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Vetropack-CEO: Haben Krise bisher ganz gut gemeistert

Spurlos geht die Corona-Krise auch nicht am Glasverpackungshersteller Vetropack vorbei. CEO Johann Reiter zeigt sich dennoch einigermassen zufrieden damit, wie das Unternehmen im bisherigen Jahresverlauf abgeschnitten hat.

von Charlie Fehrenbach/awp

Vetropack-CEO Johann Reiter. (Bild Vetropack/zvg)

AWP: Vetropack hat im ersten Semester angesichts der Corona-Krise mit einem organischen Umsatzminus von rund 5 Prozent gemessen an anderen Industrieunternehmen vergleichsweise gut abgeschnitten. Ist Ihr Unternehmen coronaresistent?

Johann Reiter: Wir sind mit unseren Produkten in der Glasverpackungsindustrie zu einem Teil systemrelevant. Ohne Verpackung gehen die Produkte nicht in den Handel. Coronaresistent sind wir aber nicht – auch wenn wir bisher vielleicht besser durch die Krise gekommen sind als andere.

Wo ist denn Vetropack am stärksten von Corona betroffen?

JR: Wie gesagt, wir haben die Krise bisher ganz gut gemeistert. Wenn wir die einzelnen Länder anschauen, gibt es natürlich Unterschiede, weil wir jeweils unterschiedliche Produkte produzieren. Einen starken Rückgang haben wir in der Ukraine erlebt, dort ist das Konsumverhalten anders. Interessanterweise haben wir uns in Italien, das zu Beginn so stark von der Pandemie getroffen wurde, ganz gut geschlagen.

Sie haben im März den Transport Ihrer Glasbehälter zu den Kunden als mögliches Problem bezeichnet. War es eines?

JR: Zu Beginn der Krise wurde die Transportlogistik wegen der Lockdowns und den Grenzschliessungen als gewisses Risiko gesehen. Das hat sich dann aber nicht bewahrheitet, weil europaweit rasch klar wurde, dass der grenzüberschreitende Transport für die Verteilung der Waren in die Läden essentiell ist. Auch die Rohstoffe für unsere Glasproduktion konnten immer rechtzeitig angeliefert werden.

Dann war für die im ersten Semester kommunizierte leichte Drosselung der Kapazität nicht die Lieferkette verantwortlich, sondern die schleppende Nachfrage.

JR: Definitiv war es die gesunkene Nachfrage.

Hat Vetropack dabei auch auf Kurzarbeit umgestellt?

JR: In den Ländern, wo dies möglich war, haben wir dieses Instrument auch genutzt.

Wo denn konkret?

JR: Etwa in der Ukraine, aber auch in Österreich und in der Schweiz. Darüber hinaus haben wir etwa auch die Urlaubskonti der Mitarbeiter abgebaut.

Der Umsatz wurde im ersten Semester insbesondere durch die Schliessung der Gaststätten belastet. Konnte dies nicht über den Mehrverkauf im Detailhandel kompensiert werden?

JR: Nein, das Konsumverhalten im Restaurant ist ganz anders als zu Hause. Zum Teil wird der Konsum im Wirtshaus kompensiert, aber nicht komplett. Wenn die Touristen nicht kommen oder wenn man nicht am sozialen Leben teilnehmen kann, beeinflusst dies den Konsum negativ.

Nun rollt an den meisten Orten die zweite Corona-Welle an, welche gemessen an den Fallzahlen noch stärker ist als die erste. In der gesamten Westschweiz sind die Restaurants wieder zu. Droht bei weiteren Verschärfungen der behördlichen Massnahmen auch ein Arbeitsplatzabbau?

JR: Aktuell sehen wir nicht, dass es zu einem Verlust von Arbeitsplätzen kommen wird. Wir können gewisse Einbussen für eine Zeit überbrücken. Wir haben wegen der ersten Welle die Produktion etwas zurückgenommen, Mitarbeiter mussten wir deswegen bis jetzt aber keine entlassen und ich sehe das auch nicht für die zweite Welle.

Halten Sie an der Prognose fest, die Absatzmenge im Gesamtjahr leicht zu steigern?

