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Der Gruyère AOP lässt sich von Corona nicht unterkriegen

Trotz Corona-Pandemie verkauft sich der Gruyère AOP gut und konnte im Export bisher insgesamt sogar zulegen, selbst in den USA. Eine Drosselung der Produktion ist deshalb für die Sortenorganisation kein Thema.

von mos

Selber überrascht vom Exporterfolg in den USA: Philippe Bardet, Direktor der Sortenorganisation Gruyère AOP. (Bild mos)

Für den Gruyère AOP läuft es bisher trotz Corona gut. «Der Markt funktioniert, wir produzieren zu 100 Prozent», sagte Philippe Bardet, Direktor der Sortenorganisation Gruyère AOP, am Dienstag an einer Medienkonferenz in Bulle anlässlich der Delegiertenversammlung der Sortenorganisation.

So legten die Exporte insgesamt von Januar bis Mai trotz Tauchern im April und Mai gegenüber der Vorjahresperiode zu (um rund 180 Tonnen auf 4988 Tonnen gemäss TSM Treuhand). Und auch die Juni-Zahlen seien zufriedenstellend, so Bardet. Dabei komme dem Gruyère sicher zugute, dass er in verschiedenen Vertriebskanälen und in verschiedenen Variationen (offen, geschnitten, vorverpackt, Reibkäse) erhältlich sei.

Auch die Präsenz in 55 Ländern helfe, Schwankungen in einzelnen Märkten auszugleichen. So wurde etwa wegen Corona in Frankreich, wo viele Läden mit Käsetheken geschlossen waren, weniger verkauft. Dafür brachen die Exporte in die USA nach einem «exzellenten» März nicht wie befürchtet ein, sondern legten im Mai und Juni sogar zu. «Das ist auch für uns eine Überraschung. Diesen Anstieg können wir uns nicht ganz erklären», sagte Bardet, immerhin seien die USA stark vom Virus betroffen.

Reibkäse zeitweise ausverkauft

In der Schweiz wurde während des Lockdowns mehr Gruyère verkauft, vor allem zu Beginn. Der Käse profitierte davon, dass die Leute mehr zuhause kochten. «Reibkäse war zeitweise ausverkauft», sagte Bardet. Die Schliessung der Gastrobetriebe fiel dagegen kaum ins Gewicht, weil der Gruyère dort weniger präsent ist. Obwohl Einkaufstourismus inzwischen wieder möglich sei, laufe das Geschäft in der Schweiz weiterhin gut, so Bardet weiter.

Eine Drosselung der Produktion, wie sie etwa die Sortenorganisation Vacherin Fribourgeois AOP beschlossen hat, sei angesichts der guten Verkäufe und der tiefen Lagerbestände für den Gruyère kein Thema, betonte Bardet. Man halte an der Jahresproduktion von 31’210 Tonnen fest. Wie sich die Lage entwickle, sei allerdings sehr schwierig abzuschätzen, räumte Bardet ein. Ein Fragezeichen ist für ihn vor allem die Promotion des Käses während der Pandemie. Rein virtuell lasse sich der Gruyère kaum vermarkten, Degustationen seien essenziell, aus Hygienegründen aber schwierig. Allenfalls seien in Plastik verpackte Probierportionen eine Lösung, trotz Corona die Leute in den Läden zum Probieren zu animieren.

Bio-Gruyère ist gefragt

Der Bio-Gruyère fristete jahrelang ein Mauerblümchendasein. Wegen zu geringer Nachfrage musste er teilweise deklassiert und als traditioneller Gruyère AOP verkauft werden. Seit zwei Jahren gebe es jedoch eine starke Nachfrage nach dem Bio-Käse, auch im Ausland, sagte Bardet. 2019 war sogar zu wenig Gruyère in Bioqualität auf dem Markt. Deshalb hat die Sortenorganisation die Produktionsmenge dieses Jahr um 160 Tonnen auf 1300 Tonnen erhöht. Ausserdem soll 2022 in Châtel-St-Denis eine neue Bioproduktion aufgenommen werden.

Die Bioproduktion könne man aber nicht einfach auf Knopfdruck hochfahren, sagte Bardet. «Dazu braucht es zuerst genügend Bio-Produzenten im Umkreis von 20 Kilometern um eine Gruyère-Käserei», erklärte er. Die Nähe der Milchproduzenten zur Käserei ist im Pflichtenheft festgeschrieben. Auch müsse die Käserei die entsprechenden Strukturen aufweisen.

Markenschutz in Südamerika

Nicht zufrieden ist die Sortenorganisation mit dem ausgehandelten Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten. Seit Freiburger und Berner Käser im 19. und 20. Jahrhundert nach Südamerika ausgewandert sind, wird dort Hartkäse produziert, der als «Gruyère» verkauft wird. Die Sortenorganisation hatte sich vom Freihandelsabkommen einen besseren Schutz der Marke «Gruyère» auf dem südamerikanischen Markt erhofft, wurde aber enttäuscht, wie Bardet sagte. So können südamerikanische Produzenten, die mindestens fünf Jahre vor Vertragsabschluss schon «Gruyère» produzierten, diesen auch weiterhin unter diesem Namen vermarkten.

Meisterprüfung wird Pflicht

Die Delegiertenversammlung stimmt einer Reglementsänderung zu, wonach künftig nur noch Käser und Käserinnen mit abgeschlossener Meisterprüfung eine Gruyère-Käserei leiten dürfen. Damit solle die hohe Qualität des Gruyère AOP sichergestellt werden, lautet die Begründung der Sortenorganisation.