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«Bio-Milch verstehen die Leute»

Bio-Milch leuchtet den Leuten ein, Swissmilk Green eher nicht. Die Milch profitiert vom Vegi-Trend. Und klimafreundliche Milch ist eine Herausforderung: Einsichten und Ansichten von der Milchwirtschaftstagung von Agridea und Svial.

Was erwarten die Konsumentinnen und Konsumenten von nachhaltiger Milch? Welche nachhaltigen Milchen gibt es, und wie entwickeln sie sich? Und zahlt sich nachhaltige Milch auch für die Bauern aus? Diese Fragen standen im Fokus der Milchwirtschaftstagung der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea und von Svial, dem Berufsverband für Hochschulabsolventinnen und -absolventen im Agro-Food-Bereich (siehe Kasten). Wegen Corona fand die Veranstaltung vom 12. November als Zoom-Webinar statt. Die wichtigsten Erkenntnisse in sechs Punkten.  

1. Konsumenten zahlen gerne mehr – wenn die Mehrwerte klar sind

Tierwohl, Schutz der Ressourcen, soziale Gerechtigkeit – diese Werte sind heute für viele Konsumentinnen und Konsumenten wichtig, auch bei der Milch. Und viele Leute sind bereit, für diese Mehrwerte mehr zu bezahlen - «aber nur, wenn sie den Mehrwert auch klar erkennen». Das sagte Conradin Bolliger vom Fachbereich Marktanalysen des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) in seinem Referat. Für Bolliger hat dabei ganz klar die Bio-Milch die Nase vorn. «Die Leute wissen, dass Bio gut ist für Mensch, Tier und Umwelt.» Diese Ganzheitlichkeit von Bio sei für die Konsumenten logisch und nachvollziehbar. Schwerer habe es nachhaltige Milch, die nur einen Aspekt der Nachhaltigkeit vermarkte, etwa die Heumilch. «Den Mehrwert der Heumilch verstehen die Leute nicht, für sie fressen Kühe ja per se Heu», so Bolliger. Ausserdem sei bei der Milch, anders als beim Fleisch, der Preisunterschied zwischen Bio-Milch und einer anderen nachhaltigen Milch nur gering. «Da greifen viele lieber gleich zur Bio-Milch, weil Bio für sie einfach nachvollziehbarer ist – die 20 Rappen Mehrkosten spielen kaum eine Rolle.»  

2. Swissmilk Green: Die Differenzierung läuft immer noch über Labels

Nach langem Ringen hat die Schweizer Milchbranche am 1. September 2019 den Branchenstandard für Nachhaltige Schweizer Milch lanciert, auch bekannt als Grüner Teppich. Die Zwischenbilanz nach einem Jahr sei positiv, sagte Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch. Der grüne Teppich sei im Grundsatz unbestritten, 55 Prozent der Milchwirtschaftsbetriebe machten bereits mit, 85 Prozent der Molkereimilch werde heute nach den Vorgaben des Standards produziert. Enttäuscht zeigte sich Kohler über die Verwendung der zum Standard gehörenden Marke «swissmilk green». Zwar haben 22 Milchverarbeiter, vier Detailhändler und sieben Markeninhaber Lizenzverträge für die Marke abgeschlossen. Auf Milchprodukten ist das rot-grüne Logo mit der Milchkanne allerdings selten zu sehen. Die Marktabdeckung beträgt nur rund 10 Prozent. So verwendet etwa Coop nicht das «Swissmilk Green»-Logo, sondern den IP-Suisse-Käfer. Längerfristig will Coop die ganze Milchpalette im «Qualité&Prix»-Segment auf Wiesenmilch von IP-Suisse umstellen. Woran liegts? Ein Standard lasse sich eben nur bedingt ausloben, so Kohler. «Aber wenn Milchen über unseren Standard hinausgehen und das dann ausloben, umso besser.» Ähnlich sieht das auch Stephan Hagenbuch, Direktor der Schweizer Milchproduzenten SMP. «Der Wettbewerb unter den Milchprodukten findet oberhalb des Standards statt», sagte er. Die Differenzierung laufe über die Labels. Nächstes Jahr würden aber «Die Butter» und «Floralp» mit «swissmilk green» ausgelobt, das werde der Marke Schwung verleihen, zeigte sich Hagenbuch überzeugt.  

3. Grüner Teppich beschäftigt auch die Käsebranche

Der Grüne Teppich stösst auch in der Käsebranche auf Interesse. Die Umsetzung des Grünen Teppichs sei aktuell bei vielen Sortenorganisationen in Diskussion, und die BO Milch bereite einen Leitfaden für die Anmeldung und Kontrolle der gewerblichen Käsereien vor, sagte Hagenbuch. «Der Emmentaler AOP will künftig die Marke swissmilk green auf den Verpackungen verwenden», so Hagenbuch. «Da steckt viel Dynamik drin.» Die Auslobung des nachhaltigen Rohstoffes Milch werde für die Schweizer Käsebranche gerade im Export immer wichtiger, betonte Stefan Kohler. Die ausländischen Käseproduzenten würden in ihrer Werbung mit zum Teil hanebüchenen Argumenten die vermeintliche Nachhaltigkeit ihrer Käse herausstreichen. Darauf müssten die Schweizer Produzenten reagieren. Die Nachhaltigkeitsmehrwerte der Schweizer Milchprodukte im Ausland zu verkaufen, sei allerdings nicht einfach. Das gab Christian Müller von Nestlé zu bedenken. «Für einen Chinesen ist Schweizer Milch per se gut.» In China die Nachhaltigkeit etwa von swissmilk green im Detail zu erklären, sei aber sehr schwierig. Das sieht Conradin Bolliger vom BLW auch für den inländischen Markt so: «Swissmilk green ist für Konsumenten schwer zu verstehen.»  

