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Der Traditionsfisch aus Birsfelden

Die Migros will mit einer neu eröffneten Aquakulturanlage in Birsfelden der steigenden Nachfrage nach nachhaltigem Fisch entgegenkommen. Jetzt kommen die ersten Egli und Felchen in die Läden.

von Hans Peter Schneider

In der neuen Aquakultur in Birsfelden, sind 35 Becken zu je 27 000 Liter Wasser vorhanden.
Das Futter besteht grösstenteils aus Fischmehl.
Fabio Ammann, der Betriebsleiter der Aquakultur.
Die Aquakultur befindet sich in Birsfelden neben dem Migros-Betrieb Delica.

Während dem Besucher in Birsfelden der Duft von frischem Kaffee aus der Delica-Rösterei um die Nase weht, werden gleich nebenan Fische produziert. In der neuen Aquakul­turanlage der Migros-In­dustrie, direkt am Rhein gelegen, will die Migros künftig jährlich 240 Tonnen Fische pro­duzieren. Ein Klacks, wenn man bedenkt, dass der jährliche Fischkonsum in der Schweiz bei ge­gen 100000 Tonnen liegt. 95 Prozent davon wer­den importiert. Für Martin ­Stalder, Chef von Migros Seafood, soll Fisch in der Schweiz produziert werden und zwar auf nachhaltige Art und Weise. Die Nachfrage danach steige ständig, ist man bei der Migros überzeugt. Das Projekt in Birsfelden sei somit die Antwort auf die geringere Produktivität der Schweizer Gewässer und das wachsende Bedürfnis der Konsumenten nach gesunden und nachhaltigen Fischprodukten. 

Aus Ostdeutschland nach Birsfelden

Die Produktion von Fisch hat es aber in sich. Es dauert lange, bis aus einem Laich ein Fischfilet entsteht. In der KM Seafood, im ostdeutschen Kirschau in der Nähe von Dresden, werden die Laiche von den Elternfischen besamt. Aus den Eiern entstehen die Larven und aus diesen die Setzlinge, die dann mit einem Gewicht zwischen 60 bis 80 Gramm per Lastwagen nach Birsfelden gebracht werden. Dort werden die Felchen und Egli in total 36 Becken mit einem Inhalt von je 27000 Litern gemästet, bis sie nach drei bis vier Monaten ein Gewicht von 300 Gramm erreicht haben und ge­schlachtet werden. 

Die Anlage besteht aus drei unabhängigen Kreislaufsystemen mit jeweils zwölf Becken. Jeder Kreislauf sei autonom aufgebaut und das Kreislaufwasser erhalte laufend einen Frischwasseranteil, sagt Fabio Ammann, der Betriebsleiter der Aquakultur. Man habe sich bewusst für Egli und Felchen entschieden. «Diese Fischarten gehören traditionellerweise zur Schweiz.» Damit sollen teilweise die sinkenden Egli-Wildfänge aus Schweizer Seen kompensiert werden. In der Anlage der Aquakultur stehe die Gesundheit der Tiere, eine hohe Qualität der Produkte und die Lebensmittelsicherheit im Vordergrund, schreibt die Migros-Fleischverarbeiterin Micarna in einer Mitteilung. Weil die Fische aus der eigenen Zucht stammten, könne die Ge­sundheit und die Vitalität der Tiere sichergestellt werden. Somit lasse sich auch der ­Ein­satz von Antibiotika vollständig vermei­den.

Im Biofilter wird anschliessend das vom Fisch ausgeschiedene Ammonium in einem zweistufigen Prozess in ungefährliches Nitrat umgewandelt. Das saubere Wasser wird in den Rhein geleitet, die Fischgülle kommt in die Biogasanlage. Die nachhaltig produzierten Fische sind seit Ende September in den Filialen der Genossenschaft Migros Basel erhältlich. Schrittweise sollen die Fische aus dem Pionierprojekt der Migros in Birsfelden in der ganzen Schweiz angeboten werden.

«Egli coming home»

Schon im 2014 hat Micarna mit der Aufzucht von Egli begonnen. Dazu wurde in Irland eine alte Champignonproduktionshalle zu einer Fischzucht umgebaut. Das habe aber nie richtig funktioniert, sagt Fabio Ammann. Ausserdem sei der Transport von Irland in die Schweiz
per Fähre und LKW teuer gewesen. Aber auch andere Probleme tauchten auf, wie zum Beispiel, dass die Egli während der Schiffsreise
seekrank geworden seien. Darum habe man das Projekt in der Schweiz gestartet, unter dem Namen «Egli coming home». 

hanspeter.schneider@rubmedia.ch