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Nestlé lanciert pflanzliche Thunfisch-Alternative

Nestlé steigt in den Markt für pflanzliche Fisch-Ersatzprodukte ein. Ab Montag ist der «Vuna», eine Thunfisch-Alternative auf Erbsenbasis, exklusiv in der Schweiz erhältlich. Und Nestlé pröbelt bereits an weiteren Meeresfrüchten aus Pflanzen.

von Stephan Moser

Der pflanzliche Thunfischersatz wurde in der Schweiz entwickelt und ist vorerst exklusiv auch nur hier erhältlich. (Bild Nestlé/zvg)

Erbsenprotein, Wasser, Rapsöl, Weizengluten, Salz und pflanzliche Aromen: Aus diesen sechs Zutaten stellt der Lebensmittelkonzern Nestlé mittels Nassextrusion seine Thunfisch-Alternative «Vuna» her, die ab Montag exklusiv in der Schweiz in 250 Coop-Filialen erhältlich ist. Die Thon-Alternative im Glas wird im Kühlregal verkauft und eignet sich laut Nestlé zum Beispiel für Salate, Sandwiches oder auf der Pizza. Mit einem Preis von knapp sieben Franken für 175 Gramm sei Vuna etwa gleich teuer wie richtiger Thunfisch im Glas, sagte Stefan Palzer, Chief Technology Officer (CTO) bei Nestlé, am Donnerstag bei der Lancierung des neuen Produkts im Nestlé-Forschungszentrum in Lausanne.

Thunfisch sei einer der beliebtesten Fische, immer mehr Leute würden ihren Fischkonsum aber wegen der Überfischung und der Schwermetallbelastung reduzieren wollen, sagte Palzer. Ihnen wolle Nestlé mit «Vuna» eine Alternative bieten. Bei der Degustation vermochte der Thonersatz sowohl geschmacklich als auch von der Textur her zu überzeugen.

In nur neun Monaten entwickelt

Die Thunfisch-Alterantive, das erste pflanzliche Seafood-Produkt von Nestlé, wurde in nur neun Monaten im Forschungszentrum in Lausanne entwickelt. «Wir standen Woche für Woche in der Versuchsküche und haben die neuste Version probiert und danach weitergetüftelt, so haben wir es in neun Monaten bis zur Markteinführung geschafft», erklärte der ETH-Lebensmittelingenieur Oliver Nussli, Verantwortlicher für die Forschungs- und Entwicklungsplattform Pflanzenproteine bei Nestlé, gegenüber foodaktuell.ch.

Produziert wird momentan noch im kleinen Stil im Nestlé-Entwicklungszentrum im deutschen Singen, das auf pflanzenbasierte Produkte spezialisiert ist. Auch das habe die rasche Markteinführung ermöglicht, so Nussli. Zum Einsatz kommt ein eigens entwickeltes Extrusionsverfahren, dass die unerwünschten Bitternoten aus dem Erbsenprotein entfernt.

Neben der Schweiz soll Vuna noch in diesem Jahr in weiteren Ländern in die Supermärkte kommen. Produziert werde dann im grossen Stil in einer der europäischen Fabriken von Nestlé, der genaue Standort stehe aber noch nicht fest, sagte Palzer. Die Rohstoffe bezieht Nestlé aus Europa.

Den «Pflanzenlachs» gibts erst als Prototypen

Nestlé pröbelt bereits an weiteren Meeresfrüchten auf Pflanzenbasis, wie CTO Stefan Palzer verriet. Einen frühen Prototypen eines pflanzlichen Lachsersatzes konnten die Journalisten am Forschungszentrum in Lausanne degustieren. Textur und Geschmack sind allerdings noch weit vom Original entfernt. Auch Shrimps- und andere Fischalternativen sind bei Nestlé ein Thema. Allerdings sei es deutlich schwieriger, die Textur etwa von Kabeljau hinzukriegen, sagte Polzer. «Aber ich bin zuversichtlich, dass wir auch das schaffen werden.»

Versuchte Nestlé bei den Fleischalternativen bisher vor allem Rind und Poulet zu imitieren, so rücken neu auch Schweinefleisch-Alternativen in den Fokus. «Die sind vor allem für den asiatischen Markt wichtig», betonte Palzer, etwa als Füllung für Dim Sum oder als Dumplings.

Einen ausführlichen Bericht finden Sie in der September-Ausgabe der Alimenta.