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Zuckerrübenpflanzer verlangen Bewilligung für Pflanzenschutz

Die Schweizer Zuckerrübenkulturen sind stark von der virösen Vergilbung betroffen. Die Schweizer Rübenpflanzer verlangen deshalb, dass der Bund eine Notfallzulassung für ein geeignetes Pflanzenschutzmittel entscheidet.

von wy/pd

Von der virösen Vergilbung betroffene Zuckerrüben haben gelbe Blätter und sind deutlich kleiner, wie Samuel Jenni von der Fachstelle Rübenbau demonstrierte
Martin Rufer, Direktor Schweizer Bauernverband, Joël Rösch, Rübenpflanzer, Josef Meyer, Präsident Vereinigung der Zuckerrübenpflanzer, Andreas Blank, VR-Präsident Schweizer Zucker AG und Samuel Jenni, Fachstelle für Zuckerrübenanbau.

«Zwischen Bern und Genf sind 80 bis 90 Prozent der Felder befallen», sagte Josef Meyer, Präsident des Verbandes der Zuckerrübenpflanzer, an einer Medienkonferenz vom 17. September in Bühl im Berner Seeland. Man rechne mit Mindererträgen von bis zu 50 Prozent. «Wir brauchen als Übergangslösung ein neonikotinoidhaltiges Mittel, um die Epidemie sofort zu stoppen.» Man habe beim Bundesamt für Landwirtschaft einen Antrag eingereicht, um für maximal drei Jahre eine Notfallzulassung zu erhalten. «Wir brauchen heute eine Lösung, sonst verlieren wir wegen der Entmutigung der Rübenpflanzer im nächsten Jahr 3000 bis 4000 Hektaren Rübern», sagte Meyer.

Die viröse Vergilbung war bereits in den Neunzigerjahren ein Problem. Die Lösung dafür war das neonikotinoidhaltige Mittel Gaucho. Weil die Forschung zeigte, dass das Mittel schädlich für bestäubende Insekten ist, wurde das Mittel 2019 in der EU und in der Schweiz verboten. Im gleichen Jahr wurde es in vielen Ländern befristet wieder zugelassen. Heute ist das Mittel nur in der Schweiz und in Italien verboten, wo der Rübenanbau keine grosse Bedeutung hat.

Joël Rösch, der in Hermrigen auf 6,5 Hektaren Zuckerrüben anbaut, erklärte, man habe in diesem Jahr die Felder zwei Mal mit Insektizid behandelt, um die Blattläuse zu bekämpfen, leider ohne Erfolg. Die Rüben, die von Anfang an damit befallen gewesen seien, seien fast nicht mehr gewachsen. Die Blätter seien vergilbt und könnten wegen mangelnder Assimilationsfläche nur noch wenig Zucker einlagern. «Für mich bedeutet das Einbussen beim Gewicht von rund 50 Prozent und einen tiefen Zuckergehalt.» So sei die Kultur Zuckerrüben nicht mehr lukrativ. Momentan gebe es nur eine Lösung, um den Anbau zu erhalten, nämlich die Beizung des Saatgutes mit Gaucho. Die Beizung sei auch für Nützlinge schonender als die Flächenbehandlung im Feld.

Samuel Jenni von der Fachstelle Zuckerrübenbau erklärte, man brauche für drei Jahre ein Neonikotinoid, um den Befall mit Vergilbung wieder einzudämmen. Bis etwa 2025 sei mit neuen resistenten Rübensorten zu rechnen

Andreas Blank,  Verwaltungsratspräsident der Schweizer Zucker AG, sagte, die Anbaufläche sei in den letzten Jahren von 21’000 auf 18’000 Hektaren gesunken, wegen billiger Importe und wegen nicht mehr zugelassener Pflanzenschutzmittel. Die nun neu aufgetretene Vergilbung führe wegen der hohen Ertragsausfälle zu einem weiteren Flächenrückgang. Dadurch sei letztlich auch die Zuckerproduktion in der Schweiz gefährdet. Und dies, obwohl diese ausländischem Zucker bezüglich Nachhaltigkeit weit überlegen sei.