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Biovision fordert mehr Forschungsgelder für Agrarökologie

Staatliche sowie private Geldgeber zementieren den Status Quo in der Agrarforschung. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Biovision und weiteren Organisationen.

von sda

Einflussreiche Geldgeber sowie staatliche Entwicklungsorganisationen investieren überwiegend in die Forschung für die industrielle Landwirtschaft – ungeachtet der heutigen Erkenntnisse über die immensen Schäden an Menschen und Umwelt, die diese verursacht, schreiben die Autoren der Studie. Die Analyse bezieht sich auf die Jahre 2013 bis 2018.
Nur ein Bruchteil der Agrarforschung in Subsahara-Afrika diene dazu, Ernährungssysteme nachhaltiger zu gestalten. So fördern lediglich drei Prozent der Afrika-Projekte der “Bill und Melinda Gates Foundation” – des grössten philanthropischen Investors in der Entwicklungszusammenarbeit im Agrarsektor – nachhaltige, regenerative Ansätze im Sinne der Agrarökologie. 85 Prozent der von der Gates Foundation finanzierten Projekte beschränken sich auf die Förderung oder die Effizienzsteigerung der industriellen Landwirtschaft, etwa mittels Pestiziden oder Impfstoffen für Nutztiere.

Bedeutung der Agrarökologie anerkannt

Im Gegensatz dazu weisen 51 Prozent der durch die Schweiz finanzierten Projekte der landwirtschaftlichen Forschungs- und Entwicklungszusammenarbeit – kurz AgR4D genannt (Agricultural Research for Development), agrarökologische Elemente auf. Die Mehrheit davon (41 Prozent) umfasst auch Aspekte sozioökonomischer und politischer Veränderungen, wie zum Beispiel angemessene Arbeitsbedingungen und Gleichstellung der Geschlechter.

Einzelne agrarökologische Komponenten wie Agroforstwirtschaft oder komplexe Fruchtwechsel wurden bei Schweizer Projekten jedoch in der Regel nur isoliert angesprochen.

Nur wenige Geldgeber – neben der Schweiz auch Frankreich, Deutschland, die Uno-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO und der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung Ifad – anerkennen laut der Studie die Agrarökologie ausdrücklich als wichtigen Ansatz für die Gestaltung nachhaltiger Ernährungssysteme.

Die Autoren regen für einen Wandel unter anderem einen Dialog über Agrarökologie an, etwa über die Anpassung an den Klimawandel, über die Gesundheit von Mensch und Umwelt, die Erhaltung der Artenvielfalt, das Management natürlicher Ressourcen sowie Geschlechtergleichstellung und soziale Inklusion. Zudem empfehlen sie interdisziplinäres Forschen.