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Betreiber von Schlachthöfen nach Corona-Fällen in der Kritik

Nach zahlreichen Coronafällen in deutschen Schlachthöfen stehen die Arbeitsbedingungen in der Kritik. Die deutsche Fleischindustrie wehrt sich dagegen.

von sda/mos

In verschiedenen deutschen Schlachthöfen hat es viele Coronafälle gegeben. (Symbolbild Pixabay)

Nach zahlreichen Corona-Fällenin deutschen Schlachthöfen wächst die Sorge vor weiteren Infektionen. Nordrhein-Westfalen will bis zu 20’000 Beschäftigt ein den Betrieben auf das Virus testen lassen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte die Länder schon vor dem Fall im Kreis Coesfeld in Westfalen aufgefordert, den Arbeitsschutz streng zu kontrollieren. In dem Betrieb hatten sich mehr als 180 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. Er wurde geschlossen. in dem Landkreis bleibt es zudem bei den coronabedingten Beschränkungen.

«Wenn man öffnet, muss man da, wo Gefahr ist, konsequent handeln», sagte dazu Nordrhein-Westfalens Regierungschef Armin Laschet (CDU) am Samstag. In einigen Bundesländer wurden die Beschränkungen zur Abwehr des Virus weiter gelockert. Andernorts soll das Leben am Montag wieder etwas mehr zurück in die Normalität gehen..

Fleischbetriebe funktionieren nur dank Osteuropäern

Heil schrieb an seine Kollegen in den Bundesländern, es gebe zunehmend Berichte über «unhaltbare Zustände beim betrieblichen Infektionsschutz – besonders bei Saisonkräften in der Landwirtschaft, aber auch in der fleischverarbeitenden Industrie. Dort sind viele Osteuropäer, vor allem Rumänen und Bulgaren, zu Bedingungen beschäftigt, die immer wieder kritisiert werden. So sind sie etwa in engen Sammelunterkünften untergebracht, wo die Infektionsgefahr besonders gross ist.

Heil zufolge forderten Botschaften von Herkunftsländern die Bundesregierung auf, die Missstände zu beseitigen. Sie behielten sich auch Massnahmen wie Ausreisestopps vor. Über das Schreiben von Ende April hatten die Sender NDR und WDR zuerst berichtet. Es liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor.

Kritik kam von Gewerkschaftsseite. «In Schlachthöfen muss deutlich mehr unternommen werden, um die Risiken für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu reduzieren», sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel am Samstag. Die Branche falle seit Jahren immer wieder mit miserablen Arbeitsbedingungen auf.

Fleischindustrie weist Kritik zurück

Die Fleischindustrie verneint die Kritik an der Ausbreitung von Coronavirus-Infektionen unter ihren Mitarbeitern. Die Arbeitsbedingungen seien nicht der Grund für die Verbreitung des Erregers in den Firmen. Dies sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der Deutschen Fleischwirtschaft, Heike Harstick, der «Süddeutschen Zeitung» vom Montag. Als wesentliche Infrastruktur habe die Fleischindustrie die Produktion nicht wie etwa die Autoindustrie einfach stoppen können. Sie habe weitergearbeitet, um die Nahrungsmittelversorgung zu sichern, hiess es.

Harstick warnte vor härteren Auflagen für die Fleischbranche: «Eine schnelle und einfache Lösung gibt es nicht.» Falls etwa die Einzelunterbringung von Mitarbeitern vorgeschrieben und damit höhere Wohnungsmieten verursacht würden, seien viele Betriebe nicht mehr wettbewerbsfähig. Teile der Branche würden dann abwandern, sagte Harstick weiter.