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Lactobacillus: Neue Namen für alte Bekannte

Laktobazillen sind aus der Lebensmittelfermentation nicht wegzudenken. Für die Gattung Lactobacillus gibt es eine aktualisierte Klassifizierung aufgrund von vergleichenden Vollgenom-Sequenzierungen.

von Christoph Kohn*

Lactibacillus paracasei heisst neu Lacticaseibacillus paracasei.

Laktobazillen gehören zu den Milchsäurebakterien und sind ein wichtiger Bestandteil der spontanen und der via Starterkulturen zugesetzten Flora fermentierter Lebens- und Futtermittel wie Joghurt, Käse, Rohwürste, Sauerteigbrot, Sauerkraut oder Silage.

Bis März 2020 umfasste die Gattung Lactobacillus 261 Spezies, die während der letzten gut 100 Jahre beschrieben worden waren. Ein internationales Forscherteam hat am 15. April 2020 im «International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology» (Zheng et al., 2020, https://doi.org/10.1099/ijsem.0.004107) nun eine aktualisierte Klassifizierung von Lactobacillus veröffentlicht. Die neue Einteilung ba­siert hauptsächlich auf vergleichenden Vollgenom-Sequenzierungen. Die bisherige Gattung Lactobacillus setzt sich neu aus 25 Gattungen zusammen. Zu diesem Zweck wurden auch die Be­nen­nungen teils angepasst. Die Publikation gilt als «offiziell» und «wissenschaftlich verbindlich». Die Umsetzung in die Praxis, etwa in technischen Dokumenten von Kulturenherstellern, in Literatur, Forschung und Lehre sowie die Implementierung durch öffentliche Stellen und in Regulatorien hat bereits begonnen, dürfte sich aber über Jahre hinziehen.

Auf die praktische Anwendung von Starterkulturen mit Laktobazillen in Lebens- und Futtermitteln hat die neue Nomenklatur keinen Einfluss. Sie können weiterhin wie gewohnt eingesetzt werden, sofern sie bisher schon als sicher und geeignet anerkannt waren.

Folgende Institutionen bieten online-Konverter von der alten in die neue Nomenklatur an:
– Universität Alberta, Canada:
http://lactobacillus.ualberta.ca/
– Universität Antwerpen, Belgien:
http://lactobacillus.uantwerpen.be/

*Christoph Kohn arbeitet bei Agroscope.