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Bühler: Messeauftritt im Netz

Mit der Online-Messe «Bühler Virtual World» hat der Technologikonzern einen Ersatz für die abgesagte Interpack auf die Beine gestellt. Eine Attraktion war die modulare Schokoladenproduktionslinie Choco X.

von Roland Wyss-Aerni

Germar Wacker, CEO Consumer Foods, in der «Bühler Virtual World». (Bild Bühler/zvg)

Weil die Fachmese Interpack, die für Mitte Mai in Düsseldorf geplant war, der Corona-Pandemie zum Opfer fiel, beschritt der Schweizer Technologie­konzern Bühler ganz neue Wege: Vom 12. bis 15. Mai führte er die Online-Messe Bühler ­Virtual World durch. Aus dem physischen ­Messestand wurde ein virtuelles Pendant, bei dem sich Messebesucher online über neue Bühler-Entwicklungen im Bereich Consumer Food informieren und online Meetings mit Bühler-Verantwortlichen verabreden konnten. Gleichzeitig wurde während zwei Tagen ein Live-Programm mit Referenten von Bühler, von Bühler-Partnern und Bühler-Kunden gestreamt.

Bühlers Kernbotschaft: Wir helfen euch durch die Krise und nachher, so gut wir kön­nen – mit digitalen Serviceleistungen, mit Anlagen für die noch flexibleren Herstellung von breiten Produktpaletten. Und: Wir helfen euch, nachhaltiger zu werden – mit noch energieeffizienteren Anlagen und mit der zunehmenden Verwertung von Reststoffen aus der Lebensmittelindustrie.

Umfassende Kompetenz

Mit der Übernahme des Waffelmaschinen­herstellers Haas und der raschen Integration in die Division Consumer Foods verfügt Bühler über eine umfangreiche Kompetenz für die Produktion von Biskuits, Riegeln, Confiseriewaren, Snack-Produkten, Füllungen oder Backwaren, die in der Virtual World eindrücklich demonstriert wurde. Als Paradebeispiel für moderne und flexible Produktion stellte Bühler die neue Schokoladenproduktionsanlage ChocoX vor. Die verschiedenen Verarbeitungsschritte wie Mischen, Platzieren, Formen, Füllen oder Stapeln geschehen in einzelnen Modulen auf Rollen. Die Produktionslinie kann so an verschiedene Produkte angepasst werden. Wechsel vom einen Produkt auf das andere können so viel rascher gemacht werden.

Zu Wort kamen auch Schweizer Firmen, die mit Bühler-Technologie arbeiten. Beim Schokoladenhersteller Maestrani etwa hat ­Bühler die ganze Produktion mit einem Retrofit modernisiert, mit der Möglichkeit, die An­lagen in ein umfassendes Steuerungssystem einzubinden. Das ermöglicht nicht nur die komplette Überwachung sämtlicher Prozesse, sondern auch die unkomplizierte Einbindung von neuen Maschinen. Das Resultat sind kürzere Umrüstzeiten für unterschiedliche Rezepturen (zum Beispiel palmölfrei, lactosefrei, vegan), weniger Produktausschuss und weniger Laufzeiten und Handarbeit. Im Fall einer Produktionspanne kann Bühler via Ferndiagnose über intelligente Brillen bei der Fehlerermittlung und Lösung helfen.

Die Haco AG, Hersteller von Suppen, ­Saucen und vor allem von Getreideriegeln, ist ebenfalls mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert: Immer mehr und immer teu­re­re Rohstoffe, immer mehr verschiedene Geschmacksvarianten und Verkaufsformen für Getreideriegel. Die Haco entschied, am Standort Gutschermühle in Österreich neu auch ­Erdnüsse zu verarbeiten, ein Rohstoff, von dem man, weil er allergen ist, bisher abgesehen hatte. Bühler habe in Rekordzeit die Anlagen installiert, habe kompetent beraten und sei offen für alle möglichen verrückten Ideen gewesen, sagte Beat Bigler, der technische Leiter bei Haco.

Nach Angaben von Bühler besuchten bis zum 14. Mai 12’000 Besucher aus 32 Ländern die digitale Plattform, rund 500 virtuelle ­Meetings durchgeführt. Wegen der positiven Resonanz wurde die Virtual World bis Ende Mai verlängert.