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Emmi: Starke Marken, gewinnbringende Nischen

Emmi hat im letzten Jahr den Umsatz und den Reingewinn steigern können. Starke Marken und gewinnträchtige Nischen sind dafür ver­antwortlich. Die steigenden Kosten will Emmi weitergeben.

von Hans Peter Schneider

«Wir haben in unserem Portfolio einige gute Pflänzchen», sagte Emmi-CEO Urs Riedener gleich zu Beginn der Präsentation der Jahreszahlen in Luzern. Emmi setzt stark auf seine strategischen Nischen mit Ziegenmilch, Bioprodukten, Desserts und Spezialitäten. Nach wie vor ein wichtiges Standbein sind für Emmi die starken Marken. Zum Beispiel Kaltbach, wo mittlerweile drei Viertel der Produktion in den Export gehen. Oder Caffé Latte, wo das Sortiment stetig erweitert wird. Zum Beispiel mit der Variante «Mr. Big» mit einem hohen Proteinanteil. «Wir wollen den Konsumenten Protein geben», sagte Riedener dazu. Denn dieses werde in allen Lebenslagen konsumiert. Neu ist auch der Caffè Drink auf Basis von Mandeln, «Caffè Drink Almond Macchiato», den Emmi derzeit lanciert.

Letztes Jahr übernahm Emmi den österreichischen Betrieb Leeb, der unter anderem die vegane Milchproduktemarke «My Love – My Life» herstellt. Unter dieser Marke verkauft Emmi auch den Kokos-basierten Cappuccino. Unter der Marke «beleaf» will Emmi ausserdem Haferbasierte Getränke anbieten. Man wolle Innovationen entlang den Megatrends bieten, sagte Riedener. Ausser dem Kaffeegeschäft und dem Trend zu pflanzenbasierten Nahrungsmitteln sei dies zum Beispiel auch im Bereich Dessserts der Fall, wo Emmi die italienische Pasticceria Quadrifoglio übernommen hat. Jetzt soll mit der Marke Bontà Divina ein Relaunch gemacht werden und die Kaffee-Dessertlinie «Barista» in den USA lanciert werden.

Kostendruck weitergeben

Im letzten Jahr habe man aber auch mit hohen Kosten zu kämpfen gehabt, sagte Riedener. Zum einen drückten höhere Kosten für Energie, Betriebsmaterialien und Logistik auf die Marge. Schwierig bleibt die Situation der Bio-Milchtochter Gläserne Molkerei in Deutschland, die mit starkem Preisdruck bei Biomilch kämpft. Bei Investitionsgütern, bei der Logistik und den Getränkekartons wolle Emmi nun jedoch seine Grösse bei den Lieferanten geltend machen, sagte Kai Könecke, Leiter des Supply Chain Managements, ge­­genüber alimenta. So habe man im vergangenen Jahr 106 Millionen Franken in modernere Anlagen oder Erweiterungen investiert. Zu­­­dem sollen die Tochterge­sellschaften dabei unterstützt werden, ihre Planungsprozesse zu verbessern.

Wachstum in allen Märkten
Emmi erzielte 2019 einen Umsatz von 3,494 Milliarden Franken und wuchs damit organisch um 2,2 Prozent. Mit 4,1 Prozent am stärksten wuchs der Konzern in der Region Americas (Nord- und Südamerika). Erstmals wurde in dieser Region mehr als eine Milliarde Franken umgesetzt. Eigentlich peilte das Unternehmen in dieser Region ein Wachstum von 4 bis 6 Prozent an. Doch die Unruhen in Chile und die Milchknappheit in Tunesien hätten dies vereitelt, sagte Urs Riedener. Diese Division hat einen Umsatzanteil von knapp 34 Prozent. Die Division Europa wuchs organisch mit 1,6 % auf 593 Millionen Umsatz und liegt mit einem Umsatzanteil von 17 % an dritter Stelle. In der Division Global Trade stieg der Umsatz von 107 auf 111 Millionen und erreichte einen Anteil von 3,2 %.

In der Schweiz wuchs der Konzern nur um 1 Prozent, insgesamt trägt der Heimmarkt noch 47,9 Prozent zum Gesamtumsatz von Emmi bei. Mit dem «schwachen» Wachstum sei man dennoch zufrieden, sagte Riedener. Dies vor dem Hintergrund des Einkaufstou­rismus oder dem Verkauf der Handelstochter Emmi Frisch-Service AG. Zudem verliere man durch die Konsolidierungen im Detail­handel ständig.  Für die ganze Gruppe sieht Riedener jedoch positiv in die Zukunft. Er rechne im 2020 mit einem Umsatzanstieg von 2 bis 3 %. Dies lässt auch die Aktionäre hoffen. Diese können schon für 2019 mit einer von 9 auf 12 Franken gestiegenen Dividende rechnen.

hanspeter.schneider@rubmedia.ch

 

Kennzahlen: (in Mio. Franken)

                                                                                               2018       2019

Nettoumsatz:                                                              3457,4        3494
Bruttogewinn:                                                            1252,9      1266,6
organisches Wachstum:                                                    2,3%        2,2%
Betriebsergebnis (EBIT):                                                 216,7    217,8
Reingewinn:                                                                       175,5   166,2
Investitionen (ohne Akquisitionen):                            106,0       88,0
Personalbestand (auf Vollzeitbasis) per 31.12:      6151     7826

www.emmi.ch