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Coop und Markant: Markenartikler schalten Wettbewerbskommission ein

Lieferanten von Coop müssen künftig ihre Rechnungen über den Drittanbieter Markant abwickeln. Die höheren Gebühren sind für kleinere Firmen fatal. Der Markentartikelverband hat Anzeige bei der Wettbewerbskommission eingereicht.

von mos

Coop setzt Produzenten mit Beitritt zu Markant unter Druck. (Symbolbild Coop/zvg)

Wer an Coop liefert, muss seine Rechnungen künftig über den Drittanbieter Markant stellen. Markant übernimmt die Zahlungsabwicklung und verlangt dafür bei den Lieferanten eine Gebühr auf den Umsatz, die laut verschiedenen Produzenten zwei Prozent und mehr betragen kann, wie die «Sonntagszeitung» publik machte. Für viele kleine Hersteller geht diese Gebühr ans Lebendige, denn die Gewinnmargen sind bereits klein. «Für uns ist das eine Katastrophe», sagte der Chef eines mittelständischen Lebensmittelbetriebs gegenüber der Zeitung. Er möchte anonym bleiben, aus Angst, Coop als Kunden zu verlieren.

Nun beschäftigt sich auch die Wettbewerbskommission mit dem Entscheid von Coop, mit Markant zusammenzuarbeiten. Der Markenartikelverband Promarca hat eine Anzeige wegen «Missbrauch von Marktmacht» eingereicht. Das bestätigte Geschäftsführerin Anastasia Li-Treyer gegenüber der Zeitung. Daneben gebe es noch weitere kartellrechtliche Ansatzpunkte. Coop profitiere von der Zusammenarbeit mit Markant gleich doppelt. «Der Händler senkt die administrativen Kosten und erhält einen Teil der Gebühren, die Markant bei den Herstellern erhebt, gutgeschrieben.» Und weiter: «Kleinere Hersteller kann der Anschluss von Coop an Markant in den Ruin treiben.»

Coop und Markant wollten gegenüber der Zeitung keine Stellung nehmen. Ursprünglich wollte Coop das neue System auf Anfang Juni einführen. Dieser Termin wurde nun auf Januar 2021 verschoben.

Die Fial verurteilt das Vorgehen

Die Zusammenarbeit von Coop mit Markant hat zu zahlreichen «harschen Reaktionen» von Mitgliedern der Föderation der Nahrungsmittelindustrien (Fial) geführt, wie es im aktuellen Fial-Newsletter heisst. «Faktisch erzwingt Coop als mittlerweile grösstes Detailhandelsunternehmen der Schweiz auf diese Weise unterjährig und während laufenden Lieferverträgen einen zusätzlichen Rabatt», schreibt Geschäftsführer Lorenz Hirt im Newsletter. Der Fial-Vorstand habe das Vorgehen scharf kritisiert, aber auf ein rechtliches Vorgehen verzichtet, heisst es weiter.

Der Grund: Auch Unternehmen der Coop-Industrie sind Mitglied in der Fial, Coop ist auch im Vorstand vertreten. «Rechtliche Abklärungen betreffend eine allfällige Intervention der Fial stünden somit immer auch der «Gegenpartei» zur Verfügung, was ein rechtliches Vorgehen geschwächt respektive ad absurdum geführt hätte», heisst es im Newsletter. Fial-Mitglieder, die sich gegen die Zwangsumstellung wehren wollen, seien aber untereinander vernetzt worden. Ausserdem habe die Fial bei Coop und Markant interveniert und verlangt, dass auf den Eintritt von Coop in das Markant-System verzichtet wird.

Gegenüber der Fial hätten Coop und Marktant den Vorwurf der Unlauterkeit und der marktbeherrschenden Stellung von Markant zurückgewiesen, heisst es im Fial-Newsletter weiter.