4. Der Klimafussabdruck rückt in den Fokus

Bei den verschiedenen Milch-Nachhaltigkeitsprogrammen stehen bisher meist Teilaspekte der Nachhaltigkeit im Fokus: Beim Grünen Teppich ist es das Tierwohl, bei IP-Suisse die Biodiversität, bei der fairen Milch die gerechte Entlöhnung der Produzenten. In Zukunft wird vor allem ein Thema wichtig werden: der Klimafussabdruck der Milch. Darin waren sich die Referenten einig. «Die Milchtrinker wollen ein gutes Gewissen», brachte es Jürg Maurer, stellvertretender Leiter Wirtschaftspolitik beim Migros Genossenschaftsbund auf den Punkt. Einiges ist schon in Bewegung: Bei der Weiterentwicklung des grünen Teppichs steht die Reduktion der Klimagas-Emmissionen auf der Agenda. Die IP-Suisse führt bei ihrer Wiesenmilch schon nächstes Jahr zusätzlich zum Biodiversitätsprogramm drei weitere Programme ein, wie Geschäftsführer Fritz Rothen sagte. Eines zum Tierwohl, eines zum Sozialen und eines zum Klima, das ein ganzes Bündel an Klimaschutzmassnahmen enthält, vom Einsatz vom Gülle-Schleppschlauch, über den Bau von Solaranlagen bis zur Fütterung der Kühe. Klimaschutz in der Milchproduktion ist allerdings komplex. Das betonte Christian Müller von Nestlé. Der Lebensmittelmulti will bis 2050 klimaneutral werden und fokussiert dabei stark auf die Lieferkette. Denn die Rohstoffe machten rund 55 Prozent der Treibhausgasemissionen von Nestlé aus, wie Müller aufzeigte. In der Schweiz sei die Milch weitaus der wichtigste Rohstoff, 140'000 Tonnen verarbeitet Nestlé jährlich. Vor zwei Jahren startete Nestlé darum das Projekt «Klimafreundliche Milch». 145 Milchbauern machen heute mit. Ziel ist es, den Methanausstoss der Milchkühe zu reduzieren, etwa mit langlebigeren Kühen oder neuen Futterzusätzen. Man habe zwar schon einiges erreicht, sagte Müller. Man lobe aber noch keine «klimafreundlichen» Milchprodukte aus. «Wir sind immer noch am Lernen.» Stephan Hagenbuch betonte, Schweizer Kühe seien keine Klimakiller. Im internationalen Vergleich seien die Emissionen in der Schweizer Milchproduktion deutlich kleiner als anderswo. Ausserdem seien Kühe in der Lage, aus «minderwertigem» Gras hochwertiges Protein für die menschliche Ernährung zu produzieren. Das sei punkto Nachhaltigkeit auch ein zentraler Punkt.  

5. Auch ein paar Rappen läppern sich

Lohnt sich nachhaltige Milch auch für die Produzenten? Beim Grünen Teppich erhalten die Bauern einen Nachhaltigkeitszuschlag von 3 Rappen pro Kilogramm Milch, die Detailhändler haben die Preise entsprechend nach oben angepasst. Seit dem 1. September 2019 seien die Produzentenpreise im Schnitt um drei Rappen gestiegen, sagte Kohler. «Der im Laden erzielte Mehrpreis wurde also weitgehend an die Produzenten weitergegeben.» Pascal Python von Agridea betonte, dass der Konsument eine Preiserhöhung von wenigen Rappen im Laden nicht wahrnehme, für den Produzenten schenke das aber ein. Die IP-Suisse zahlt ihren Bauern, die Wiesenmilch produzieren, eine Prämie von fünf Rappen pro Kilogramm Milch auf den Marktpreis drauf. Der Marktpreis selber könne dabei stark variieren, sagte IP-Suisse Geschäftsführer Fritz Rothen: von 53 Rappen bis zu 90 Rappen für Wiesenmilch, die zu Maréchal-Käse verarbeitet werde. Die IP-Suisse habe sich vergeblich darum bemüht, dass die Wiesenmilchbauern automatisch beim Grünen Teppich mitmachen könnten. Inzwischen sei er ganz froh drum, dass sich die Wiesenmilchbauern für den Grünen Teppich speziell anmelden müssten, sagte Rothen: «So bekommen sie zusätzlich zur Prämie von fünf Rappen auch den Nachhaltigkeitszuschlag von drei Rappen.» Auch Nestlé zahlt den Milchbauern in seinem Projekt «Klimafreundliche Milch» mehr Geld für ihre Bemühungen: maximal 2,4 Rappen pro Kilogramm Milch.  

6. Der Vegi-Trend nützt der Milch

Die Schweizerinnen und Schweizer trinken seit Jahren immer weniger Milch. Werden der vegane Trend und die boomenden pflanzlichen Milchimitate zur zusätzlichen Bedrohung für die Milch? Stefan Kohler und Stephan Hagenbuch sehen das beide gelassen. Wichtiger als die lautstarke, aber kleine Gruppe der Veganer sei die wachsende Zahl der Vegetarier und Flexitarier. «Von diesem Trend profitiert die Milchwirtschaft», betonte Kohler. Als Alternative zum Fleisch griffen diese Leute vermehrt zu Käse, Joghurt oder Milch. «Flexitarier sind ein Gewinn für die Milchbranche», sagte auch Hagenbuch. Proteinreiche Produkte wie etwa die margenträchtigen Hoch-Protein-Quarke seien im Trend, davon profitiere die Milch.

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