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Raclettekäse als Exportschlager

Schweizer Raclette ist im Ausland beliebt: Letztes Jahr nahmen die Exporte um 37 Prozent zu. Corona versetzt aber auch dem Erfolgskäse einen Dämpfer.

von mos

Schweizer Raclette hat sich letztes Jahr im In- und Ausland gut verkauft. (Bild Raclette Suisse/zvg)

Seit Jahren zeigen die Zahlen von Schweizer Raclette nur in eine Richtung – nach oben. Das war auch 2019 so: Die Produktionsmenge erreichte mit 15’693 Tonnen (+444 Tonnen, +2,9 Prozent) einen neuen Höchststand. Auch die Exporte von Schweizer Raclettekäse stiegen um 807 Tonnen (+37%) auf eine neue Höchstmenge von 2977 Tonnen. Besonders die Deutschen lieben Raclette heiss, mehr als die Hälfte der Exporte ging 2019 ins nördliche Nachbarland. «Aber auch die USA entwickeln sich auf kleinem Niveau gut», sagte Jürg Kriech, Geschäftsführer des Vereins Raclette Suisse, an der Vereinsversammlung vom Mittwoch in Zürich.

Kaum gewachsen ist hingegen letztes Jahr der Schweizer Markt. Hierzulande blieben die Verkäufe an private Haushalte letztes Jahr mit einem leichten Plus von 26 Tonnen (+0,3 Prozent, 7830 Tonnen) praktisch gleich wie im Vorjahr.

Corona: Runde Laibe nicht gefragt

Auch 2020 läuft es bisher trotz Corona ziemlich gut für den Raclettekäse, wie Kriech sagte. Vom Januar bis April wurden 72 Tonnen (+13,8%) mehr exportiert als in der Vorjahresperiode. Im April gab es allerdings einen Coronadämpfer: Die Exporte gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14 Tonnen auf 81 Tonnen zurück.

Die Schweizerinnen und Schweizer assen von Januar bis April 2020 316 Tonnen Raclettekäse mehr als in der Vorjahresperiode. Das ist ein Plus von 13 Prozent. «Das kompensierte weitgehend die Einbussen im Gastrogeschäft während des Lockdowns», sagte Kriech. Während Scheiben gut liefen, «klemmte» es laut Kriech bei den runden Laiben zum Abstreichen, die vor allem in der Westschweiz in der Gastronomie und bei Anlässen gebraucht werden. «Die meisten unserer Mitglieder produzieren sowohl runde wie auch viereckige Laibe und konnten ihre Produktion umstellen», so Kriech. Allerdings lägen jetzt runde Laibe an Lager. Deren Absatz will der Verein mit 30‘000 Franken fördern, etwa mit Restaurantgutscheinen.

«Wollen mindestens Jahresproduktion halten»

Wird der wachstumsverwöhnte Raclettekäse heuer von Corona ausgebremst? Prognosen seien schwierig, vor allem was den Export angehe, sagte Jürg Kriech. Im Sommer werde im Ausland sowieso weniger Raclette gegessen, eine «Verschnaufpause» für die Branche. «Wir hoffen auf eine gute, kältere Jahreszeit, um glimpflich davonzukommen.»

Folgt auf die Pandemie allerdings die befürchtete Rezession, dürfte es das Schweizer Naturprodukt im Export schwierig haben. Schweizer Raclette kostet nämlich zwei bis dreimal so viel wie die ausländische Konkurrenz. Vielleicht werde es dieses Jahr in der Produktion eine Stagnation geben, so Kriech. «Unser Ziel ist es aber, in diesem Jahr mindestens die Jahresproduktion von 2019 zu halten.»

Vorstand und Präsident wiedergewählt

Die Vereinsversammlung genehmigte alle Geschäfte (Geschäftsbericht, Rechnung 2019, Budget 2020) einstimmig und wählte alle bisherigen Vorstandsmitglieder inklusive Präsident Jürg Simon für die nächsten drei Jahre wieder.