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Frische Ideen im Babyfood-Geschäft

Mit frischen, kaltgepressten Bio-Babybreien will das Zürcher Start-up Nübee im Babyfood-Markt Akzente setzen. Yamo, der Schweizer Pionier bei frischem Babyfood, hat die Supermarktregale bereits umgekrempelt.

von Stephan Moser

Nathalie und Michael Albin: Ihre Nübee-Breie basieren auf Gemüse, um die Babys nicht auf Süss zu trainieren. (Bild: zVg)

«Die Babynahrungsindustrie hat sich in den letzten hundert Jahren kaum bewegt», sagt Michael Albin. Sterilisierte Breie im Glas, mehr gebe es im Supermarkt nicht zu kaufen. Seine Frau Nathalie und er wollen das ändern und gründeten 2017 ihr Unternehmen Nübee (abgeleitet vom englischen newbie, Neuling/Frischling). Ende April 2019 lancierten die beiden an der famexpo, einer Fachmesse für Baby, Kinder und Familien, ihre frischen Bio-Babybreie made in Switzerland: kaltgepresst, mit ausschliesslich biologischen Zutaten, gemüsebasiert und bunt geschichtet. «Die beste Alternative zu selbst gekocht», preist Nübee seine Breie an – und setzt damit auf einen Trend, den ein anderes Schweizer Start-up, Yamo aus Zug, vor drei Jahren als Vorreiterin in Europa losgetreten hat.

Kaltgepresst statt sterilisiert

Der grösste Unterschied zu den herkömmlichen Babybreien: Nübee sterilisiert seine Produkte nicht, sondern macht sie mit einem speziellen Hochdruckverfahren haltbar, dem sogenannten High Pressure Processing HPP. Dafür wird der abgepackte Brei für einige Minuten einem Druck von 6000 bar ausgesetzt. Dadurch werden Bakterien ganz ohne Hitze abgetötet. «Die Frische, die satten Farben, die Vitamine und Mineralien und der Geschmack bleiben aber erhalten», erklärt Albin die Vorteile des HPP-Verfahrens. Nübee prüfe zudem jede Charge mikrobiologisch, bevor sie für den Versand freigegeben wird. Der Brei muss gekühlt aufbewahrt werden und ist rund 40 Tage lang haltbar. Zum Vergleich: Sterilisierte Breie sind bis zu zwei Jahren haltbar. Abgefüllt werden die Breie in Becher aus Polypropylen (PP), die im Vergleich zu PET und anderen Kunststoffen keine giftigen Stoffe an Lebensmittel abgeben.

Alle Zutaten stammen aus inländischer oder ausländischer Bioproduktion. Die Rohstoffe würden zudem vor der Verarbeitung auf Pestizid-Rückstände untersucht, um sicherzustellen, dass sie nicht belastet seien, betont Albin. Die Breie sind gemüsebasiert, den Fruchtanteil und damit den Fruchtzuckergehalt hält Nübee bewusst klein. Die ersten drei Lebensjahre seien entscheidend für die Entwicklung des Geschmacks, erklärt Mirjam Grüter, bei Nübee zuständig für die Produktentwicklung. «Wir wollen die Kleinen nicht zu früh auf Süss trainieren.» Die Breie gibts in den drei Alterskategorien ab 4, ab 8 und ab 12 Monaten, zehn Sorten sind im Angebot. Salz gibt Nübee keines bei, würzt aber die Breie für die älteren Kleinkinder mit beispielsweise Basilikum, Thymian, Lavendel oder Kurkuma. Das gebe einen «Extra-Taste», sagt Albin.

Auffällig an den Nübee-Breien für Kleinkinder ab 8 und 12 Monaten: Die Zutaten sind in zwei bunten Schichten angeordnet. Über einer grünen Schicht aus Erbse, Federkohl und Apfel liegt zum Beispiel eine knall-orangene Schicht Süsskartoffel-Karotte-Kurkuma. «Damit lernen die Kleinen, unterschiedliche Farben mit unterschiedlichen Geschmäckern zu verbinden», erklärt Albin. Das Schichtverfahren sei weltweit einzigartig und habe nur dank dem Zusammenspiel von Rezeptur und Abfüllverfahren umgesetzt werden können.

Quetschies, also Pürees im Beutel, bietet Nübee, anders als etwa Mitbewerberin Yamo, keine an. «Wir sehen unsere Breie als Mahlzeit, darum sollen sie auch gegessen und nicht getrunken werden», sagt Albin. Des weiteren sind die Breie ab zwölf Monaten stückiger, damit die Kleinkinder das Kauen üben können, was auch die Sprachentwicklung positiv beeinflussen könne, wie Albin sagt.

Knackpunkt Kühlkette

Nübee lässt seine Breie in einem biozertifzierten Betrieb im Zürcher Oberland produzieren. Zurzeit verkauft Nübee seine Breie exklusiv über den eigenen Web­shop, sie sind in Menü­boxen mit je zwölf Breien erhältlich, abgestimmt auf das Alter der Babys. Rund 64 Franken kostet die Box. Neben Einzelbestellungen können die Kunden auch ein Abo lösen.
Die Logistik sei eine Herausforderung gewesen, betont Albin. Denn die Kühlkette müsse auch während des Versands an die Kunden gewährleistet sein, die Schweiz hinke diesbezüglich aber dem Ausland hinterher. Bei der Verpackung setzt Nübee auf Nachhaltigkeit und verwendet als Isolationsmaterial allergenfreies, kompostierbares Stroh.
Der Marketinglaunch im Oktober habe dem Unternehmen zu Bekanntheit verholfen, sagt Albin. Das Unternehmen habe seine Mitarbeiterzahl in kurzer Zeit verdoppelt und der Kundenstamm wachse kontinuierlich weiter.Nach der Startphase im letzten Jahr sei Nübee nun bereit, um 2020 richtig loszulegen und im Schweizer Markt Fuss zu fassen.
www.heynubee.ch
stephan.moser@rubmedia.ch