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Jobsuche während der Coronakrise

Viele Agrar- und Lebensmittelwissenschaftler, die eine neue Stelle suchen, machen sich Sorgen. Studierende, die im Sommer ihr Studium abschliessen, stellen besonders viele Fragen. Die Coronakrise bringt viel Unsicherheit. Sind die Ängste berechtigt?

von Peter Tresoldi, Geschäftsführer Svial

Auch wir sind keine Hellseher. Auch wir haben eine solche Situation noch nie miterlebt. Trotzdem versuchen wir hier, die Situation auf dem Stellenmarkt für stellensuchende Akademikerinnen im Bereich Agro-Food kurz zu schildern und ein paar praktische Tipps zu geben.

Der Arbeitsmarkt

Ja, der Stellenmarkt in der Schweizist um 25 Prozent eingebrochen. Ja, die Zahl der Stellen- und Arbeitssuchenden steigt im Moment stark
an. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Fachleuten in vielen Bereichen stark gestiegen, zum Beispiel im Gesundheitswesen, auch in der Lebensmittelindustrie oder in der Informatik. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen für Agrar oder Lebensmittelwissenschaftlerinnen ist im Moment noch nicht zurückgegangen. Dies schon deshalb, weil sich Bereiche wie Forschung, Verwaltung, Bildung, Logistik, Lebensmittelverarbeitung oder Beratung als krisenresistent erweisen.

Wir können zurzeit beobachten, dass sich Rekrutierungsprozesse seit dem Lockdown deutlich verlängern. Wenn Sie jetzt eine
neue Stelle suchen, dann müssen Sie damit rechnen, dass die Suche zwei bis vier Monate länger dauern wird. Wenn Sie eine Stelle haben, empfehlen wir Ihnen im Moment nicht zu wechseln, weil Sie während der Probezeit eine Kündigung
riskieren, falls sich die Krise verschärft.

Ratschläge für Studienabgängerinnen

Viele Studierende fragen: Lohnt es sich überhaupt, jetzt eine Stelle zu suchen? – Wir glauben: Ja! Suchen Sie hartnäckig weiter. Sie lernen mit jeder Bewerbung dazu. Ihr Lebenslauf wird mit jeder Bewerbung besser. Sie lernen bei jeder Bewerbung neue Menschen kennen. In der Krise gilt umso mehr: Bewerben Sie sich möglichst breit und bleiben Sie offen für Stellen, die Ihnen auf den ersten Blick vielleicht noch nicht voll zusagen. Mit den Bewerbungen lernen Sie Firmen und Jobprofile kennen. Die erste Stelle nach dem Studium muss keine Traumstelle sein. – Und: Die Suche nach der ersten Stelle nach dem Studium ist immer die schwierigste.

Aktive Stellensuche – was heisst das?

Wer eine Stelle sucht, schreibt nicht nur Bewerbungen und wartet dann, bis Bescheid kommt. Nutzen Sie die Zeit. Für die Zeit. nach dem Lockdown können Sie sich jetzt vorbereiten. Die Arbeitswelt wird sich massiv verändern. Viele Errungenschaften aus dem Homeworking werden in die Arbeitswelt Einzug halten. Lernen Sie jetzt möglichst viele verschiedene Kommunikationstools kennen. Sie werden an
Bedeutung gewinnen. Wenn Sie viele Tools kennen, dann ist das ein Punkt für Sie!

Vernetzen und engagieren Sie sich auf Social-Media-Kanälen. Für den Bereich Agro-Food empfehlenwir Ihnen in erster Linie LinkedIn. Entscheiden Sie sich für ein Thema, das Sie interessiert und für das Sie sich gerne engagieren. Lassen Sie wöchentlich von sich hören, teilen Sie Informationen, beziehen Sie fundiert Stellung. So können Sie Ihr Netzwerk stetig vergrössern. Wer Sie schon von den Social-Media kennt, wird Sie gerne persönlich näher kennenlernen, wenn Ihre Bewerbung begutachtet wird.

Die Welt wird immer visueller.

Versuchen Sie Erfahrungen mit kurzen Videos zu sammeln. Wagen Sie es, sich in einem kurzen Movie vorzustellen. Mit bewegten Bildern werden mehr Menschen auf Sie aufmerksam. Falls Sie Zeit haben, engagieren Sie sich ehrenamtlich für ein nützliches Projekt, eine zukunftsweisende Idee. So zeigen Sie, dass Sie ihre Zeit während der Stellensuche sinnvoll nutzen.

Und schliesslich: Pflegen Sie Ihre Hobbies während der Stellensuche bewusst. Sie brauchen Abwechslung, Bewegung, positive Erlebnisse. So fällt es Ihnen leichter, geduldig zu bleiben. UndGeduld bringt bekanntlich Rosen.

Sobald der Lockdown zu Ende ist, sollten Sie auch die persönliche Vernetzung vorantreiben. Besuchen Sie Netzwerkanlässe, machen Sie bei Exkursionen mit, nutzen Sie die Gelegenheit von Betriebsbesichtigungen, beteiligen Sie sich an Workshops und Seminaren.
Viele Stellen werden heute noch vergeben, ohne dass sie ausgeschrieben werden. Beziehungen sind auch heute noch das wirkungsvollste
Instrument, um eine Stelle zu finden. Dabei wünschen wir Ihnen viel Erfolg!