelli Roelli Confectionary, seit ein paar Jahren positioniert sich das St. Galler Unternehmen zunehmend mit Lifestyle-Süssigkeiten mit funktionellem Mehrwert. Für Furore sorgte an der letzten ISM der Swiss Cannabis Gum mit 5 Milligramm CBD pro Kaugummi, der es auf Platz 3 der Top-Innovationen der Messe schaffte. Heuer zeigten die beiden Brüder Andreas und Kristofer Roelli unter anderem Weichkaramells mit dem vielsagenden Namen «SE X-Plus Toffee» in separaten Versionen für Sie und für Ihn. «Kau dich sinnlich» steht auf der Verpackung.

Karamells als Aphrodisiaka? Esther Gabathuler, Exportverantwortliche bei Roelli Roelli, winkt ab. «Das Wort Aphrodisiaka nehmen wir nicht in den Mund, und wir machen auch keine Wirkungsversprechen», betont sie. Der Grund: Die Karamells sind keine Medikamente, sondern Nahrungsergänzungsmittel und fallen damit unter das Lebensmittelgesetz – und das erlaubt keine Wirkungsversprechen. Die Produktentwickler hätten aber mit den Inhaltsstoffen – Vitamine, Spurenelemente und pflanzliche Stoffe – versucht, möglichst nahe an die «Gefühle» heranzukommen, die die Packung vermittle, sagt Gabathuler. So enthält etwa das Toffee für Ihn Ginsengpulver, dem Positives in Bezug auf geschlechterspezifische Gefühle nachgesagt wird. Im Toffee für Sie steckt unter anderem die Macawurzel sowie ein Extrakt aus dem Pilz Cordyseps sinensis, dem ein guter Ruf in Bezug auf geschlechter-spezifische Eigenschaften vorausgeht.

Pure Frucht als Riegel und Püree

Auf den Trend zu reinen Fruchtsnacks setzt die junge Schweizer Firma Fruit Group. Sie hat Riegel aus 100 Prozent Frucht ohne jegliche Zusatzstoffe im Angebot, die sie für Private-Label-Kunden herstellt. Produziert wird von einem Partnerbetrieb in Kolumbien. Kolumbianische Kleinstbauern bauen die Bananen, Ananas und Mangos an. Die Früchte werden vor Ort von Hand geschält, schonend getrocknet, extrudiert und in Riegelform gepresst. «Der Anbau ist vollständig biologisch, die kleinen Familienbetriebe können sich aber eine Biozertifizierung nicht leisten», sagt Geschäftsführer Stefan Fischer. Ganz neu im Angebot sind gefrorene Fruchtpürees aus reiner, reif geernter Frucht aus Kolumbien, die für den Foodservice-Kanal bestimmt sind. «Die handlichen 90-Gramm-Beutel sind 100 Prozent natürlich ohne Zusatzstoffe und erlauben eine genaue Bedarfsabmessung ohne Abfallverlust», sagt Fischer. Sie eignen sich, um Smoothies, Drinks, Sorbets, Saucen, Kuchen und Desserts zuzubereiten. Die Pürees gibts auch in gesüsster Form in der 1kg-Packung.

Miniriegel und spannende Zutaten

Unterwegs etwas Kleines naschen – «der Trend hin zu kleineren Einheiten hält nach wie vor an», sagt Javier Parra Bona von Chocolat Stella Bernrain. Der Schweizer Private-Label-Anbieter präsentierte drei neue Schoggiriegel im Miniformat (33 Gramm) in Bio- und Fairtraidequalität. Die drei Varianten Milky Crisp, Cherry Berry und Granatapfel seien dabei nur Vorschläge. «Wir können Rezepturen je nach Kundenwunsch individuell entwickeln.»
Die Freiburger Chocolat Villars hat vier neue Tafelschokoladen (Bio und Fairtrade) mit spannenden Geschmacksrichtungen im Angebot: Milchschokolade mit Chia, Milchschokolade mit Kokos und Puffreis, Zartbitter-Schokolade mit karamellisierten Kürbiskernen und dunkle Schokolade (72%) mit Kakaobohnensplitter. Auf dunkle Schokolade (72%) setzt auch Milkboy aus Zürich mit seinen zwei neuen Tafeln mit frisch geröstetem Kaffee und mit frischer, knuspriger Minze.

Mit Maisflips auf Erfolgskurs

Dass die ISM für junge Unternehmen zum Sprungbrett werden kann, beweist das Beispiel der Zürcher Firma TODA. Letztes Jahr präsentierten Thomas Gähwiler und David Chamela in der Start-up-Area der ISM ihre «Pufinos», extrudierte Maisflips aus Maisgriess, Salz und Sonnenblumenöl. «Der letztjährige Auftritt an der ISM war sehr erfolgreich für uns», sagt Gähwiler. TODA habe weltweit Kunden akquirieren können. «Highlights waren sicherlich die ersten Umsetzungen im hart umkämpften deutschen Einzelhandel bei Rewe und Edeka.» Aber auch die Geschäfte mit Ländern des Mittleren Ostens liefen gut, so Gähwiler. Man habe den Auftritt an der diesjährigen ISM genutzt, um die Marke weiter zu etablieren. Im Heimmarkt Schweiz habe man sich noch nicht ganz festsetzen können, bedauert Gähwiler.

Die ISM feierte dieses Jahr ihr 50-Jahr-Jubiläum. Es beteiligten sich 1774 Aussteller (7,5 Prozent mehr als 2019), rund 37000 Fachbesucher (etwas weniger als letztes Jahr) aus 148 Ländern reisten nach Köln.
stephan.moser@rubmedia.ch