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Rapsöl ersetzt Sonnenblumenöl

Während die Menge an Raps steigt, wird die Menge an Sonnenblumen zurückgestuft, weil die Ölwerke zu wenig Kapazitäten haben. Dabei könnte gerade Öl aus Sonnenblumen nachhaltig produziert werden.

von Hans Peter Schneider

Sonnenblumenöl als einheimisches Öl leidet unter dem Siegeszug des Rapsöl.
Sonnenblumenöl ist als Importprodukt gefragt.

Der inländische Rapsanbau erlebt eine Hochblüte. Für die Ernte 2020 wollen die Ölmühlen eine deutliche Steigerung der Übernahmemenge von Raps mit einer Gesamtmenge von 106 000 Tonnen (davon 34 000 t Holl-Rapsöl*) erreichen. Doch Raps substituiert nicht nur Palmöl, sondern auch Sonnenblumenöl. Der Chipshersteller Zweifel aus Spreitenbach wollte seinen Anteil an Schweizer Rohstoffen weiter erhöhen und produziert seit gut zwei Jahren mit Rapsöl statt mit Sonnenblumenöl. Man habe mit aufwändigen Verfahren geprüft, ob dies die Qualität der Chips beeinflussen könne, sagt Zweifel-Sprecherin Anita Binder. Sensorisch habe kein Einfluss festgestellt werden können. Vorher bestand das eingesetzte Öl zu zwei Dritteln aus importiertem Sonnenblumenöl. Jetzt werden gemäss Binder nur noch die Bio-Chips mit Sonnenblumenöl frittiert und zwar aus ausländischer Produktion, weil Bio-Raps und auch Bio-Sonnenblumen nicht in genügender Menge aus der Schweiz beschafft werden könnten. Doch eigentlich möchte Zweifel auch im Biobereich Schweizer Rohstoffe einsetzen, wie Anita Binder sagt.

Dass der Chipshersteller auf ausländisches Sonnenblumenöl setzt, erstaunt Hans Georg Kessler. Für den Leiter Getreide- und Ölsaaten der Biofarm aus Kleindietwil liegt im Bio-Sonnenblumenanbau ein grosses Potenzial brach. Sonnenblumenöl sei das ökologische Speiseöl par excellence, sagt Kessler. Die Ölfrucht brauche praktisch keinen Dünger, eine Gründüngung reiche und Pilzkrankheiten und Schädlinge hätten bei Sonnenblumen kaum Bedeutung.

Nur 500 Tonnen Bio-Sonnenblumen

Momentan werden schweizweit ungefähr 500 Tonnen Bio-Sonnenblumen produziert. Die Menge könnte jedoch kurzfristig auf gegen 2000 Tonnen gesteigert werden, und im Falle einer Annahme der Pestizidinitiative müsste der Anbau nochmal stark steigen, ist Kessler überzeugt. Zwar profitiere auch Raps, insbesondere Bio-Raps vom Klimawandel, vor allem von milderen Wintern, wodurch der Druck durch den Rapsglanzkäfer abnehme. Die wärmeliebenden und trockenheitstoleranten Sonnenblumen würden vom Klimawandel jedoch noch mehr profitieren und stabilere Erträge liefern als Raps. Leider habe Sonnenblumenöl aber ein «billigeres» Image als Rapsöl, sagt Kessler. Der Handel fördere dieses durch Aktionen mit billigem ausländischem Sonnenblumenöl, wie ein anderer Branchenkenner sagt.

Keine «Sonnenblumen-Kommunikation»

Stephan Scheuner, Direktor der Branchenorganisation Swiss Granum, weist auf einen weiteren Grund für den rückläufgien Absatz von Sonnenblumenöl hin: Es gibt keine spezifische Kommunikation für dieses Öl, im Gegensatz zum Rapsöl, das laut Scheuner von einer von der ganzen Branche getragenen Kommunikation profitieren kann. Ein weiterer Grund sei in der gesundheitlichen Beurteilung zu sehen, wo Rapsöl durch sein ernährungsphysiologisch besse­res Fettsäuremuster besser abschneide.

Ein weiterer Grund liegt bei den drei Schweizer Ölwerken, die aus Kapazitätsgründen gar nicht mehr pressen könnten, wie der Schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) den Öl­­saatenproduzenten schon letzten Sommer schrieb. Trotz Ausbau des Schichtbetriebes fehle es an Kapazitäten, hiess es. Somit müsse der Ausbau des Rapsanbaus auf Kosten des Anbaus von Sonnenblumen gehen. Man sei vor der Wahl gestanden, sagt SGPV Präsident Fritz Glauser: «16000 Tonnen Rapsöl mehr, dafür 8000 Tonnen weniger Sonnenblumen.» Denn die Pressung von Rapssaaten beanspruche nur halb so viel Zeit wie diejenige von Sonnenblumen. Es müsste in mehr Presskapazität investiert werden. Man sei daran, Lösungen zu suchen, damit wieder mehr Sonnen­blumen gepresst werden können, sagt Glauser.

Mit Raps Proteinlücke schliessen

Dass auf Raps gesetzt wird, habe auch mit der Swissness-Regelung zu tun, sagt Urs Reinhard, Präsident von Swissolio. Bei Raps sei die Auslobung einfacher, weil quasi Eigenversorgung bestehe, während bei Sonnenblumen kaum 25  Prozent erreicht würden. So würden sich die Ölwerke nur auf die Wünsche ihrer Abnehmer einstellen und diese auf das, was am Markt nachgefragt werde – das sei momentan klar Raps, sagt Reinhard.

Einen anderen Vorteil von Raps bringt Joseph von Rotz, Leiter Ölsaaten bei der Fenaco, ein. Bei der Pressung von Raps entsteht der proteinreiche Rapskuchen, der optimal in der Tierfutterherstellung eingesetzt wird und fütterungstechnisch gute Eigenschaften aufweist. Da sei Sonnenblumenkuchen weniger gut geeignet. «Wenn wir weniger Proteinimporte wollen, sollten die Koppel­produkte mit in die Überlegungen einfliessen», sagt von Rotz. Die höheren Mengen an Rapskuchen freuen auch die Schweizer Milchproduzenten. Sie verwenden nämlich schon seit Anfang Januar 2018 kein Palmfett mehr zur Fütterung ihrer Milchkühe und haben mit dem Rapskuchen einen guten Ersatz.

Dass aber die Alternative Sonnenblumen dennoch für einige Verarbeiter von Vorteil sein können, beweist Backwarenhersteller Hug. Das Unternehmen wollte Zwieback ohne Palmöl herstellen und machte darum Versuche mit Rapsöl. Gerade der Zwieback sei aber empfindlich auf Fremdgeschmack. Wegen dem starken Eigengeschmack des Rapsöls bäckt Hug den Zwieback darum jetzt mit Sonnenblumenöl.
hanspeter.schneider@rubmedia.ch