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Bio auch in Kantinen und Kiosken

Bio-Lebensmittel haben letztes Jahr erstmals einen Marktanteil von mehr als zehn Prozent erreicht. Corona bescherte Bio einen Absatzschub, auch bei den verarbeiteten Produkten. Weiter wachsen will Bio Suisse vor allem in der Ausserhaus-Verpflegung.

von Stephan Moser

In der Gastronomie konnten Bio-Produkte bisher kaum Fuss fassen. Eine «Gastro-Offensive» soll das ändern. (Bild Bio Suisse/zvg)

«Bio wächst weiter», freute sich Bio-Suisse-Geschäftsführer Balz Strasser an der Jahresmedienkonferenz von Bio Suisse. Der Marktanteil stieg um 3,4 Prozent auf 10,3 Prozent und knackte damit erstmals die 10-Prozent-Marke. Zum ersten Mal haben die Romands (10,5%) beim Biokonsum die Deutschschweizer (10,4%) überholt. Im Tessin beträgt der Marktanteil 8,9%. Pro Kopf kaufte die Schweizer Bevölkerung Bio-Lebensmittel im Wert von 377 Franken, ein Rekord. Ins­gesamt betrug der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln letztes Jahr 3,2 Milliarden Franken (+5,7%), das ist eine Milliarde mehr als vor fünf Jahren.

Und Bio-Suisse will weiterwachsen. Das Ziel sind 15 Prozent Marktanteil bis 2025, wie Strasser sagte. Wachstumspotenzial sieht er vor allem in der Ausserhausverpflegung. «Wir wollen ins Sortiment von Take-Aways, Kiosken und Tankstellenshops», sagte er. «Wir wollen in die Gastronomie und vor allem in die Gemeinschaftsverpflegung.» Dazu plant Bio Suisse eine regelrechte «Gastro-Offensive», wie Mediensprecher David Hermann gegenüber alimenta erklärte. «Wenn wir Heime, Schulen und Spitäler dafür gewinnen können, auch ein Bio-Menü anzubieten, dann ist das ein wirksamer Hebel, um recht schnell viel Bioprodukte zu verarbeiten.» Man klopfe auch bei grossen Firmen an, um sie zu überzeugen, bei ihren Kantinen-Betreibern Bio-Menüs zu bestellen.

Wachstum mit Bio-Convenience

Der Convenience-Trend zeigt sich auch im Bio-Markt. Zwar erreichen nach wie vor Frischprodukte den höchsten Marktanteil, allen voran Eier (28,7%), Brot (26,1%) und Gemüse (23,1%), aber Convenienceprodukte holen auf. So haben haltbare Convenience-Produkte zwar erst einen Marktanteil von 9,2 %, legten aber mit einem Wachstum von 10 Prozent deutlich stärker zu als Frischeprodukte.

Mit dem Take-away-Geschäft forciert Bio Suisse ein Geschäft, das tendenziell mehr Verpackung bedeutet. Man habe diesbezüglich strenge Vorschriften, sagte Herrmann. «Damit wird einer Überverpackung vorgebeugt oder auch möglichst umweltfreundliches Material verwendet.»

Corona: Bis 30 Prozent mehr verkauft

Während des Lockdowns kauften die Leute mehr Lebensmittel im Detailhandel ein, davon profitierten auch Bio-Produkte (siehe «Mehr zum Thema»). Der Bio-Absatz im Detailhandel nahm um 2o bis 30 Prozent zu und bewegte sich damit im Rahmen der allgemeinen Mehrverkäufe im Lebensmittelhandel. «Die Lager für Bio-Äpfel sind leer. Schweizer Bio-Hafer ist ausverkauft», nennt Herrmann ein paar Beispiele. Bei der Bio-Butter sei der Umsatz sogar um 60 Prozent nach oben geschnellt. Wegen der aussergewöhnlich hohen Nachfrage nach Milch und vor allem Butter haben die Bio-Milchorganisationen beschlossen haben, die Wartelisten für neue Knospe-Betriebe per 1. Juni aufzuheben. Die Wartelisten waren letztes Jahr eingeführt worden, weil die Produktion von Bio-Milch höher war als die Nachfrage.

Da Bio-Produkte in der Gastronomie bisher kaum verbreitet sind, hatte die Schliessung der Restaurants wegen Corona kaum Einfluss auf den Bio-Markt. «Beim konventionellen Gemüse gehen 40 Prozent in die Gastronomie, bei Bio ist es ein Bruchteil», so Herrmann.

Bio-Käse verlieren leicht

Milchprodukte (Trinkmilch, Milchgetränke, Joghurt und Quark) konnten letztes Jahr insgesamt leicht auf 13,6% Marktanteil zulegen, die Bio-Käse hingegen verloren 0,3% und kamen auf einen Marktanteil von 7,6%. Grund dafür ist, dass es aufgrund des sehr starken Jahres 2018 zu Lieferengpässen bei den wichtigen AOP-Sorten Sbrinz, Gruyère und Tête de Moine kam. Bei der Trinkmilch ist inzwischen jeder vierte Liter Bio (24,9%, +0,6%).