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Lindt & Sprüngli: «Produktion ist gesichert»

Lindt & Sprüngli trimmt sein Nordamerika-Geschäft auf Effizienz. Gegen das Corona-Virus fühlt sich der Schweizer Schokoladeproduzent gut gerüstet.

von mos

Lindt & Sprüngli blickt auf ein gutes Jahr zurück. (Bild mos)
Finanzchef Martin Hug. (Bild mos)

Das Corona-Virus beschäftigt auch den Schweizer Premium-Schokoladehersteller Lindt & Sprüngli. Journalisten, die an der Jahresbilanzmedienkonferenz vom Dienstag am Firmensitz im zürcherischen Kilchberg teilnahmen, mussten zuerst schriftlich bestätigen, in den letzten zwei Wochen in keinem Risikogebiet gewesen zu sein. «Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und der Konsumenten steht zuoberst», sagte CEO Dieter Weisskopf bei der Pressekonferenz.

Was Produktion und Umsatz angeht, bleibt der Lindt-Chef aber trotz Corona-Virus «entspannt». Die Osterschokolade sei bereits in den Läden, es gebe keine Lieferengpässe, die Produktion sei gesichert. Selbst wenn die Behörden vorübergehend eine Schliessung etwa der Produktionswerke in Italien anordnen würden, könnte man das verkraften, so Weisskopf. «Die Lager sind voll.» Auch beim Umsatz werde das Virus das Jahresziel nicht gefährden, zeigte sich Weisskopf optimistisch. Etwas an Umsatz verlieren dürfte Lindt bei seinen Läden an Touristenorten und Flughäfen – doch da ginge es nicht um grosse Beträge, so Weisskopf. Und im stark betroffenen China erwirtschaftet Lindt & Sprüngli weniger als ein Prozent des Gesamtumsatzes.

Schneller gewachsen als der Markt

Lindt & Sprüngli blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Das Unternehmen wuchs schneller als der Schokoladenmarkt, konnte den Umsatz steigern und Marktanteile gewinnen (siehe «Mehr zum Thema»). Alle drei Regionen «Europa» (+6,2 Prozent), «Nordamerika» (+5,4 Prozent) und «Rest der Welt» (+7.6 Prozent) legten dabei zu. In Europa stark zulegen konnte überraschenderweise trotz Brexit Grossbritannien (+10,1 Prozent). Man habe in den letzten Jahr viel in Werbung investiert, auch vom allgemeinen Premiumtrend habe man profitieren können, erklärte Finanzchef Martin Hug gegenüber alimenta.

Aufwärts geht es auch mit der nordamerikanischen Sorgentochter Russell Stover, die nach Jahren des Umsatzrückgangs letztes Jahr den Umsatz um 5,6 Prozent steigern konnte. Das grösste Wachstumspotenzial sieht Lindt & Sprüngli beim Markt «Rest der Welt», der heute rund 13 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Im Fokus stehen vor allem Japan, China und Brasilien, die alle letztes Jahr ein zweistelliges Wachstum verzeichneten.

Fabrik in USA geht zu

Mit verschiedenen Massnahmen will Lindt das Nordamerika-Geschäft effizienter und profitabler machen. So werden das Logistiknetzwerk für die drei Markten Lindt, Ghirardelli und Russell Stover zusammengelegt und Lagerhäuser geschlossen. Ausserdem soll im Frühjahr 2021 die älteste Russell-Stover-Fabrik in Montrose Colorado geschlossen werden. Damit wird Lindt künftig noch 5 Fabriken in den USA betreiben. In den nächsten zwei Jahren sollen ausserdem rund zwei Dutzend Lindt-Shops in den USA verschwinden und Anfang dieses Jahres wurde die US-Verkaufsförderung an einen Drittanbieter ausgelagert.

Lindt beim Harddiscounter? «Ausgeschlossen»

Ein wichtiges Standbein sind die weltweit rund 500 eigenen Lindt-Shops, die 13 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaften. Mit ihren 80 Millionen Besucher jährlich seien sie aber auch ein wichtiges Marketinginstrument, sagte Weisskopf. «Nur hier können wir den Leuten die Breite des ganzen Lindt-Sortiments zeigen.» Die eigenen Shops seien wichtiger Teil der Strategie von Lindt, sich als Premiummarke zu positionieren. «Es ist für uns ausgeschlossen, unsere Produkte beim Harddiscounter zu verkaufen», betonte Weisskopf.