Datum: Branche:

Führt Corona zu mehr Food Waste?

Hamsterkäufe und Bauern, die wegen geschlossenen Restaurants und Wochenmärkten auf ihren Produkten sitzen bleiben: Die Corona-Krise dürfte die Problematik der Lebensmittelverschwendung verschärfen.

von mos

Wegen des Marktverbots blieben viele Direktvermarkter auf ihren Waren sitzen. Einige haben inzwischen neue Absatzkanäle gefunden. (Symbolbild Pixabay)

Rund 330 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf gehen in der Schweiz jedes Jahr auf dem Weg vom Feld auf den Teller verloren. Wird das Problem mit der Coronakrise schlimmer? «Die Problematik verschärft sich, weil einfach ein Riesendurcheinander herrscht», sagt Dominik Waser, der mit seinem Verein Grassrooted zweitklassige Rüebli, Tomaten und Äpfel vor dem Wegschmeissen rettet.

«Dramatisch» sei die Situation etwa für Marktfahrer, die wegen des Marktverbots ihre Gemüse und Früchte nicht mehr in den herkömmlichen Kanälen verkaufen könnten und auf ihrer Ware sitzen blieben. «Die Zeit, um neue Absatzkanäle aufzubauen, ist für die meisten viel zu kurz», sagt Waser. «Da mit verderblicher Ware gehandelt wird, konnten grosse Mengen nicht vor dem Wegwerfen gerettet werden.» Grassrooted bekomme momentan viele Anfragen von Händlern, Gastrounternehmen oder Produzenten, überschüssige Ware zu übernehmen. «Aber auch uns fehlen für gewisse Produkte die Absatzkanäle.»

«Ein Schock für Direktvermarkter»

«Das Marktverbot war ein Schock für viele Direktvermarkter», bestätigt Karin Spori, Geschäftsleiterin des Vereins foodwaste.ch. Inzwischen hätten viele aber alternative Vertriebswege gefunden. «Gemüse-Abos und Hofläden boomen und verkaufen jetzt auch zum Teil Waren, die früher auf den Markt gingen.» Und Plattformen wie hofbox.ch böten auch Bauern ohne eigenen Webshopdie Möglichkeit, ihre Waren an die Kundschaft zu bringen. Auf der Website foodwaste.ch hat der Verein die verschiedenen Initiativen und Plattformen zum Corona-Foodsaving gesammelt.

Problematisch sei auch der Wegfall des Gastrokanals, sagt Spori. Unmittelbar nach der Ankündigung des Bundesrates, dass Gastrobetriebe und Märkte schliessen müssten, habe foodwaste.ch mit Aufrufen in den sozialen Medien versucht, Abnehmer für verderbliche Waren, unter anderem von Restaurants, zu finden. Nun müssten aber die einzelnen Branchen Lösungen finden, wie sie die Waren in andere Kanäle verteilen könnten. Beim Fleisch, wo ein grosser Teil in Restaurants konsumiert werde, habe der Bundesrat bereits reagiert und Geld für die Einlagerung von Fleisch gesprochen, um den Markt zu stützen.

«Ausmass schwierig abzuschätzen»

Das Ausmass des coronabedingten Food Waste sei im Moment schwierig abzuschätzen, sagt Spori. Dazu ändere sich die Lage zu schnell. Wichtig sei es, die Leute auch nach der Epidemie für das Problem zu sensibilisieren. Manche hätten jetzt grosse Vorräte an lang haltbaren Lebensmitteln angelegt. «Da ist es wichtig, dass die Leute im Sommer mal ihren Vorratsschrank durchgehen und gekaufte Lebensmittel auch konsumieren.» Sonst drohe weiterer Food Waste.