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Kampfwahl bei Aryzta steht bevor

Entscheidende Tage im Machtkampf bei Aryzta: Am Mittwoch stimmen die Aktionäre darüber ab, wer den Tiefkühlgipfeli-Bäcker in die Zukunft führen soll.

von sda

(Bild: zVg)

Eine aktivistische Investorengruppe will Aryzta mit eigenen Managern umkrempeln – doch eine Übernahme in letzter Minute könnte diesen Plan zunichtemachen. Schleppende Geschäfte und hohe Schulden: Der hierzulande für seine Hiestand-Gipfeli bekannte Backwarenkonzern Aryzta steckt schon länger in einem Tief. Der angestrebte Turnaround – der ohnehin bereits mehr Zeit in Anspruch nimmt als geplant – wird durch die Coronakrise zusätzlich torpediert. Das hat im Mai den aktivistischen Investor Gregor Greber mit seinem Fonds Veraison auf den Plan gerufen.

Veraison hat eine lange Geschichte, schwächelnde Unternehmen aufzumischen. Zuletzt bekamen dies etwa der Röntgentechnologie-Spezialist Comet oder der Baukonzern Implenia zu spüren. Und auch bei Aryzta hat Veraison schnell einigen Druck aufgebaut.

Gemeinsam mit dem bestehenden Aktionär Cobas und Michaela und Heiner Kamps hat sich der Fonds inzwischen einen Anteil von rund 20 Prozent an Aryzta gesichert. Das Ziel der Gruppe ist es, drei eigene Vertreter im Verwaltungsrat zu installieren und Aryzta wieder auf die Erfolgsspur zu führen.

Kampfwahl ums Präsidium

Richten sollen es Branchenkenner, allen voran Urs Jordi. Jordi ist noch zu den goldigen Zeiten im Jahr 2008 zum CEO der damaligen Hiestand Holding aufgestiegen. Nach der Fusion mit der irischen IWAS wurde er Chef von Aryzta Europe. Unterstützt werden soll er von Armin Bieri – ebenfalls einem ehemaligen Hiestand-Manager und Heiner Kamps. Gemeinsam wollen sie Aryzta verschlanken und wieder fit machen.

Damit stossen sie aber auf Widerstand des bestehenden Verwaltungsrats. Zwar haben inzwischen bereits drei Verwaltungsratsmitglieder – einschliesslich des Präsidenten Gary McGann – ihren Rückzug aus dem Verwaltungsrat bekannt gegeben. Der Aryzta-Verwaltungsrat wehrt sich jedoch dagegen, Veraison die Kontrolle zu überlassen.

Die Investorengruppe erlange mit drei Vertretern und der Besetzung des Präsidiums die faktische Kontrolle über das Unternehmen, ohne den anderen Aktionären dafür eine Prämie zu zahlen, argumentierte der Verwaltungsrat. Nach seinem Willen soll nicht Jordi, sondern Andreas Schmid McGanns Nachfolge im Präsidium antreten.

Umbau vs. Beschleunigung

Schmid leitete lange Jahre als CEO und auch als Präsident die Geschicke des Schokoladen-Herstellers Barry Callebaut. Später war er auch Mitglied in den Verwaltungsräten von Adecco, Kuoni, Gategroup oder Davidoff.

Sowohl Schmid als auch Jordi können bei Beobachtern punkten. Die Empfehlungen der Stimmrechtsberater halten sich insgesamt die Waage: Während die einflussreiche ISS aus den USA sowie die Schweizer Ethos Stiftung Schmid empfehlen, setzen Glass Lewis sowie die unter dem Namen “zRating” bekannte Nachhaltigkeits-Ratingagentur Inrate AG auf Jordi.

Für den gelernten Bäcker Jordi sprechen die Branchenkenntnisse, für Schmid seine Erfahrung als Verwaltungsratspräsident von Firmen in Turnaround-Situationen. Während Jordi allerdings mit der Mission antritt, Aryzta neu auszurichten und zu vereinfachen, soll unter Schmid vor allem die aktuelle Turnaround-Strategie beschleunigt werden.

Mögliche Übernahme

Ob es dazu überhaupt noch kommen wird, ist aber fraglich. Denn dem Verwaltungsrat wird nachgesagt, mit Hochdruck nach Käufern für Aryzta zu suchen. Mitte Juli gab er bekannt, im Rahmen einer angestossenen Strategieprüfung unaufgeforderte Interessensbekundungen für eine Übernahme erhalten zu haben und diese zu prüfen.

Ein konkretes Angebot blieb zwar bislang aus. Doch wenige Tage vor der GV haben nun Aryzta und die Investmentfirma Elliott des US-Milliardärs Paul Singer bestätigt, Übernahmeverhandlungen zu führen. Allerdings sei ungewiss, ob es zu einem Angebot komme. Auch Singer ist bekannt als aggressiver Investor. Unter anderem hat er bereits den Kurznachrichtendienst Twitter und den Pharmakonzern Bayer ins Visier genommen.

Die Folgen eines möglichen Angebots für die GV am Mittwoch sind ungewiss: Die Investorengruppe um den aktivistischen Fonds Veraison jedenfalls witterte darin offenbar eine mögliche Verzögerungstaktik: Sie pochte in einer Reaktion darauf, dass die GV wie geplant durchgeführt wird. Auf Anfrage äusserte sich Aryzta nicht zu einer möglichen Absage oder Verschiebung im Zusammenhang mit einem Übernahmeangebot, wies aber darauf hin, dass eine Absage grundsätzlich kurzfristig möglich wäre.