JR: Zumindest haben sich die ersten Monate im zweiten Semester entsprechend entwickelt. Der Blick in die Glaskugel ist momentan aber besonders schwierig. Es ist angesichts des neuen, zumindest teilweisen Lockdowns wirklich kaum möglich zu sagen, wo wir Ende Jahr stehen werden.

Lassen wir Corona mal auf der Seite. Vetropack ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und hat dabei vom Trend zu nachhaltigeren Verpackungen profitiert. Surfen Sie damit auf der grünen Welle?

JR: Das wäre eine schöne Headline! Im Ernst: Wir sind mit dem richtigen Produkt unterwegs, das gut in die Zeit passt. Glas hat viele hervorragende Eigenschaften und einen grossen Mehrwert. Sie können es beispielsweise ohne Verlust immer wieder rezyklieren und daraus wieder Verpackungsglas herstellen.

Sie rechnen also auch in Zukunft mit Wachstum. Wie soll das aussehen, gibt es ein mittelfristige Wachstumsziele?

JR: Firmenintern schon, aber wir kommunizieren diese nicht nach aussen. Das Wachstum hängt auch von den Opportunitäten am Markt ab. Wir haben aber in den vergangenen Jahren am Wachstum in Europa gut partizipiert und auch unsere Kapazitäten entsprechend angepasst.

Neben dem Wachstum hat sich auch der Gewinn gut entwickelt: seit 2017 liegt die EBIT-Marge im zweistelligen Bereich. Bleibt dies auch im Corona-Jahr so? Im August haben Sie bekanntlich für 2020 eine Marge «nicht ganz» beim Vorjahreswert von 12,6 Prozent angekündigt.

JR: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Wir werden es versuchen, die Auswirkungen des zweiten Lockdowns sind aber nicht zu unterschätzen.

Ist das zuletzt gezeigte Margen-Niveau von 10 bis 12 Prozent nachhaltig oder gar weiter zu steigern – natürlich in einem weniger harschen Umfeld ohne Corona-Krise?

JR: Die Margen kann man grundsätzlich immer steigern. Man muss aber sehen, dass unsere Industrie sehr hohe Investitionen verlangt. Die technischen Anlagen, wie beispielsweise die Schmelzwannen, haben eine gewisse Lebensdauer und müssen zu einer bestimmten Zeit ersetzt werden.

Sie sprechen die Investitionen an: In Kroatien will Vetropack in eine neue und grössere Schmelzwanne investieren und in Italien soll ein bestehendes Werk in ein neues integriert werden. Werden die dafür vorgesehenen Mittel wie geplant ausgegeben, oder werden diese Investitionen aus Vorsichtsgründen wegen Corona zeitlich nach hinten verschoben?

JR: Die Projekte werden wie geplant durchgeführt. Die erneuerten Anlagen in Kroatien wollen wir im Januar in Betrieb nehmen.

Auch Akquisitionen sind immer wieder ein Thema. Sie haben zuletzt in Moldawien einen Vertrag zur Übernahme eines Glaswerks unterschrieben. Damit bauen Sie die bereits starke Position in Osteuropa weiter aus. Bleibt dies die bevorzugte Region, oder kämen auch Investitionen oder Übernahmen in Westeuropa oder anderen Weltregionen in Betracht?

JR: Der Fokus auf Osteuropa hat mit der Geschichte von Vetropack zu tun. Die erste Akquisition erfolgte in Österreich und damit am Tor zum Osten. Das war ein guter Schachzug. In der Folge haben sich die Dinge gemäss den sich bietenden Gelegenheiten entwickelt. Unsere Werke arbeiten sehr eng zusammen.

Das heisst, andere Regionen stehen für eine Expansion derzeit nicht im Fokus.

JR: Genau! Wir sind gut aufgestellt.

Käme allenfalls eine technologische Ausweitung des Geschäfts in andere Anwendungen von Glas über das Verpackungsglas hinaus in Frage?

JR: Nein, unser Kerngeschäft bleibt die Herstellung von Verpackungsglas für Getränke und Nahrungsmittel. Da sind wir der kompetente Ansprechpartner für unsere Kunden.