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Grosse Plattformen verdrängen kleine Onlineshops

Vom Wachstumsschub im Onlinehandel durch die Coronakrise profitieren vor allem die grossen Anbieter. Kleine Onlineshops verlieren hingegen schon seit Jahren Marktanteile, wie die aktuelle E-Commerce-Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zeigt.

von sda

Bislang kaufen rund drei Viertel der Schweizer Einwohner zwischen 16 und 74 Jahren gemäss einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) im Internet ein.

Bislang kaufen rund drei Viertel der Schweizer Einwohner zwischen 16 und 74 Jahren gemäss einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik (BFS) im Internet ein. Wie der E-Commerce-Report zeigt, kommen durch die Coronakrise wohl noch einige mehr dazu.

Doch das rasante Wachstum wirkt sich nicht auf alle Anbieter positiv aus. «Der Trend geht definitiv in Richtung grosse Plattformen», sagte Ralf Wölfle, Professor der Fachhochschule Nordwestschweiz und Autor der E-Commerce-Studie.

Unter Plattformen seien aber nicht in erster Linie klassische Onlinemarktplätze wie Digitec Galaxus zu verstehen, sondern auch Suchmaschinen wie Google, Social Media wie Facebook oder andere Seiten, auf denen Onlinekäufe ihren Anfang nehmen. Beispielsweise wenn eine Werbung oder ein Banner auf einer Newsseite zum Anklicken verleitet.

Will ein Kunde etwas online kaufen, verschafft er sich meist erst einen Überblick über die Angebote. Doch hier fallen viele Anbieter bereits weg. Die Aufmerksamkeit der Kunden werde nämlich stark von Plattformen wie Google gesteuert, sagt Wölfle. «Grosse Anbieter haben mehr Know-how und Mittel, um ihre Platzierung bei Google zu steuern als kleine. Diese Entwicklung begünstigt generell die grossen Anbieter.»

Dass immer weniger Unternehmen am Marktwachstum teilhaben, zeigt sich gemäss der Studie auch in den Umsatzzahlen, die der Verband des Schweizerischen Versandhandels VSV erhoben hat. Vor drei Jahren wuchsen zwei von drei der untersuchten Unternehmen um mindestens 1 Prozent oder mehr, vor zwei Jahren waren es noch 57 Prozent und letztes Jahr noch die Hälfte. Zudem zeigten die Zahlen «dass sich grosse Anbieter deutlich besser entwickeln als kleine», hiess es im Report.

Das bestätigen auch die Studienteilnehmer, die an der Umfrage des E-Commerce-Reports mitgemacht haben und selber Vertreter der 35 grössten Schweizer Anbieter” sind. Sie erwarten für die ausländischen Marktplätze das stärkste Wachstum, für die Schweizer Marktplätze Digitec Galaxus und Microspot das zweitstärkste. An dritter Stelle kommen laut Wölfle die individuellen Onlineshops. «Allen voran die Lebensmittelshops». Bei diesen würde nun allerdings nach Corona ein starkes Wachstum erwartet.