Listerien-Käse: «Eine absolute Ausnahme»
Gegen den Schwyzer Käser, der im Mai Produkte wegen Listerien zurückrief, läuft nun ein Strafverfahren. Bei Fromarte ist man vom eigenen QM-System überzeugt, man will aber Lehren aus dem Fall ziehen.
Mutmasslich zehn Personen sind gestorben, 34 Personen sind erkrankt, weil sie mit Listerien kontaminier-ten Käse gegessen hatten, der aus der Käserei Vogel in Steinerberg SZ stammte. Die Staatsanwaltschaft Innerschwyz hat nach einer Strafanzeige des Kantonschemikers der Urkantone vom Juli gegen den Betreiber ein Strafverfahren eröffnet, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtet. Es bestehe der Verdacht auf mehrfache fahrlässige Tötung, mehrfache fahrlässige Körperverletzung und Widerhandlung gegen das Lebensmittelgesetz, teilte die Staatsanwaltschaft am 27. August mit. Für den Käser gilt die Unschuldsvermutung. Die Käserei Vogel fand Anfang Mai bei einer internen Kontrolle Listerien in verschiedenen Produkten und informierte daraufhin die Abnehmer, das Kantonale Labor und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Das BLV gab eine Warnung heraus, sämtliche Produkte aus der Käserei wurden zurückgerufen und vernichtet. Das alles geschah, so ist anzunehmen, offenbar nicht schnell genug: Im Wallis infizierten sich vier Personen an Listerien, eine davon verstarb. Das Nationale Zentrum für enteropathogene Bakterien und Listerien NENT führte im Betrieb eine Untersuchung durch und fand ebenfalls Listerien.
Listerien schon im 2018
Die Staatsanwältin Franziska Steiner erklärte gegenüber der SDA, man habe durch wissenschaftliche Analysen im Auftrag des Bundes Zusammenhänge zu insgesamt 34 Krankheitsfällen bis zurück ins Jahr 2018 herstellen können. Im Rahmen der Untersuchung würden nun der Beschuldigte und weitere Personen und Experten befragt. Der Käser, der Ende Jahr ohnehin in Pension gegangen wäre, hat seine Pension vorgezogen und den Betrieb geschlossen. Die Käserei war Mitglied des Käserverbandes Fromarte und war nach dem Qualitätsstandard QM-Fromarte zertifiziert, wie Stefan Truttmann von Fromarte erklärt. «QM Fromarte funktioniert gut, die vorgegebenen Kontrollen sind streng, was die sehr seltenen Ausbrüche belegen», sagt Truttmann. «Was hier passiert ist, ist schwer zu verstehen.» Es sei in diesem Ausmass eine absolute Ausnahme und müsse auch eine Ausnahme bleiben. «Fromarte wird die Mitglieder verstärkt auf die bestehenden Gefahren sensibilisieren und auf die strikte Einhaltung der Hygienevorschriften und Produktanalysen pochen und auch die Schulung intensivieren.» Man werde auch die Kontrollprozesse verstärken und die Audits optimieren, um ähnliche Verstösse in Zukunft zu verhindern.